Die Passion des stillen Rächers. Commissario Montalbanos achter Fall

Die_Passion_des_stillen_R__chers.jpgKaum hat Salvo Montalbano seine Schussverletzung auskuriert, erhält er auch schon einen Anruf aus dem Kommissariat: Auf einer einsamen Landstraße hat man den Motorroller von Susanna Mistretta, einer junger Studentin, gefunden, die mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf nahe der Fundstelle lebt. Der Vater, der unverzüglich eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat, ist sich sicher: Susanna ist entführt worden. Doch Commissario Montalbano findet bald heraus, dass es sich bei der Entführung um die Tarnung für eine weitaus vielschichtigere Sache handelt. Zu viele Details passen nicht zusammen, die Aussagen der Zeugen widersprechen sich. Doch das Netz der Verwirrungen, das hier ausgelegt wurde, scheint undurchdringbar und der stille Rächer geduldig genug, um in aller Ruhe abzuwarten, bis sein Opfer in die verhängnisvolle Falle tappt ...

Meine Gedanken zum Buch: 

Einmal mehr ein grandioses Lesevergnügen. Ich habe auch die sieben Bücher vor diesem gelesen und freu mich schon auf die folgenden, Camilleri schreibt einfach umwerfend gut. Komisch, liebevoll, satirisch und respektvoll schildert er seine Landsleute mit allen ihren Eigenheiten, vor allem auch den kulinarischen, sodass einem oft das Wasser im Mund zusammenläuft.
Vigáta ist ein fiktiver Ort, aber es könnte jede kleine Stadt in Sizilien sein. Montalbano ist ein typischer italienischer Macho, der jedoch mehr und mehr auch seine sensiblen Seiten entdeckt, die vor allem seine Freundin Livia in ihm zum Vorschein bringt.
Es ist sicher schwierig, einen Text zu übersetzen, der mit so vielen lokalen Ausdrücken und Phrasen gespickt ist, aber ich denke, es ist ganz gut gelungen. Vor allem die Dialoge mit dem Carabineri Catrella finde ich immer so komisch, deshalb habe ich hier auch zwei zitiert.
Die Geschichte selbst ist spannend, Montalbano lässt sich von den Beteiligten der Entführung nicht aufs Glatteis führen, er allein durchschaut letztendlich die Ränke, die hier geschmiedet wurden und bildet sich sein eigenes Urteil darüber, was richtig und was falsch ist.
Eine absolute Empfehlung für alle, die gern Geschichten mit südlichem Lokalkolorit lesen, in denen es weniger um Mord und Brand geht, sondern um das Menschliche mit all seinen Auswüchsen.

Das Telefon klingelte wieder.
"Dottori? Da wär eine Frau dran, die will mit Ihnen persönlich selber reden. Sie sagt, dass sie Ihnen was ganz was Persönliches sagen muss."
"Hat sie auch gesagt, wie sie heißt?"
"Piripipò, glaub ich, Dottori."
Das konnte nicht sein. Er wollte so gern wissen, wie die Frau wirklich hieß, dass er das Gespräch annahm.
"Dutturi, sind Sie da dran? Hier ist Cirrinció Adelina."

Seitenangabe für Zitat1: 
99

Montalbano wollte gerade sein Zimmer im Kommissariat betreten, als das Telefon klingelte.
"Dottori? Da ist einer am Telefon, der sagt, dass er der Mond ist. Ich hab echt gedacht, dass der einen Witz macht, und hab gesagt: Und ich bin die Sonne. Da war er sauer. Ich glaub, der spinnt."
"Stell ihn durch."

Seitenangabe für Zitat2: 
186
Verlag: 
Lübbe
Auflage: 
Neufauflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3404922673