Die Memoiren der Elizabeth Frankenstein

Die_Memoiren_der_Elizabeth_Frankenstein.jpgVictor Frankenstein frevelte gegen Natur und Gott, als er einen Menschen erschaffen wollteund ein unglückseliges Monster gebar. In den Augen der Welt war vor allem Elizabeth Frankenstein, Victors Braut, die in ihrer Hochzeitsnacht unter mysteriösen Umständen erwürgt wurde, das bedauernswerteste Opfer.
Die geheimen Aufzeichnungen der Elizabeth Frankenstein erzählen eine andere Geschichte - von einer Frau, die auf weite Strecken nicht Opfer, sondern Partnerin ihres Geliebten war. Freimütig berichtet Elizabeth von ihrer Kindheit bei einer Zigeunerfamilie und ihrer Adoption durch die Baronin Caroline Frankenstein, einer Freidenkerin, die sie in einen geheimen, uralten Frauenkult initiiert. Sie erzählt von den Vorbereitungen für ihre "chymische Hochzeit" mit ihrem Ziehbruder Victor Frankenstein, von Verrat, Gewalt und Betrug zwischen den Liebenden - und von ihrer sonderbaren Beziehung zu einem geheimnisvollen Fremden namens Adam.

Meine Gedanken zum Buch: 

Roszak schreibt eine Ergänzung zu Mary Shelleys Klassiker "Frankenstein", in der er uns die Person der unglücklichen Elizabeth näherbringt. Erzähler ist einmal mehr der Forscher Sir Robert Walton, dem schon Victor seine Geschichte diktiert hat. Auf der Suche nach den Hintergründen für diese stößt er auf Elizabeth's Tagebuch, das schockierende Fakten über die junge Frau enthält, die bislang immer nur als hilfloses Opfer angesehen wurde.
Und ehrlich gesagt bleibt sie das für mich auch weiterhin. Sie ergibt sich zwar pflichtbewusst in die Riten des Frauenkults, dem ihre Stiefmutter Caroline vorsteht, und der dem jungen Mädchen Dinge abverlangt, die auch heute noch als strafbar gelten würden, aber letztendlich bleibt ihr ja auch keine Wahl. Auch wenn die vielen Übergriffe im Namen der Liebe stattfinden, sind es doch Dinge, für die Elizabeth sich schämt, die sie nie ganz überwindet. Und dass ihr Vertrauenn letztendlich missbraucht wird und in einer Katastrophe endet, ist für mich vorhersehbar.
 Anders als Victor hat sie nie die Chance, sich aus dieser Umklammerung zu befreien und ein selbstbestimmtes Leben zu wählen.
 
Roszak stellt in seinem Buch das Weibliche sehr in den Vordergrund, die Beschreibungen der Riten schrammen knapp am Pornographischen vorbei, berufen sich auf tantrische Riten, bleiben für mich aber auch letztendlich so klinisch und distanziert, dass man sie wohl kaum als erotisch beschreiben kann. Etwas weniger wäre in diesem Fall auch mehr gewesen, irgendwann werden diese Ausschweifungen zu langatmig und verlieren für mich auch ihre Sinnhaftigkeit. Trotzdem stehen diese uralten Rituale in einem interessanten Gegensatz zu den wissenschaftlichen Methoden der Auflärung, für die der alte Baron Frankenstein so vehement eintritt. Und deren fantatischer Anhänger ja auch Victor letztendlich wird.
 
Alles in allem ein stimmiges Buch mit ein paar Längen, das sprachlich gut an das Original anknüpft und dem Leser die altbekannten Figuren in einem neuen Licht präsentiert.
 

Verlag: 
Btb
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3442722365