Die Kinder unseres Viertels

Am Ende der Straße, dort, wo die Wüste beginnt, steht das große Haus. Hinter hohen Mauern in einem paradiesischen Garten wohnt hier der geheimnisvolle Gabalawi, der Stammesvater des Viertels. Seit undenklichen Zeiten hat ihn niemand mehr gesehen. Dennoch leitet er wie mit unsichtbarer Hand das Schicksal seiner Kinder und Kindeskinder. Wächter und Verwalter terrorisieren das Viertel in wiederkehrenden Wellen von Aufruhr und Unterdrückung. Auf Adham folgt Gabal, auf Gabal Rifaa, auf diesen Kasim. Sind sie Figuren der Menschheitsgeschichte, hinter denen sich Adam, Moses, Jesus und Mohammed verbergen? Und wer ist Arafa, der mit Hilfe der Wissenschaft und der Zauberei die Zwietracht und Gewalt zwischen den »Kindern unseres Viertels« zu beseitigen trachtet?Immer wieder breitet sich der Mantel des Vergessens und des Schweigens über das Vergangene. In den Liedern zur Rabab und den Geschichten, die zur Opiumpfeife in den Kaffeehäusern erzählt werden, überleben die Taten und Ideale von Adham, Gabal, Rifaa, Kasim und Arafa, die auszogen, der Gewalt ein Ende zu setzen.

Meine Gedanken zum Buch: 

»Zum Schönsten der allegorischen Menschheitsgeschichte gehören die präzisen Stimmungsbilder am Rand der Wüste. Dann hat die lesende Person das Gefühl, als schmecke sie die unvergleichliche Luft von Kairo.«
          Tages-Anzeiger    (Rezension zu Hardcover )
Dem kann ich mich vollinhaltlich anschließen.

Als einmal ein Mann über Gabalawi sprach, hörte ich ihn sagen:"Er ist der Ursprung unseres Viertels, und unser Viertel ist der Ursprung Kairos, der Mutter der Welt.

Seitenangabe für Zitat1: 
8

Selbst Frauen und Katzen sind also schlimm, von den Wächterbanditen ganz zu schweigen. An jeder Hand sind Krallen an jeder Zunge liegt Gift, in allen Herzen findet man Furcht und Hass. Reine, saubere Luft gibt es nur noch in der Mukattam-Wüste oder im großen Haus, in dem sich der Stiftungsgründer ganz allein des schönsten Friedens erfreut...

Seitenangabe für Zitat2: 
232

Es gibt nichts Prächtigeres in unserem Viertel als die Feste. Die Wasserverkäufer hatten die Straßen schon besprengt, um Nacken und Schwänze der Esel waren Papierblumen gewunden. Die hellen Kleider der Kinder leuchteten, und die Luftballons machten das Bild noch bunter. An den Handkarren flatterten kleine Fähnchen. In das Gerufe und Gejauchze mischten sich die Töne der Samamir. Die mit Sängerinnen und Sängern schwer beladenen Wagen schwankten unter ihrer Last.

Seitenangabe für Zitat3: 
368
Verlag: 
Unionsverlag
Auflage: 
8. Auflage
ISBN: 
9783293200500

Kommentare

bei mir ist es zwar schon etwas länger her, dass ich es gelesen habe, aber mir hat es auch sehr gut gefallen. Schön wie ein Märchen...
Gruß von Gabi