Die Glut

Die Geschichte spielt in einem einsam gelegenen Jagdschloss am Fuße der Karpaten. Henrik, der Hausherr, erhält einen Brief seines Jugendfreundes Konrád, in dem dieser seinen Besuch ankündigt. Auf einer Kadettenschule hatten die beiden einander einst gefunden, waren unzertrennliche Freunde geworden und lebten lange Jahre wie Brüder zusammen. Konrád, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, wurde wie selbstverständlich in den Kreis der wohlhabenden Familie Henriks aufgenommen, verbrachte seine freie Zeit in deren Schloss, wo man gemeinsam feierte und zur Jagd ging. Die Freundschaft endete abrupt, als Konrád am Abend nach einer Jagd spurlos verschwand. 41 Jahre lang haben die beiden nun alten Männer diese Begegnung herbeigesehnt, haben ihre Kraft aus dem Warten auf diesen Tag gezogen. In der vor ihnen liegenden Nacht soll geklärt werden, warum die Freundschaft zerbrach, die für ein ganzes Leben hätte halten können. Hat Konrád ein Verhältnis mit Henriks Ehefrau Krisztina gehabt? Wollte er Konrád während der Jagd am Tag vor seinem Verschwinden erschießen? Henrik ist sich dessen sicher, aber er will Gewissheit haben, ob seine Frau von diesem Plan wusste. Er hält einen Monolog, in dem sich Rachegelüste, Enttäuschung und ein inniger Glaube an die Macht der Gefühle vermengen. Konrád hat dem nicht viel entgegenzubringen, doch in dem Ringen um die Wahrheit verschiebt sich wiederholt die Perspektive. Am Ende steht die Erkenntnis, dass dieses Ringen sinnlos ist. Die von beiden geliebte Frau ist seit Jahrzehnten tot; Henrik hat nach dem Vorfall nie wieder mit ihr gesprochen. Er und Konrad haben – jeder auf seine Art – die Liebe verraten und damit ihrem Leben den Sinn geraubt. Struktur: Die Handlung des Romans wickelt sich in drei Stufen ab: das Warten des Hausherrn auf den Besuch des Jugendfreundes, die Begegnung der beiden und der lange Monolog Henriks, nur wenige Male von Anmerkungen Konráds unterbrochen. Die enorme Spannung, die der Text über die gesamte Länge aufrecht zu erhalten vermag, speist sich aus der Neugier auf den Fortgang bzw. die Auflösung der Geschichte. Sie lebt aber vor allem aus den aufgegriffenen Themen, aus der Tatsache, dass es die existenziellen, die letzten Fragen sind, die in diesem Buch gestellt werden. Nach und nach erweitern geschickt gesetzte Rückblenden die Ahnung von dem Geschehen in dieser dramatischen Dreiecksgeschichte.

Meine Gedanken zum Buch: 

Wer Romane im Stile Stephan Zweigs und Arthur Schnitzlers liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Da es sich bei der Geschichte um einen inneren Monolog handelt, bekommt man tiefen Einblick in die Seele, die poetische und melancholische Sprache bringt einem die Einsamkeit und Zerrissenheit dieses Menschen sehr nahe, ohne dass das Buch je an Spannung verliert.

Verlag: 
Piper
Auflage: 
14. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3492233132

Kommentare

Ein sehr außergewöhnliches Buch von Marai..... hat mich sehr beeindruckt, aber auch ein bisschen verwirrt.
Obwohl ich Stephan Zweig als Autor sehr, sehr schätze und auch von Schnitzler schon so manches gelesen habe, hat es hier sehr lange gedauert, bis ich mit der Sprache von Marai zurecht kam.
Irgendwie wollte es mir lange nicht gelingen, so richtig in diese Geschichte einzutauchen. Vielleicht war der Sprung von Mankell`s "Die Rückkehr des Tanzlehrers" (wo man sich ja wirklich nur berieseln lassen brauchte) zu diesem Roman einfach auch zu groß.... gut möglich, dass genau das der Grund war.
 
Die Geschichte an sich ist - wie Germana schon schreibt - voll von Melancholie und Schmerz.
Zwei Menschen, die sich nach unendlich vielen Jahren wieder gegenüber sitzen..... einer, der die Vergangenheit wieder aufrollen wil.... der nach Antworten sucht.... aber will er sie wirklich hören.....???? Alles erlebte spult Henrik nochmal vor seinem geistigen Auge herunter,  Konrad scheint nur Statist zu sein.... auch wenn er Antworten geben soll, so hat man immer mehr und mehr das Gefühl, dass Henrik diese im Grunde doch nicht hören will.... er redet und redet..... sich einfach alles von der Seele..... sehr bedrückend, sehr schmerzhaft... auch für den Leser, der hautnah an allem Teil nimmt.
 
Irgend was sagt mir.... es ist nur so ein Gefühl..... dass ich dieses Buch in absehbarer Zeit noch einmal lesen werde. Bin gespannt, wie ich es beim zweiten Mal erleben werde.
 
 
 

In Paris regnete es. Das Kind saß in einem Wagen, der mit blauer Seide ausgeschlagen war, sah durch die dunstigen Scheiben hindurch die Stadt, die im Regen wie de rBauch eines dicken Fisches schlüpfrig glänzte. Er sah hoch auf die Hausdächer, hohe Kamine, die schräg in die schmutzigen Vorhänge des nassen Himmels ragten und die das Geheimnis ganz anderer und unverständlicher Schicksale zu verkünden schienen....