Die Damalstür

Alfred Seichem,genannt Ali,hat sein Leben ruiniert.Der bislang höchst erfolgreiche Maler hat alles verloren,was ihm je etwas bedeutete: Seine Frau Ida hat ihn verlassen,sein Sohn wurde bei einem Unfall getötet,und das Publikum hat sich von ihm abgewandt.Doch dann scheint sich Alis Schicksal überraschend zu wenden.Als er nach einer durchzechten Nacht den Nachhauseweg antritt, verirrt er sich in eine Gegend,die ihm merkwürdig vertraut vorkommt. Und plötzlich entdeckt er ein junges Paar,das Ali nur zu genau erkennt und ihn an seinem Verstand zweifeln lässt.Es sind er und Ida selbst – jünger, unbeschwert, am Beginn ihrer glücklichsten Zeit. Entsetzt und zugleich fasziniert begreift Ali, dass er seine eigene Vergangenheit betrachtet. Und er begreift, welche Chance sich ihm und Ida bietet: Sie könnten an diesem Punkt der Vergangenheit in ihr früheres Leben zurückkehren.Sie könnten all ihre Fehler vermeiden,ihr Glück für immer festhalten,ihr ganzes Schicksal neu in die Hand nehmen. Doch dafür müssen sie ihr eigenes jüngeres Ich töten,um deren Plätze einzunehmen. Und das ist erst der Anfang einer furchterregenden Höllenfahrt ...

Meine Gedanken zum Buch: 

Am Anfang brauchte ich etwas, um in die Geschichte einzutauchen; der Hauptprotagonist Ali, der aus seiner Sicht die Ereignisse schildert, kommt ausgesprochen unsympathisch herüber, was sich auch im Laufe der Geschichte nicht ändert; trotzdem ist die Geschichte spannend; es gibt immer neue überraschende Wendungen bis hin zur unerwarteten Schlusspointe.
Das Buch ist sehr originell, bisweilen surreal und es ist ässerst unterhaltsam, wie Ali und Ida von einem Problem in das nächste stolpern; denn so einfach ist es nicht, die gebotene zweite Chance zu nützen, trotz des Wissens, was damals schiefgegangen ist.

Er wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn, der infolge der neuen Übelkeitsattacke inzwischen wieder das ganze Gesicht bedeckt hatte. Seine Hände zitterten, der ganze Körper zitterte, und er hatte das Gefühl, als würde gleich in seinem Inneren etwas explodieren und ihn in millionen Stücke reißen. Obwohl er sich dagegen immer noch sträubte, dämmerte es ihm allmählich, daß alle diese Ausfallerscheinungen nicht von der zurückliegenden Nacht herrührten. Nein, es war das Grauen in seinem Kopf, die Erkenntnis, daß er diese Szene Tatsächlich schon einmal erlebt hatte. Nur aus einer anderen Perspektive, geradeso, als hätte die Kamera damals woanders gestanden.

Seitenangabe für Zitat1: 
43

Er empfand plötzlich einen überwältigenden Haß gegen den jungen Ali, gegen den widerlichen Egoismus,  mit dem er sein Leben und sein eben erst gefundenes Paradies bis zum letzten Blutstropfen verteidigte. Und gegen seinen Übermut, mit dem er ihm zunächst entgegengetreten war. Er mußte endlich weg!

Seitenangabe für Zitat2: 
137
Verlag: 
Wilhelm Goldmann Verlag, München
Auflage: 
1. Auflage; Taschenbuchausgabe 2003
ISBN: 
ISBN-10: 3-442-45525-1

Kommentare

Dieses Buch habe ich vor Jahren gelesen und war begeistert! Pirinci kann meiner Meinung nach einfach gut erzählen, es gelingt ihm immer, in die Tiefe der Personen vorzudringen, sie lebendig erscheinen zu lassen. Und hier kommt natürlich noch dieser surreale Aspekt dazu - tolles Buch!
Wie übrigens auch "Der Rumpf" und "Tränen sind immer das Ende" und natürlich die berühmte "Felidae"-Serie.
 

welches ich von diesem Auor gelesen habe und es hat mich auch während der Lesepausen nicht losgelassen und der Schluss ist schlichtweg genial - nie und immer wäre ich da drauf gekommen und auch zwischendurch hat er es immer wieder geschafft, mich in die Irre zu führen ...
 
Du würdest also auch die anderen Bücher empfehlen?
Von "Felidae" hab ich schon gehört; gab's da nicht einmal einen Film?

"Felidae" ist ein Katzenthriller mit mitterweile etlichen (5?) Fortsetzungen, Teil 1 gibt's auch als Comic und als Comicverfilmung. Wenn Du gerne über einen total schlauen Kater liest, der grausame Verbrechen in der Katzenwelt klärt, dann solltest Du es lesen.
Ich persönlich finde, dass "Yin" sein bestes Werk ist, aber auch sein anstrengendstes. Es geht darin um eine Welt, in der alle Männer an einem Virus sterben und die Frauen plötzlich allein zurechtkommen müssen. Und natürlich entbrennt der heftigste Machtkampf um die Samenbanken zur Erhaltung der Art, Mutterschaft wird zum Privileg. Eine interessante Utopie.
"Der Rumpf" war skurril und verstörend, "Tränen sind immer das Ende" erzählt die Geschichte einer ersten Liebe aus der Sicht einers jungen Mannes, sowas kriegt man ja nicht oft in die Hände.
Abschließend: Die Antowort ist eindeutig "Ja" - ich mochte alle seine Bücher und kann sie auch uneingeschränkt weiterempfehlen.

... wieder größer geworden;  wegen Deiner interessanten Ausführungen bin ich sehr neugierig geworden - Danke!
 
... und dabei habe ich noch einen ziemlich umfangreichen SUB im Regal Wink

Warum soll es Dir besser gehen als mir? Lol Mein SUB besteht ja aus mehreren Kisten und Kästchen, die vollgestopft sind mit sicher mehr als 200 Büchern, die noch gelesen werden wollen. Und eine Festplatte mit mehreren hundert ungehörten Audiobooks hab ich auch noch - aber das ist halt so, wenn man ein Bücherjunkie ist Smile

... werde ich meinen "umfangreichen" SUB erwähnen, denn im Gegensatz zu Dir umfasst meiner nur etwa 40 Bücher, die ich der Reihe nach "abarbeite" - und dann gibt es noch all die Bücher, die ich vorhabe wiederzulesen; aber das zählt wohl nicht ganz dazu Wink

UI, die zum Wiederlesen, die hab ich ganz verdrängt. Na fein, dass Du mich daran erinnert hast, dann reicht mein Vorrat ja wirklich bis zur Pension Smile