Der Tote im Bunker - Bericht über meinen Vater

Im April 1947 wird die Leiche eines Mannes in einem Bunker an der österreichisch-italienischen Grenze gefunden.

Auf den Spuren dieses Mannes und seines Todes begibt sich ein halbes Jahrhundert später Martin Pollack - sein Sohn. Hat er den Vater doch nur aus Erzählungen gekannt fühlr er sich ihm doch irgendwie verbunden.

Dabei zeichnet sich das Bild eines Vaters der keineswegs eine weiße Weste trug, war Dr. Gerhard Bast doch SS-Sturmbannführer, Mitglied der Gestapo, und nach Kriegsende auf der Fahndungsliste für Kriegsverbrecher.

Martin Pollack scheut sich auch nicht davor noc hweiter in die Tiefe zu gehen und die Verhaltensweisen seiner unmittelbaren Familienangehörigen zu durchleuchten. So zeigt sich ein Bild von einer nationalistisch geprägten Familie, in die Dr. Gerhard Bast hineinwuchs.

Teile dieser Ausprägungen darf auch Martin Pollack später noch erleben, wobei er sich schon in jungen Jahren allein durch das Studium von Slawistik und osteuropäischer Geschichte dagegen auflehnte.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein sehr spannendes Buch, das zu Herzen geht. Kann es doch nicht einfach sein zu erkennen, dass der eigene Vater nicht gar so ein netter Mann war wie man sich es als Kind wünscht.
Zum anderen zeichnet sich ein "Hineingeborenwerden" in gewisse Werte und Anschauungen ab, denen man scheinbar nicht entkommen kann oder auch will.
Mir wurde das Buch selbst empfohlen worden und ich kann mich dem nur anschließen. Manchmal könnte man direkt Mitleid empfinden - doch jeder ist seines Glückes Schmied - und kann auch aus Vorgaben ausbrechen, wie Martin Pollack selbst bewiesen hat.

Verlag: 
Paul Zsolnay Verlag
Auflage: 
unbekannt
ISBN: 
3-552-05318-2

Kommentare

habe ich bei einer Lesung dieses Buches erlebt. Er hat auch erzählt wie er recherchiert hat, um dieses Buch überhaupt zu schreiben. Es war faszinierend ihm zuzuhören. Das Buch ist sehr spannend und sehr zu empfehlen.

Ich kann mir vorstellen, dass es irrsinnig schwer sein muss so ein Buch zu schreiben, vor allem wenn das Bild eines lieben, guten Vaters damit zerstört wird. Muss eine äußerst schmerzhafte Erfahrung sein, da man bei Verstorbenen doch oft Eigenschaften verherrlicht, die in dem Ausmaß gar nicht vorhanden waren.
Man bekommt beim Lesen richtig Gänsehaut, wenn man die ganzen Verstrickungen und Ausrichtungen der Familie erkennt.