Der Schatten des Windes

Als sich der zehnjährige Daniel Sempere, der allein mit seinem Vater im grauen Barcelona der Franco-Ära lebt, auf dem geheimen "Friedhof der Vergessenen Bücher" ein Buch aussuchen darf, greift er nach einem verstaubten Exemplar von "Der Schatten des Windes". Daniel ist fasziniert von dem Buch und macht sich auf die Suche nach seinem Autor, einem gewissen Julián Carax, von dem keiner zu wissen scheint, ob er noch lebt oder was ihm widerfahren ist. Mit den Jahren gerät Daniel immer mehr in den Bann dieser mysteriösen Gestalt, und die Menschen, denen er begegnet, und die Frauen, in die er sich verliebt, scheinen nur Figuren in einem Spiel dessen Regeln er nicht kennt. So stürzt er mitten in die Handlung seines Lieblingsromans, und es ist, als ob sich die vergangenen Geschichte in seinem eigenen Leben wiederhole, das von dem Schatten furchtbarer Ereignisse verdunkelt zu werden droht.

Meine Gedanken zum Buch: 

Wunderschön die liebevolle Schilderung Barcelonas, welche mir das Verlangen entfacht hat, diese Stadt endlich kennenzulernen und mit den Augen des Autors zu betrachten (soweit ich weiss hat Zafón sogar eine Art Reiseführer dazu geschrieben)

Spannend, wie sich Daniel immer mehr mit der Lebensgeschichte des Autors identifiziert und sich Stück für Stück in eine Besessenheit mit jedem neuen Puzzleteil des Gesamtbildes hineinsteigert und dabei alle in Gefahr bringt. Besonders den Wechsel der Erzählperspektive fand ich genial.

Eine ganz besondere Zuneigung habe ich zu Fermin gefasst, der trotz all der schlimmen Erfahrungen nie aufgibt und sich doch die Hoffnung und Lebensfreude bewahrt, um zu überleben.

Und ich möchte ich daran glauben, dass es diesen magischen Ort, den Friedhof der Vergessenen Bücher, tatsächlich gibt ...

"Was Du hier siehst, Daniel, ist ein geheimer Ort, ein Mysterium. Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer, die es gelesen und erlebt und davon geträumt haben. Jedesmal, wenn ein Buch in andere Hände gelangt, jedesmal, wenn jemand den Blick über die Seiten gleiten läßt, wächst sein Geist und wird stark."

Seitenangabe für Zitat1: 
10

"Irgendjemand hat einmal gesagt, in dem Moment, wo man sich damit aufhält, darüber nachzudenken, ob man jemanden liebt, hat man schon für immer aufgehört, ihn zu lieben"
"Wer hat das gesagt?"
"Ein gewisser Julián Carax."

Seitenangabe für Zitat2: 
210

Plötzlich pfiff ein kalter Luftzug unter der Tür hindurch, und in dieser unendlichen Sekunde, bevor der Wind die. Kerzen ausblies, trafen sich unsere Blicke, und wir spürten, wie sich die Erwartung dieses Moments zerschlug. Wir wußten, daß sich jemand auf der anderen Seite der Tür befand.

Seitenangabe für Zitat3: 
358
Verlag: 
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
Auflage: 
Erste Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3-518-45800-6