Der Junge im gestreiften Pyjama

Berlin 1942: Als Bruno eines Tages nach Hause kommt, werden gerade all seine Habseligkeiten in Kisten verpackt. Sein Vater wurde befördert und die Familie muss umziehen, an einen weit entfernten Ort, wo es niemanden gibt, mit dem er spielen kann. Ein hoher Zaun trennt ihn dort von seltsamen Menschen in gestreiften Anzügen in der Ferne. Aber Bruno beschließt, dass es mehr an diesem verlassenen Ort geben muss, als es den Anschein hat. Er trifft auf einen Jungen, dessen Lebensumstände ganz anders sind als die seinen. Die beiden Jungen freunden sich an - und das hat Folgen...

Meine Gedanken zum Buch: 

In vielen Läden wir dieses Buch als Jugendbuch gehandelt - ein Fehler wie ich finde - es ist viel mehr und ich würde es auch jedem Erwachsenen empfehlen. Der Leser wird Zeuge einer außergewöhnlichen Freundschaft. Mit einer kindlichen Leichtigkeit und Unschuld - die mich trozt dieses tragischen Themas öfters schmunzeln ließt - wird hier erzählt. Ich las voller Anspannung, war gerührt, schockiert, nachdenklich, aufgewühlt... der Schluss kam wie ein Schlag und am Ende blieb ein Gedanke: Würden wir doch nur öfter das Kind in uns sprechen und handeln lassen!!!

"Wer sind die vielen Leute dort draußen?" sagt er schließlich. Vater neigte  den Kopf nach links, die Frage schien ihn leich zu verwirren. "Soldaten, Bruno. Und Sekretäre, Mitarbeiter. Du hast sie natürlich alle schon gesehen." "Nein, nicht die", sagte Bruno. "Die Leute, die ich von meinem Fenster aus sehe. Die in den Baracken, in der Ferne. Sie sind alle gleich angezogen." "Ach die" sagte Vater. Er nickte und lächelte leicht. "Das... na ja, das sind eigentlich gar keine Menschen, Bruno".

Seitenangabe für Zitat1: 
69

Bruno verabschiedet sich von seinem Vater:
Er drückte die beiden Füße aneinander und stieß den rechten Arm in die Luft vor ihm, knallte die beiden Hacken zusammen und sagte so tief und deutlich er konnte - wobei er versuchte, möglichst wie sein Vater zu klingen - die Worte die er immer sagte, wenn er sich von  einem Soldaten verabschiedete.
"Heil Hitler" sagte er, was, wie er annahm eine andere Möglichkeit war zu sagen: Na dann, auf  Wiedersehen und einen schönen Nachmittag.

Seitenangabe für Zitat2: 
70

"Und ich habe deinen Namen noch nie gehört" sagte Bruno. "Schmuel" Er überlegte. "Schmuel" wiederholte er. "Klingt schön, wenn man es ausspricht. Wie wenn der Wind weht."

Seitenangabe für Zitat3: 
136
Verlag: 
Fischer Verlage GmbH
Auflage: 
II Auflage Nov. 2008
ISBN: 
ISBN 978-3-596-85228-4

Kommentare

Liebe Claudia, wenn Du noch mehr zu diesem Thema in ähnlichem Stil (nehme ich an) lesen möchtest, dann kann ich Dir nur "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész empfehlen - ich hab dazu die Buchpatenschaft übernommen. Diese naiv-kindliche Sichtweise hat mich auch bei Kertész so schwer beeindruckt, der noch dazu autobiografisch geschrieben hat.

Danke Germana für deinen TIP, ich werd ihn zu gegebener Zeit berücksichtigen, momentan stecke ich gedanklich noch in jeder Zeile dies Buches fest.

Grundsätzlich finde ich den naiven Erzählansatz sehr ansprechend. Ein Neunjähriger beschreibt, was er sieht, ohne es deuten zu können. Er auf dieser Seite des Zaunes, die im gestreiften Pyjama auf der anderen. Die Dinge nehmen einen Lauf, der einen als "Wissende" natürlich nicht kalt lässt.
Leider hat Boyne es mit der Kindlichkeit allerdings so stark übertrieben, dass ich mich ab der Hälfte eigentlich oft geärgert habe. Welcher Neunjährige Sohn eines Nazikommandanten kennt bitten den Führer nicht? Nennt ihn den "Furor" und erkennt ihn nicht einmal, wenn er ins Haus kommt? DAS ist völlig unrealistisch, denn damals hing sicher in jedem Nazi-Haushalt ein Bild vom Adolf, und ein Mann wie Brunos Vater hat 100%ig dafür gesorgt, dass seine Kinder auch sein Idol kennen.
Was mich auch so nervt, ist die Unsensibilität, mit der Bruno Schmuel gegenübertritt. Natürlich weiß er nicht, was die Hintergründe für Schmuels Geschichte sind, aber dass sein Freund Hunger hat, sagt ihm dieser sogar ganz explizit, und trotzdem futtert er auf dem Weg immer die mitgebrachten Lebensmittel selbst. Bruno ist neun, kein Kleinkind mehr, und meiner Erfahrung nach nehmen Buben in diesem Alter viele Dinge sehr ernst, begreifen oft intuitiv, was Sache ist.
Der Schluss ist natürlich ein Knalleffekt, wobei es den nicht gebraucht hätte. Ich finde das Schicksal Schmuels auch so schon schlimm genug, aber bitte...
Alles in allem liest sich das Büchlein schnell und flüssig, der naive Stil hat schon etwas Berührendes, aber leider konnte das Buch meine Erwartungen nur sehr bedingt erfüllen. Und zu Tränen gerührt hat es mich auf keinen Fall, dafür fehlte das gewisse Etwas, eine Seele, ein besonderer Funke. Gutes Schreibhandwerk, eine originelle Idee, ein brisantes Thema, aber sicher kein großes Meisterwerk, finde ich.

.... ach, also bin ich anscheinend näher am Wasser gebaut als du ;o)))))
 
Da ich sehr, sehr selten Bücher in dieser Art lese, hab ich auch kaum einen Vergleich zu ähnlichen Romanen.
Vielleicht hat mich auch grad drum diese kindliche Naivität so getroffen und der Schluss hat dem ganzen dann wirklich die Krone aufgesetzt. Der war für mich einfach unvorhersehbar und schockierend... wie du schon sagst, ein Knalleffekt.
Mit den Unstimmigkeiten, die du da erwähnst hast du schon recht. Sind mir aber nicht so negativ aufgefallen, aber das empfindet eben jeder anders.