Der Judas des Leonardo

Mailand an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Leonardo da Vinci möchte im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie endlich sein Gemälde ›Das Abendmahl‹ vollenden – doch ihm fehlt das Modell für den Kopf des Judas. Und er macht sich auf die Suche nach dem »allerschlechtesten Menschen in ganz Mailand«. Der berühmte Maler findet ihn schließlich in dem böhmischen Kaufmann Joachim Behaim, der – wie Judas – fähig ist, aus Stolz einen Verrat zu begehen.

Meine Gedanken zum Buch: 

... mein 2. Buch von Perutz.... und es gefällt :o) In diesem historischen Roman vereint er die Themen Kunst, Macht, Liebe, Verrat und Geld mit seiner, wie erwartet, sehr gekonnten Sprache. Allein schon, dass Leonardo da Vinici hier einen Gastauftritt hat, macht diesen Roman mehr als interessant, obwohl ich mit Verwunderung feststellen musste, dass er  im Grunde nicht die Hauptrolle einnimmt. Trotzdem vom Aufbau und von der Idee her wirklich toll gemacht. Da Vinici ist mitten in der Arbeit für ein Gemälde, aber alles gerät ins stocken.... ihm fehlt das Gesicht des Judas.... was tun..... natürlich macht er sich auf die Suche danach, ABER... er ist nicht nur auf der Suche nach eimem passenden Gesicht als Vorlage... nein.... es ist der passende Charakter, der hierfür auch von Nöten ist.... Ob Da Vinic als Künstler wirklich teils so agiert hat???? Warum eigentlich nicht.... das würde jeder Figur noch zusätzlich eine besondere Note geben..... Ein sehr flüssig geschriebener Roman, der einerseits den Leser unterhält, ihm aber auf der anderen Seite auch sprachlich was zu bieten hat. Und gerade diese Kombination ist bei sehr vielen Büchern dieser Richtung nicht immer selbstverständlich....   Was ich auch noch erwähnen möchte ist die Umschlaggestaltung, die ich bei diesen DTV-Ausgaben immer sehr gut gewählt finde. Sie springt durch ihre Ausgefallenheit ins Auge, macht neugierig auf den Inhalt.... und genau so soll es ja sein.    

Auf! Nach Hause! Gott zum Gruß! Was er spricht, ist Zwiebelmus.

Seitenangabe für Zitat1: 
9

Denn sie stirbt nicht wie die Musik, kaum daß sie geboren ist, nein, ruhmvoll und in Herrlichkeit bleibt die Malerei bestehen....

Seitenangabe für Zitat2: 
132
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co KG
Auflage: 
3. Auflage
ISBN: 
978-3-423-13304-3

Kommentare

Leo Perutz erzählt uns eine sehr nette Geschichte über Liebe und Verrat, in der der große Meister allerdings nur eine kleine Nebenrolle spielt. Dafür malt uns der Autor ein schönes Zeitbild, wir wandeln durch Mailand und treffen dort auf so ziemlich alle Figuren, die sich dort Tag für Tag wohl herumgetrieben haben. Brotlose Künstler, fleissige Handwerker, geizige Geldverleiher und natürlich schöne Mädchen.
Besonders interessant finde ich die Figur des alten Haudegens und Dichters Mancino, dem Perutz auch sein Nachwort gewidmet hat. Nachdem ich dieses gelesen hatte, war mir auch dieses Deja-Vu-Gefühl klar, das ich die ganze Zeit beim Lesen hatte
Alles in allem ein nettes Büchlein, das mich zwar gut unterhalten hat, wohl aber auch bald wieder in den Untiefen meiner Leseamnesie verschwinden wird, nachhaltig beeindruckt hat es mich nicht.

Perutz neigt dazu, einfaches sehr kompliziert zu beschreiben. Findet man am Anfang nicht ins Buch schafft man es nicht mehr. Dieses hier hat sich mir sofort erschlossen und ich raffe mich hiermit auf, auch das Äpfelchen nochmals zu probieren.

Ein wenig Details: Leonardo da Vinci kann sein berühmtes Gemälde "Das letzte Abendmahl" nur vollenden, wenn er wirkliche Charakter der 10 Jünger gefunden hat. Es fehlt ihm nur noch der Judas - und er sucht ihn (Rahmenhandlung des Buches) und als Leser glaubt man, Leonardo verfolgt den vermeintlich schlechten Mailänder Geldverleihers Boccetta. Nicht ist es der Fall. Gegen Ende stellt sich sein Verfolger, der Händler J. Behaim als der menschlich verachtungswürdige heraus. Warum, sage ich hier nicht. Bitte unbedingt selbst lesen. Übrigens ist das berühmte Gemälde auch als "Malen nach Zahlen" erhältlich. Finde ich doch recht lustig.