Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

Eine selbstbewusste Frau, ein alter, weiser Mann, reichlich Sake, etwas Walfischspeck und immer wieder Lotuswurzel - Zutaten dieser stillen, faszinierend fremden Liebesgeschichte aus Japan. Tsukiko ist achtunddreißig und lebt allein. Zur Liebe, glaubt sie, sei sie nicht begabt. Da trifft sie in einer Kneipe ihren alten Japanisch-Lehrer wieder, den sie nur den Sensei nennt. Auch er lebt allein, in einer etwas verwahrlosten Wohnung, wo er merkwürdige Gegenstände sammelt. Einer sucht die Nähe des anderen und scheint gleichzeitig vor ihr zu fliehen. Selten wurde die Annäherung zweier Menschen so subtil und zugleich eindringlich beschrieben.

Meine Gedanken zum Buch: 

Dieses Buch war einer dieser Zufallstreffer, die man so ab und zu landet. Man streift am Fluhafen herum, langweilt sich, durchwühlt zum x-ten Mal die Bücherstände, und da ist es dann plötzlich das Buch, das einen sofort anspricht. Meine Intuition hat mich auch dieses Mal nicht enttäuscht.   Kawakami erzählt in kurzen und prägnanten Sätzen die einfühlsame Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen Menschen, die sich langsam und - anfangs aufgrund ihrer kulinarischen Vorlieben - immer näher kommen, sich immer besser kennenlernen. Eine zarte Liebesgeschichte ohne Sentimentalitäten. Die Frau Ende Dreissig, die nicht mehr and die Liebe glaubt, und ihr ehemaliger Japanischlehrer, den sie nur Sensei (Meister) nennt, der in seiner eigenen verstaubten Welt lebt und sich für Tsutsikos Emotionen nur sehr langsam öffnet.   Ein wunderschöner Roman mit dem Flair Japans, den ich allen Freunden asiatischer Literatur nur wärmstens ans Herz legen kann.

An diesem Abend tranken wir zusammen ungefähr anderthalb Lier Sake, und er übernahm die Rechnung. Als wir uns das nächste Mal in derselben Kneipe trafen, bezahlte ich. Seit unserer dritten Begegnung beglich jeder seine Rechnung selbst.  Wahrscheinlich erwies sich unsere Freundschaft als so dauerhaft, weil der Sensei und ich uns in vieler Hinsicht ähnlich waren. Nicht nur bevorzugten wir zum Sake die gleichen Häppchen, auch unsere Vorstellung von der Distanz, die ein Mensch zum anderen haben sollte, stimmte überein. Obwohl er dreißig Jahre älter war als ich, fühlte ich mich ihm näher als mach gleichaltrigem Freund.

Seitenangabe für Zitat1: 
7

"Sake ond O-den sind wirklich etwas Köstliches", sagte ich, worauf der Sensei mir leicht über den Kopf strich. In letzter Zeit tat er das öfter.
"Wer sein Essen genießt, ist ein guter Mensch", sagte er.

Seitenangabe für Zitat2: 
75
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3423138574

Kommentare

Endlich ist deine Buchpatenschaft da - hab schon sehnsüchtig drauf gewartet. Das Buch steht schon ganz oben auf meiner Liste.
Solche Glücksgriffe würd ich auch gern mal landen Smile Hab schon im Vorfeld die Amazon-Bewertungen gelesen - scheint ein kleiner Geheimtipp zu sein, wenn ich das richtig sehe.
Beim Durchlesen der Kommentare ist mir gleich "Seide" von Baricco eingefallen. Könnte man sagen, dass es vom Niveau und von der Art her (obwohl die Autoren aus zwie ganz unterschiedlichen Kulturkreisen kommen) ein bisschen in diese Richtung geht?
 

Hmmm, schwierige Frage. Barricos Buch, das ich sehr liebe, erzählt für mein Gefühl seine Geschichte aus großer Distanz, während hier direkt aus der Perspektive einer der beteiligten Personen erzählt wird. Somit werden tatsächliche Emotionen beschrieben, wenngleich auch auf die wohl typisch japanische reservierte Art. Nein, eine wirklich Ähnlichkeit sehe ich hier weder im Stil noch in der Geschichte, nichtsdestotrotz könnte ich mir vorstellen, dass Dir dieses Buch zusagen wird, Claudia.

Was japanische Litaratur angeht, bin ich ja noch ein völliger "Frischling" Smile aber das Buch hat mich sofort angesprochen. Meine Neugier wächst....
Vorallem bin ich schon gespannt, wie mir der Schreibstil zusagen wird. Eigentlich bin ich ja mehr ein Freund kraftvoll ausgebauter Sätze (je länger und ausgeschmückter umso lieber) aber das soll ja nicht unbedingt heißen, dass ich an diesem Schreibstil keinen Gefallen finden kann.

Bei den Japanern liegt die Kraft oft in der Kürze. Schau Dir nur die Haikus an, das sind sehr aussagekräftige Gedichtlein in drei Zeilen (5 Silben, 7 Silben, 5 Silben) - davon kann man auch einige in diesem Buch finden.

Auf Googel findet sich zB folgendes:
Trüber Regentag -
Die Sonnenblume am Weg
behält ihr Lächeln
 
Klingt doch schön, oder ???!!!!