Der Herzausreißer

Eines Tages findet sich Jacquemort auf dem Weg vom Meer zum Haus am Steilhang. Jacquemort ist Psychiater - doch nun wird er anderweitig gebraucht. Im Haus am Steilhang ist nämlich gerade eine Geburt im Gang; und kein Arzt weit und breit. Nachdem die Drillinge geboren sind, will die Mutter erst nichts mit ihnen zu tun haben - und schon gar nichts mehr mit dem Vater, Angel, der ihr diese Qual ja erst beschert hat. Jacquemort, der zwar nur als Gast kam, jedoch keine Anstalten mehr macht, das Haus zu verlassen, wird mit diversen Aufgaben betraut; so macht er sich immer wieder auf den Weg in das Dorf, um alles Nötige für die Kinder zu besorgen. Dieses Dorf ist jedoch ein Kapitel für sich; Lehrlinge sind ein Verschleißartikel, alte Leute werden auf dem Markt versteigert, Zuchthengste gekreuzigt, weil sie Unzucht betrieben haben, Katzen können sprechen und auch psychoanalysiert werden, und für das Schamgefühl bezahlt man eigens einen Mann.

Meine Gedanken zum Buch: 

Vian schreibt schon ziemlich seltsame Bücher - auch im Herzausreißer (der übrigens im Roman kein einziges Mal vorkommt, sondern nur im "Schaum der Tage" eine Rolle spielt) tauchen wieder völlig abstruse Gestalten auf. Und er ist diesmal ziemlich gnadenlos: unter dem Deckmantel des Humors zeigt er die Auswirkungen von übergroßer Mutterliebe genauso auf, wie das Verhältnis zur Religion, zur Sinnsuche in unserer Zeit - nicht umsonst bezeichnet der Psychiater sich als leer, als einer, der erst gefüllt werden muss. Es ist ein Buch, das mit unzähligen doppeldeutigen Geschichten gespickt ist; hier auf alle einzugehen, würde erstens den Rahmen sprengen und auch viel vom Lesevergnügen vorwegnehmen. Ich kann es allen, die mit leicht schräger Literatur etwas anfangen können, wirklich nur wärmstens ans Herz legen!

Verlag: 
Wagenbach
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3803130594