Der Chronist der Winde

"Man kann fliegen, ohne sichtbare Flügel zu haben." Nelio, ein zehnjähriges Straßenkind, erzählt um sein Leben. Er liegt mit einer Schußwunde auf dem Dach eines afrikanischen Hauses und weiß, daß er sterben wird, sobald seine Geschichte zu Ende ist.

Meine Gedanken zum Buch: 

Dieses Buch ist wirklich ein ganz besonderes Buch, das mich sehr berührt hat. José Antonio Maria Vaz erzählt die Geschichte des kleinen Straßenjungen Nelio. Nelio hat trotz seines jungen Alters von zehn Jahren schon sehr viel erleben müssen. Nach einem brutalen Überfall auf das Dorf, in dem er geboren wurde, flieht er, irrt ziellos umher, bis er in einer Stadt so etwas wie ein Zuhause findet... Die Art, wie seine Geschichte erzählt wird, hat mich ein bisschen an "Der kleine Prinz" erinnert. Vieles regt sehr zum Nachdenken an.

Ich wußte, was viele dachten. Ich hatte es selbst gedacht. Daß Nelio eigentlich kein Mensch war. Sondern ein Gott. Einer der alten, vergessenen Götter, die trotzig oder vielleicht tollkühn auf die Erde zurückgekehrt waren und sich in Nelios mageren Körper geschlichen hatten. Oder wenn schon kein Gott, so war er wenigstens ein Heiliger. Ein Straßenkindheiliger.

Seitenangabe für Zitat1: 
12

- Alles hat ein Ende, sagte Nelio. Alles hat ein Ende, und alles fängt wieder von vorn an.
Er hob seine Hand, eine sehr magere Hand, und deutete hinauf zu den Sternen, die in dieser Nacht sehr klar und nah waren. Der Himmel hatte sich aufs Dach niedergesenkt, um Nelios Ruheraum kleiner zu machen.
- Mein Vater war ein sehr kluger Mann, sagte Nelio. Er lehrte mich, zu den Sternen aufzuschauen, wenn das Leben schwer war. Wenn ich den Blick dann wieder auf die Erde senkte, war das, was eben noch übermächtig war, auf einmal klein und einfach.

Seitenangabe für Zitat2: 
232

Ich sah sie davongehen. Einmal drehte sie sich noch um, winkte und lächelte. Ich zog den Hut und hielt ihn in der Hand, bis sie verschwunden war. Danach setzte ich den Hut nie wieder auf. Ich brauchte ihn nicht mehr. Ich legte ihn oben auf eine Mülltonne, die in der Nähe stand. Später glaube ich die Reste meines Huts wiedergesehen zu haben, auf dem Kopf eines Straßenkinds. Es schien mir, als gefiele es dem Hut dort.

Seitenangabe für Zitat3: 
261
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG
Auflage: 
8. Auflage Februar 2005
ISBN: 
ISBN 3-423-12964-6

Kommentare

Ich finde auch, dass es ein sehr feines Buch ist. Unabhängig von deinem Kommentar, Michaela, den ich erst später gelesen habe, hat es auch mich an den kleinen Prinzen erinnert, da Nelio in schlichten Sätzen große Lebensweisheit beweist. Kaum zu glauben, dass dieses Buch vom selben Autor wie "Die Rückkehr des Tanzlehrers" geschrieben wurde...
 
Gut möglich, dass es dieses Jahr unter dem einen oder anderen Christbaum liegt.

Hallo Gabi,
ach du warst das ???!!!!! Spät aber doch komm ich drauf, Flashm. am Samstag!!!! Also hast du als Christkind schon fix zugeschlagen Smile
Hab das Buch auch schon auf meine Bücherwunschliste gesetzt, vielleicht hab ich ja Glück, und es findet sich auch unter meinem Christbaum wieder....
 
LG Claudia

Pardon, ich hatte vergessen, mich vorzustellen. Ich habe dich nämlich erkannt, da ihr euch schon einmal getroffen habt (mit tedesca u. a.) und ein Foto auf unserer Site veröffentlicht wurde. Ja, ein Geschenk habe ich bereits besorgt und ich hoffe, dass der Beschenkte genauso von dieser Geschichte berührt wird wie ich...
 
lg, Gabi

Kein Problem - macht ja nix und das Geschenk...  na das wird sicher ankommen Smile allein schon mal desshalb, weil es etwas Persönliches ist. Ich finde es schön, wenn man Bücher verschenk, zu denen man einen direkten Bezug hat.... wie`s hier bei dir ja der Fall ist....
lg Claudia

Ich hab das Buch leider nicht mehr. War auf Seite 76 der Überfall auf seine Familie (bzw. auf sein Heimatdorf)?
 
lg Michaela

.... ja, allein was da bis Seite 76 passiert.... der Überfall auf sein Dorf und dann wird er auch noch vor die Wahl gestellt.... Bandit oder einer seiner Freunde.....
 
Einfach furchtbar.... wenn man bedenkt, dass das alles nicht grad fern der Realität ist.... da musste ich schon ein paar Mal ganz schön tiel durchatmen.....

das war schon alles sehr, sehr heftig. Das Baby...
 
Ich glaube mich aber zu erinnern, dass dieser Teil der brutalste des Buches war. Es geht nicht so atem-raubend weiter.

Genau da, wo die Erschöpfung sich in einen eisernen Griff um die letzten Reste des Willens verwandelt hat, wartet das Zuhause, von dem du nicht wusstest, dass du es hast.

Das Erste, was mir bei dem Namen Hennig Mankell bis jetzt in den Sinn kam, war die Wallander Serie. Mit diesem Roman zeigt er aber, dass er weit mehr kann, als nur Krimis zu schreiben.
 
Nach den ersten 70 Seiten war ich fast ein bisschen verstört. Es ist Einiges, was hier passiert.... ich musste wirklich tief durchatmen.... war mehr als schockiert.... und wenn ich ehrlich bin, auch ganz schön froh, dass es nicht in dieser Art weiterging.
 
Nelio`s Geschichte berührt und bedrückt. Es ist kein Buch, das man einfach so dahin liest... .vermutlich auch desshalb, weil sehr viel Ehrlichkeit und Wahrheit in diesem Roman steckt und diese ist leider gottes eben nicht immer so rosig, wie wir sie uns wünschen würden.
Nelio`s Geschichte ist eine große Geschichte mit vielen unterschiedlichen Gesichtspunkten.
Mankell ermöglicht dem Leser einen ungeschminkten Blick auf die Zustände in diesem Land... auf die Armut und die Roheit, in der diese Menschen leben und auch viele Kinder allein aufwachsen müssen.
Er zeigt uns aber auch ihre Träume und Hoffnungen.... ihren Kampfgeist und Zusammenhalt.... nur durch Willen und Vertrauen ist ein Überleben möglich... in dieser Hinsicht könnte wir uns oft eine Scheibe von ihnen abschneiden....
 
Tolles Buch!!!

Niemand hatte ihm beigebracht, wie man sich verhält, wenn man stirbt.Gibt es eine größere Einsamkeit?
Wenn ein Mensch erkennt, dass er sterben muss und niemand in seiner Nähe ist, der ihm zeigen kann, wie das geht?

Das Schlimme an diesem Buch ist, dass es wahrscheinlich unzählige Kinder gibt, deren Geschichte das sein könnte. Straßenkinder in vielen Städten der Welt. Das hat mich am Anfang des Buches auch sehr verstört, und ich habe mich gefragt, was der Autor denn nun wirklich mit dieser Geschichte aussagen will.
Mit der Zeit konnte ich erkennen was es ist: dass Straßenkinder auch Menschen sind, Kinder, die durch ihre Erfahrungen eben schon ein wenig erwachsener sind. Wieviel Mut und Lebenswille muss da nicht dazugehören,dass sie sich in so einer Situation so etwas wie Heimat und Normalität schaffen. Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand, so gut sie es eben können und mit Nelos Hilfe gelingt es ganz gut! Sie wollen ja leben, nicht nur überleben.