Der Chinese

Im Jahr der Olymischen Spiele in Peking legt Henning Mankell diesen spannenden internationalen Thriller vor. Er zeigt ein China zwischen Fiktion und Realität und wirft Fragen auf, die mitten in die aktuelle Diskussion zielen. Was geschieht, wenn ein Land zur wirtschaftlichen Supermacht aufsteigt, während im Inneren ein System politischer Unterdrückung herrscht? Welche Konsequenzen hat Chinas Engagement in Afrika und was wird aus den Menschen als Spielball dieser Politik? In einem frostigen Jannuartag 2006 macht die Polizei von Hudiksvall eine grausige Entdeckung. In einem kleinen Dorf ist ein Massaker begangen worden. Achtzehn Menschen wurden auf bestialische Weise getötet. Die Polizei vermutet die Tat eines Wahnsinnigen. Als Richterin Brigitta Roslin von der Tat liest, wird ihr sofort klar, dass ihre Adoptiveltern August und Britta Andren unter den Opfern sind. Und mehr noch: So gut wie alle Ermordeten haben etwas mit ihr zu tun. Am Tatort hat die Polizei ein rotes Seidenbabd gefunden. Durch einen Zufall entdeckt Brigitta Roslin, dass das Band von einer Lampe in einem Chinarestaurant in Hudiksvall stammt. Sie erkennt, dass die Polizei eine falsche Spur verfolgt, und beginnt selbst zu recherchieren .... Der packende Thriller führt die Leser vom modernen Schweden in das Amerika des 19. Jhts, in das heutige China und bis nach Afrika.

Meine Gedanken zum Buch: 

Dies ist mein erster Mankell. Ich habe auch relativ wenig Erfahrung mit Krimis, spannenden Thrillern usw. Die Geschichte hat mich gefesselt, ich habe sie regelrecht verschlungen. Ich fand die Geschichte interessant, spannend und gut recherchiert. Der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Handlungsorten und Zeiten ist ja ein beliebtes Stilmittel, das Mankell gut einsetzt. Seine bildhaften Beschreibungen der Personen und deren Charakterzuegen hat mich besonders angesprochen. Z.B. der Arbeitsalltag der Maenner beim Eisenbahnbau im Amerika des 19. Jhdts., die Qualen und brutalen Erniedrigungen haben mich betroffen gemacht. Parallel dazu wird dir der der Alltag der kleinen Leute im modernen China in Erinnerung gerufen. Haben die Chinesen etwas aus den bedrueckenden Schicksalen ihrer Landsleute in der Fremde der Vergangenheit gelernt? Machen sie es heute besser? Welchen Wert hat ein Menschenleben in China? Der Roman stellt doch einige hintergruendige Fragen, die nicht so mirnichts dirnichts zu beantworten sind. Oder die kleine Nebenhandlung der Beziehungskrise zwischen der Richterin Britta  Roslin und ihrem Mann. Sehr realistisch erzaehlt und beschrieben. Einge der Charaktere haben mir wieder einmal vor Augen gefuehrt, wie unterschiedlich Menschen sind, wie unterschiedlich Menschen denken und handeln, wie unterschiedlich die Ziele von uns Menschen sind. Resuemee Buch gut! Lesen!

Als er zum Haus kommt, sieht er den frischen Kadaver. Er zieht die schwere Beute zum Waldrand. Noch hat niemand ihn entdeckt. Nicht einmal Hunde bellen. .... Er ist jetzt sehr hungrig. Nachdem er einen Lederschuh von einem Fuß gezerrt hat, beginnt er, das Bein von unten her abzunagen. ....

Seitenangabe für Zitat1: 
10

Jan August Andren bindet sich ein Taschentuch vor Mund und Nase, als er herumgeht und kontrolliert, dass seine Männer aus den Zelten gekommen und zum Hinrichtungsplatz gegangen sind. Der Galgen steht auf einer Plattform aus frisch geteerten Schwellen. Wenn der junge O'Connor tot ist, wird der Galgen abgebaut, und die Schwellen werden wieder zu dem frisch aufgeschütteten Bahnwall getragen.

Seitenangabe für Zitat2: 
122

Ya Ru betrachtete die Stadt, die sich vor seinen Augen verwandelte. Es gab viele Proteste, weil die Leute meinten, Peking verliere zu viel von seiner Ursprünglichkeit. Ya Ru hatte die Journalisten, die für ihn arbeiteten, angewiesen über das Verschwinden der Elendsviertel zu schreiben und darüber, dass die Investitionen später, wenn die Olympischen Spiele vorbei waren und China eine neues Ansehen in der Welt  verschafft hätten, den einfachen Menschen zugutekommen würden.

Seitenangabe für Zitat3: 
512
Verlag: 
Paul Zsolnay Verlag, Wien
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
ISBN 978-3-552-0543-3

Kommentare

und ich muß sagen, er hat mich wieder gefesselt. Mankell versteht es einfach seinen Leser an das Buch zu binden und eintauchen zu lassen. Allerdings muß ich auch sagen, dass gerade in diesem Buch zwischendurch die Logik etwas auslässt...dass ein Mann sich für die Unmenschlichkeit an seiner Verwandtschaft 137 Jahre später rächt? Ich weiß nicht, aber alles ist möglich in unserer Welt. Die Schilderungen über den Eisenbahnbau im 19. Jhdt. in Amerika hat auch mich sehr aufgewühlt!
Auf alle Fälle ist es sehr spannend, vor allem Mankell als politischer Betrachter und Schilderer ist mir neu. Phasenweise, aber sehr ausladend. Gegen Ende wieder unheimlich schnell und fesselnd. In diesem Buch wechseln sich schnelle und langsamere Passagen gekonnt ab, so dass man immer dran bleibt.
Seine Erzählkunst ist unübertroffen. Ich finde es auch gut!

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen! Wenn man sich keinen Schwedenkrimi erwartet, sondern einen Polit- und Wirtschaftsthriller mit Mordgeschichte, ist man hier richtig. Mankell, der ja in Mosambik lebt, beschreibt die Pläne der neuen chinesischen Politiker, die sich Afrika durch ihre wirtschaftliche Macht unterwerfen und als Ausweichquartier für ihre unterbeschäftigte Bevölkerung missbrauchen. Das war der wirklich schockierende Teil der Geschichte. Dazu kommt noch der historische Teil, die Ausbeutung chinesischer Zwangsarbeiter durch die Amerikaner beim Eisenbahnbau, und natürlich erfährt der Leser auch viel über das Leben im modernen Peking. Ein interessantes Buch mit einer durchaus greifbaren Hauptfigur, das so flüssig geschrieben ist, das man es nicht gerne aus der Hand legt. Als Hörbuch von Axel Milberg sehr gut und passend gelesen.

Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt; die Beschreibung der menschlichen Schicksale, insbesondere von San, der als chinesischer Zwangsarbeiter entführt wird und Schreckliches erlebt, hat zutiefst berührt und schockiert.  
Obwohl - oder vielleicht gerade deswegen - sein Schicksal gar so nüchtern und sehr emotionslos geschildert wird, geht es einem doch sehr nahe und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass er sich schlußendlich an seinen Peinigern rächt.     
 
Sehr glaubwürdig fand ich auch die Charakterzeichnung der Richterin, ihre beruflichen Ziele und Vorstellungen, ihr auf der Strecke gebliebenes Privatleben; das wird alles sehr leise und behutsam erzählt. Und wie sie von der Jägerin zur Gejagten wird.
 
Etwas langatmig fand ich die Schilderungen über die heutige politische Situation insbesondere auch die Auswanderungspläne - das hat Mankell meiner Meinung nach zusehr ausgedehnt. Ich habe auch nicht so ganz verstanden, wozu diese Passagen gedacht waren, ausser vielleicht zu demonstrieren, dass die Chinesen im Grunde genommen eigentlich nicht aus der Geschichte gelernt haben; es erscheint wie eine Wiederholung - nur halt in einem anderen Land. 
 
Die Wege zur Auflösung des Mordfalles sind sehr spannend beschrieben; wie sich Teil um Teil des Puzzles langsam zusammenfügt. Allerdings hat mich die Auflösung unzufrieden zurückgelassen; ich habe mir etwas weniger Abstruses als eine verspätete Racheaktion eines Irren erwartet.
 

Tina, ich glaube, Mankell will hier, so wie in seinen Afrika-Büchern, darauf aufmerksam machen, dass der Schwarze Kontinent einmal mehr Opfer einer Kolonialisierung und Ausbeutung unter dem Deckmantel einer Art Entwicklungshilfe wird. Die Chinesen lösen auf diese Art einen Teil ihrer Probleme mit der Überbevölkerung, und Afrika wird ausverkauft. Diese Thematik liegt dem Autor, der selbst in Mosambik lebt, sehr am Herzen, und ich fand diese Textstellen durchaus interessant und wichtig.

Ja soweit ist es mir schon klar - ich habe es so interpretiert, dass die Chinesen, die weggeschickt werden, diesmal nach Afrika, nicht viel Mitspracherecht haben, sondern deportiert werden, ähnlich wie seinerzeit nach Amerika, und beide Seiten Opfer dieser Kolonalisierung sind. Und dass das Ganze eher eine Horrorvision denn Realität ist.
 
Mankells Afrika-Bücher kenne ich nicht; ich stimme jedoch mit Dir überein, dass es wichtig ist, eine solche Thematik an- und auszusprechen, weil - wie ich es an mir sehe - oftmals der Bezug fehlt und das Wissen.
 
Nur - es handelt sich um einen Kriminalfall, auf dessen Auflösung ich schon sehr neugierig war; und dadurch war meine - zugegebenermassen minimale - Geduld mit diesen Passagen überstrapaziert; und dann neige ich dazu; Textstellen zu überlesen (was nicht unbedingt im Sinne des Autors ist, ich weiss).  

Der Kriminalfall war ja auch wirklich spannend! Beim Hörbuchhören kommt man nicht in Versuchung, wo drüberzulesen, das empfinde ich manchmal durchaus als Vorteil Smile Ich bin nämlich auch so eine, die gern einmal ein paar Seiten querliest, wenn die Geschichte zu langsam voranschreitet...

... hat man beim Hörbuch auch nicht die Möglichkeit zurückzublättern und z.B. Namen nachzulesen, was ich immer wieder gerne, und bei diesem Buch inbesondere recht oft, gemacht habe.

Stimmt! DAS ist einer der wenigen Nachteile, die Hörbücher haben, deshalb meide ich auch allzu komplexe Geschichten, wenn ich es vorher schon weiß.