Der Cellist von Sarajevo

Bosnien. Anfang der 90er Jahre:Tag und Nacht wird das belagerte Sarajevo aus den Bergen ringsum beschossen. Die Bürger der Stadt leben in Angst. Nahrung und Wasser werden knapp. Doch immer wieder gibt es Menschen, die dem Irrsinn des Bürgerkriegs trotzen. Allen voran ein couragierter Musiker, der sich zum Zeichen des Protests gegen das sinnlose Leid jeden Tag um 16 Uhr im Frack mit seinem Cello inmitten der Ruinen auf der Straße setzt und das Adagio von Albinoni spielt, zweiundzwanzig Tage lang.

Meine Gedanken zum Buch: 

Erschütternd, was so ein Krieg an unvorstellbarem Grauen hervorbringt. Diese wenigen Einzelschicksale zeugen davon, und doch ist es möglich für Menschlichkeit zu kämpfen. Der Cellist, der 22 Tage lang, täglich für einen dieser 22 Menschen die auf diesem Trümmerhaufen gestorben sind, spielt, sein Leben aufs Spiel setzt.

Dragan: Von Tag zu Tag wird er unsicherer, ob es das Sarajevo, an das er sich zu erinnern meint, jemals gegeben hat. Es entgleitet ihm Stück für Stück, wie Wasser, das man in der hohlen Hand hält, und fragt sich was übrig bleibt.

Seitenangabe für Zitat1: 
39

Strijela geht auf die andere Seite und setzt sich an die Stelle, wo die Mörsergranate eingeschlagen hat, die Stelle, an der später der Cellist sitzen wird. Inzwischen weiss sie, dass hier zweiundzwanzig Menschen gestorben sind und zahlreiche andere verletzt wurden, Menschen, die nie wieder gehen, etwas sehen oder berühren werden.

Seitenangabe für Zitat2: 
93

Dragan setzt sich auf den kalten Beton und lehnt sich an den Güterwagon. Er hat noch immer Eminas Mantel in der Hand.
Niemand will den Mantel, in dem man angeschossen wurde, selbst wenn sich das Blut auswaschen ließe und die Löcher geflickt werden könnten.

Seitenangabe für Zitat3: 
167
Verlag: 
Luchterhand Literaturverlag, München
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-630-87279-7

Kommentare

Ein starker, bewundernswerter Mann der - wie soviele Menschen in diesem Krieg -  jeden Tag dem Tod ins Auge blickt und trotzdem beweist er eine Unmenge an Mut und Stärke. Mit seinem Spiel gibt er den Menschen Hoffnung, einen Moment der Ruhe,  es ist meiner Meinung nach auch ein Zeichen der Rebellion seinerseits, ein "dem Krieg den Kampf ansagen" ... Wenn ich mir diese Szene inmitten der Trümmer vorstelle bekomme ich jedes mal wieder aufs neue ein Gänsehaut, unvorstellbar für mich, täglich mit so einer Angst leben zu müssen...
Ein Frage die sich mir beim Lesen dieses Buches auch aufgedrängt hat war die Sicht der Heckenschützen. Was muss in ihnen vorgehen, wenn sie dort in ihren Verstecken lauern und dann diesen Menschen spielen sehen/hören?? Zweifelt man nicht spätestens dann an dem was man tut/vertritt??
 
Ein bedrückendes Buch aber auf jeden Fall lesenwert. Aus der Sicht verschiedener Personen nimmt man ein Stück an deren Schicksal teil und erlebt wie sie Alltagssituationen und ihr Leben meistern.

spricht mir aus dem Herzen. Genau so empfinde ich es auch. Ich konnte nur noch nicht mehr darüber schreiben, weil ich noch ganz gefangen war in der Geschichte. Ich brauche bei solchen erschütternden Büchern immer viel Zeit, um mich wieder zu fangen.
Danke Claudia für Deinen Kommentar.

Es gibt Bücher die man auf sich wirken lassen muss, die einen auch noch lange nach dem Lesen gefangen halten, dieses ist so eines ..... mir ist es nicht anders ergangen