Das absolut perfekte Verbrechen

Das_absolut_perfekte_Verbrechen.jpgPierre, Andrei und Marin sind übriggeblieben, nachdem der »Onkel«, Drahtzieher und Fixpunkt des kriminellen Clans, sich altersschwach ins Jenseits verabschiedet hat. Vor der Kulisse von Meer, Nebel und Frachtschiffen geht es um nichts Geringeres, als das am Hafen gelegene Casino auszurauben. Lucho, ein Freund von Marin, soll helfen, den raffinierten Plan umzusetzen. Und Marins Frau Jeanne, unerreichbar und begehrenswert, spielt mit. Eine meisterhafte Parodie der klassischen Gaunergeschichten um Loyalität, Verrat und Rache.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein namenloser Ich-Erzähler berichtet über dieses "perfekte Verbrechen", über seine Planung und Durchführung, und schon bald wird dem Leser klar, dass es so "perfekt" nicht gewesen sein kann. Düstere Stimmung und eine gewisse Abgeklärtheit zeichnen diesen Text, warm werden kann man weder mit ihm noch mit den beschriebenen Figuren, aber das dürfte auch nicht die Absicht des Autors gewesen sein.
In seiner oft skizzenhaften Sprache umreisst er das Geschehen, was fehlt, findet man zwischen den Zeilen, nichts bleibt offen.
Ich musste immer an eine Film-Noir-Version von "Ocean 11" denken, in der der Sunnyboy nicht so sonnig ist wie George Clooney und der Lockvogel nicht so cool wie Julia Roberts, sondern in der die Figuren immer einen Schatten im Gesicht haben, sich immer hinter vorgehaltener Hand verbergen.
Alles in allem ein Bravourstück, für das man sich Zeit nehmen sollte. Kein Krimi, kein Thriller im herkömmlichen Sinne, aber das sind Viels Bücher ja sowieso nie.

In diesem Haus zu sein, einfach nur dort zu sein, spannte eine Art Faden in mir, vor ihm, Marin, der mehr strahlte denn je, das Gesicht offener als sonst, ruhiger, gelassener, all das war in der Entspanntheit der Brauen zu lesen, des lockeren Kiefers, des fast gutmütigen Blicks, der in diesem geräumigen Wohnzimmer nicht zu uns passen wollte, zu Andrei und mir, unserenn immer noch von den Befehlen des Onkels, durch seine Verrücktheit zerrütteten Nerven, unserem Widerstreben, unserer Pflicht und wegen des Gefühls, die finger in etwas hineinzustecen, wo wir nichts zu suchen hatten, zu groß, zu hoch für uns, zu stabil die Tresore eines Casinos.
Prost.
Prost.
Prost.

Seitenangabe für Zitat1: 
26

Der Tag X. Nachmittags bei mir. Der Kaffee immer heiß. Mein Gesicht im Spiegel. Mittagsschlaf im Sessel. Um 14 Uhr machte ich den Fernseher an. Um 15 Uhr rasierte ich mich. Um 16 Uhr richtete ich es mir im unmöglichen Schlaf ein. Der Einsamkeit. Jeder für sich rekapitulierte für sich die logische Reihenfolge von Handlungen, für sich. Die vorangehende Langeweile, die trockene Kälte, der helle Himmel im Hold der Fenster. Um 14 Uhr mache ich den Fernseher an. Um 15 Uhr rasierte ich mich. Um 16 Uhrrichtete ich es mir im unmöglichen Schlaf ein. Um 17 Uhr ging ich aus, machte ein paar Einkäufe, Orangen, Äpfel, Rotwein.. Um 18 Uhr legte ich mich auf mein Bett, die Hände unter dem Kopf. Um 19 Uhr nahm ich etwas für die Nerven, mit einem großen Glas Wasser. Dann wäre ich fast eingeschlafen. Aber wir waren verabredet.

Seitenangabe für Zitat2: 
55
Verlag: 
Verlag Klaus Wagenbach
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3803126849