Das Glasperlenspiel

In der fiktiven Provinz Kastalien sorgt der Orden der Glasperlenspieler für die Ausbildung einer geistigen Elitetruppe, deren Mitglieder nach Beendigung ihrer Studien entweder im Orden (der einem katholischen Kloster sehr ähnelt) verbleiben oder das Wissen zum Wohle aller Menschen in die Welt hinaustragen. Das Glasperlenspiel ist ein Spiel mit den Werten und dem Wissen aller Kulturen und nur die Besten des Ordens bringen es darin zur Meisterschaft. Der 12jährige Josef Knecht findet auf Empfehlung seiner Lehrer ebenfalls Aufnahme im Orden und bringt es dort noch in jungen Jahren zum Magister Ludi, zum Glasperlenspielmeister und Leiter des Ordens. Schnell findet er sich in seine neue Rolle, doch fast genauso schnell stürzt ihn sein Amt in eine schwere Sinnkrise. Er fürchtet um den Fortbestand der Idealprovinz Kastalien, zweifelt an deren Sinnhaftigkeit und verspürt immer stärkere Sehnsucht nach einem "normalen" Leben. Mit Hilfe eines ehemaligen Mitschülers gelingt ihm die Flucht. Zur Überbrückung soll er für den Sohn des Freundes als Hauslehrer fungieren, doch schon nach wenigen Tagen in Freiheit ereilt ihn das Schicksal.

Meine Gedanken zum Buch: 

Als begeisterte Hesse-Leserin muss ich gestehen, dass mich das Alterswerk des Meisters doch einigermaßen angestrengt hat. So habe ich ungewöhnlich lange gebraucht, um mich mit Stil und Thema einigermaßen anzufreunden. Die äußerst gehobene Sprache und dazu der sperrige Inhalt haben mir einiges an Durchhaltevermögen abverlangt. Mit dieser Idealprovinz Kastalien konnte ich bis zum Ende des Buches einfach nichts anfangen. Zwar verstehe ich die Bemühungen des Pazifisten Hesse nach Harmonie und einer Welt, in der es weder Krieg noch Unwissen gibt, aber dafür einfach einen Idealstaat zu schaffen, in dem keiner der Bewohner je einer körperlichen Arbeit nachgehen muss, sondern sich nur mit seinen Studien beschäftigen kann, finde ich doch einigermaßen weit hergeholt. Dabei betreibt der Orden der Glasperlenspieler Schulen und Universitäten. Hesse dürfte die Seite der finanziellen Problematik sehr wohl bewußt gewesen sein, denn er läßt immer wieder durchblicken, dass Kastalien vor Konflikten mit der "normalen" Welt nicht verschont geblieben ist. Außerdem haben mich die philosophischen Hintergrundinformationen zum Orden über Gebühr strapaziert und der mystische Anteil hat für meinen Geschmack allzu sehr die Oberhand gewonnen. Meine Probleme hatte ich auch mit der Figur des Josef Knecht, der mir vor allem am Anfang viel zu blutleer und unwirklich erschien. Keine Zweifel, keine pubertären Höhen und Tiefen quälten ihn, kein Lehrer konnte je seinen Widerspruch erwecken, klar lag sein Weg vor ihm. Sympathischer ist er mir erst gegen Ende des Romans geworden, als er dieser künstlichen Welt, in der er bisher lebte, zu entfliehen versucht. Dennoch kann ihn Hesse nicht so charakterisieren, dass ich mit ihm gehofft und gelitten hätte. Ein Roman, bei dem von Anfang an klar war, dass dieses Werk ganz anders sein würde, als alle anderen. Wie immer man auch zum Thema stehen mag, lesenswert ist Hesses Alterswerk auf jeden Fall.

Verlag: 
Suhrkamp
Auflage: 
9. Auflage
ISBN: 
978-3-518-413357

Kommentare

Hallo
Tolstoi, Dostojewski und jetzt Hesse - wow - was kommt als nächstes ?

Er fürchtet um den Fortbestand der Idealprovinz Kastalien, zweifelt an deren Sinnhaftigkeit und verspürt immer stärkere Sehnsucht nach einem "normalen" Leben.

oder erkannte er nur, dass die Bildung in der Aussenwelt immer geringer wurde und Gier und Habsucht Kriege auslösen würden und vielleicht wollte er ja nur versuchen, die Ideale nach aussen zu übertragen ?

Mit Hilfe eines ehemaligen Mitschülers gelingt ihm die Flucht. Zur Überbrückung soll er für den Sohn des Freundes als Hauslehrer fungieren, doch schon nach wenigen Tagen in Freiheit ereilt ihn das Schicksal.

FLUCHT ? Er hat um Erlaubnis gebeten und als er sie nicht bekam hat er sein Recht auf eine Reise in die Aussenwelt ausgeübt ! Durch die Veränderungen glaubte er versuchen zu müssen, beide Pole der Welt zusammenzuführen.
Ob er es geschafft hätte und ob er wirklich nie wieder zurück zum Orden gegangen wäre, bleibt in den Tiefen des Gebirgssee begraben.

War das nicht der Maßstab des Magister Ludi ?
Wir sollen nicht aus der Vita activa in die Vita contemplativa fliehen, noch umgekehrt, sondern zwischen beiden wechselnd unterwegs sein, in beiden zu Hause sein", sagt Josef Knecht

Rotbart

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

Dass hat er wohl erkannt, dass es in der Welt "draußen" um die Moral nicht so gut bestellt ist, und ich verstehe auch in diesen kriegsgeschüttelten Zeiten seine Sehnsucht nach einem besseren "Modell". Mir hat aber die Form, wie er das mit diesem Kastalien gelöst hat, nicht gefallen. Ist mir einfach zu weltfremd vorgekommen und hätte wohl auch nicht funktioniert.
Ich sehe die Vorgehensweise des Josef Knecht doch als Flucht. Sicher hat er gefragt, aber mit einem positiven Bescheid wird er wohl von vorne herein nicht gerechnet haben. Und außerdem hatte ich während des Lesens immer das Gefühl, dass er befürchet, sein (jetzt sag ich halt mal) "Weggang" aus dem Orden könnte nicht gelingen. Ganz im Reinen war er sich mit seinem Gewissen meiner  Meinung nach nicht.Ich denke schon, dass er ein anderes Leben kennenlernen wollte, in dem er seinem theoretischen Maßstab vielleicht nicht immer treu bleiben hätte können. Ein beschütztes Leben in Kastalien und der harte Überlebenskampf sind auch für einen Magister Ludi zwei paar Schuhe.
Was als nächstes kommt, weiß ich noch nicht, Rotbart. Ich habe einen riesigen Stapel ungelesener Bücher (buntgemischt) und daraus wähle ich nach dem Zufallsprinzip. Aber "Krieg und Frieden" und "Die Elenden" lachen mich schon lange an. Ich denke, dass ich dem Zufall deshalb ein wenig nachhelfen muss, aber erst vor dem nächsten Urlaub. 
Und zu schon Gelesenem von Hesse könnte ich noch meinen Senf dazugeben. Muss ich aber erst schauen, ob diese Bücher schon eingestellt sind.
Gruß, Sylli