Das Buch Gabriel

Das_buch_Gabriel.jpgGabriel Brockwell, als Idealsit und Alltagsphilosoph dem Alkohol und den Drogen nicht abgeneigt, hat genug vom Leben. Er beschließt, sich umzubringen, doch halt: nicht sofort. Vorher will er es noch einmal richtig krachen lassen. Seine Reise führt ihn von einer englischen Entzugsklinik nach Tokio, wo er eine Nahtoderfahrung in einem japanischen Restaurant hat, und weiter nach Berlin, wo ein orgiastisches Bacchanal in den Katakomben des Flughafens Tempelhof stattfinden soll - immer dem Genuss verpflichtet, auf der Suche nach der ultimativen Party. Dem Leben entsagt, und doch noch nicht tot. Gabriel ist im zwischenreich der endgültigen Gedanken angelangt, dem Fegefeuer der letzten Erkenntnisse.

Das Motto: Dekadenz. Das Buch Gabriel ist eine grandiose Allegorie unserer Zeit und ihrer Huldigung des Banalen. Es ist zugleich die unsagbar traurige, unendlich komische und unbeirrt optimistische Geschichet von einem, der lieber utergeht, als sich anzupassen. Und während Gabriel seine Abenteuer erlebt, sehen wir ihm dabei zu, wie er vor unseren Augen auseinanderfällt - und neu aufersteht.

Meine Gedanken zum Buch: 

"Wenn deine moralischen Grundsätze nicht mehr tragen, ändere die Grundsätze". Damit beginnt dieses Buch, das einen in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seele führt. London, Tokio, Berlin in drei Tagen - wie in der Hochschaubahn zischen die Orte am Leser vorbei, nirgends kann er lang genug verweilen, um sich genauer umzusehen.
Profit, Gier und vor allem die Suche nach dem absolut Abgefahrenen bestimmen die Welt, in der Gabriel sich plötzlich wiederfindet, um seinem einzigen Freund das Leben zu retten. Ganz nebenbei findet er dabei auch zu sich selbst und stellt fest, dass er sich selbst entscheiden kann, ob er erwachsen werden will oder nicht.
In bekannter Manier zeichnet DBC Pierre ein skurriles Bild unserer Welt und spart nicht mit Kritik an dem, was unseren Alltag ausmacht. Überzeichnet, grell und viel zu bunt ist das Bild, das er uns präsentiert. Und mitten drin ein viel zu sensibler junger Mann, der an dieser Herausforderung zu zerbrechen droht.
Ein schräges Buch, typisch für diesen Autor, den man gewiss nur Lesern empfehlen kann, die einen Sinn für die Sprache der Jugend und einen abgefahrenen Humor haben, der mehr als einmal an die Grenzen der Geschmacklosigkeit stößt.
 
Beachtenswert finde ich übrigens die Umschlaggestaltung: "Affen als Kunstrichter" von Gabriel Cornelius von Max - ein gruseliges Bild!

Ja, es ist definitiv vorbei: Der Profit hat das Spiel gewonnen, dabei aber wie ein Infekt seinen Wirt getötet. Der Wirt waren wir. Die Qualität ist ausgestorben, weil wir unser Recht aufs Filtern der Wahlmöglichkeiten abgetreten haben; der Profit ist der Filter jeder Wahl geworden. Dei Wahrheit ist ausgestorben, weil wir keine echten Erfahrungen mehr katalysieren; der Profit der Medien ist der Katalysator geworden. Also adieu!

Seitenangabe für Zitat1: 
13

Über den Selbstmord: Stellen Sie sich den Geist als ein Herrenhaus vor. Wie Sie richtig vermuten werden, haben wir nicht allzu viele Räume davon in Benutzung. Ein paa wenige Augenblicke der Kindheit ausgenommen, tanzen wir nicht im Sonnenlicht ums Haus herum. Aber es gibt einen aus- und eingehenden Warenverkehr, weswegen sich unerwünschte Mengen im Inneren ansammeln können. Sie wachsen an, werden bedrohlich. Da wir nicht in der Lage sind, sie wegzurämen, ziehen wir uns in immer kleiner wedende Räume zurück. Und wenn wir im letzten Loch sitzen, bietet uns das Leben eine Wahlmöglichkeit: entweder unseren Untergang in parallel geschaltenen Schauplätzen auszuleben - Psychose, Fanatismus, Religion, Krebs, Abhängikeit - oder sich still und leise zu verabschieden. Aber Achtung: Fragen wie diese stellt das Leben nicht, wenn wir noch frisch und optimistisch sind - es wartet auf die Hoffnungslosigkeit.

Seitenangabe für Zitat2: 
20

David West ist ein Origami-Mensch. Von der Kultur geschickt zur Illusion eines Menschen geglättet, geknickt und gefaltet, eine Schmuckserviette, deren Ideen nicht über die eigenen Falze hinausreichen und die andere auffaltet, um sie dann als ihr Ebenbild neu zusammenzufalten.

Seitenangabe für Zitat3: 
26
Verlag: 
Eichborn Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3821861524