Darum

darum_0.jpgDenken Sie an eine nette Person aus Ihrem Bekanntenkreis, an den friedfertigstenMann, der Ihnen einfällt. Stellen Sie sich vor, Sie erfahren, dass er jemanden umgebracht haben soll. Es heißt, er habe in einer Kneipe scheinbar wahllos einen Manschen erschossen, ohne Streit, ohne Vorgeschichte, aus dem Nichts heraus. Er habe auch bereits ein Mordgeständnis abgelegt. Er sagt, er hätte die Tat geplant. Aber er gibt keinen Grund dafür an. Der Psychiater kann keine Krankheiten an ihm feststellen. Die Menschen um ihn erkennen nichts Böses. Sie mögen ihn. Sie haben das Bedürfnis, ihn vor sich selbst zu beschützen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Es ist nicht leicht scheinbar grundlos einen Fremden zu töten und danach wirklich lebenslang ins Gefängnis zu kommen.
Mit viel Humor fasziniert selbst dieses Thema. Sehr spritzig geschrieben. Einige Wendungen ergeben immer wieder logisch: Schuldig, unschuldig, schuldig, unschuldig, ...
Glattauer ist ein Künstler. Empfehlung.

Die mit den miesesten Jobs haben immer die größte Angst, diese zu verlieren.

Seitenangabe für Zitat1: 
89

Alex lachte Apfelessig.

Seitenangabe für Zitat2: 
116

"Wohnhaft?" - Eine faszinierende Frage an einen Strafgefangenen. Wohn-Haft. Da fraß die Zukunft bereits die Vergangenheit auf. Ich war geneigt, "Ja" zu antworten. Aber ich wusste, was gemeint war, und gab meine alte Adresse an.

Seitenangabe für Zitat3: 
153
Verlag: 
Deuticke
Auflage: 
3. Auflage 2007
ISBN: 
9783552060814

Kommentare

"'Verkettung widriger Umstände' war ein scheußlicher Begriff aus den Medien. Eine Zeit lang verwendete ich selbst solche Phrasen. Ich tat es, um mich über die leblose Sprache der Journalisten lustig zu machen. Ich machte mich dabei über mich selbst lustig. Keiner lachte. Die Leute fanden das normal. So widrig konnten die Umstände sich verketten."

Oft lache ich laut auf ob der originellen Wort- und Satzspielereien und hin und wieder bin ich schockiert, was dann so unvermutet daher kommt.
 
Zwei weitere Zitate: S. 41: "Neben dem Küchenfenster stand meine tapfere Zimmerlinde, die Einzige, die hier noch lebte. Sie hatte ihre Blätter hängen lassen, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich gab ihr Wasser für drei Tage. Danach würde sie für sich selbst sorgen müssen."
 
S. 115: "Sie sah aus wie eine Frau, die nur noch einmal niesen musste, dann war ihre Lebensenergie endgültig verpufft."
 
Und ein drittes auf der selben Seite: "'Alex', sagte ich und nickte waagrecht."
 
Grandios

Jedes weitere Wort über dieses Buch würde zuviel verraten, ich kann nur sagen, dass ich es auch empfehle. Über den Schluss würde ich gerne diskutieren, aber hier ist nicht der richtige Ort dafür.
 
Danke, Sigrid, für deine Leihgabe!

Ja du hast recht. Wobei man auch schon über den Schreibverlauf diskutieren könnte. Ganz guter Anfang, aber inzwischen hängtt mal alles...

"Ihre Zuwendung war Abwendung und Woandershinwendung und Wiederzurückwendung in einem. Sie liebte die Abwechslung, sie liebte das Gegenteil von mir."
 
Glattauer - ein Meister der Worte!!!!!!

Der Klappentext kingt ja schon vielversprechend, das Buch an sich hat meine Erwartungen noch weiter übertroffen. Liebe, Verzweiflung, Mord, Spannung, Witz, tolle Sprache (habe unzählige Absätze in  meinem Buch markiert) - alles vereint in diesem tollen Roman.
Glattauer versteht sein Handwerk .... Und der Schluss - !! GENIAL !! - man spekuliert, rechnet schon mit jedem Ende aber diese Wendung, einfach eine grandiose Idee.
Ein tolles Buch, durchdacht vom ersten bis zum letzten Wort - absolute LESEEMPFEHLUNG !!!!!

Ich wünschte mir während des Lesens, dass er schlussendlich freikommt, obwohl eigentlich alles auf seine Schuld hindeutet. Das stimmte mich doch ziemlich nachdenklich. Glattauer präsentiert ihn uns einfach so sympathisch, dass es kein "schuldig" geben kann. Wie wäre das im "richtigen Leben"? Da neigen viele doch eher dazu, jemanden vorschnell zu verurteilen, auch wenn es noch keine Beweise gibt. Ein Gerücht reicht oft aus ...
Eine spannende Gradwanderung: Was kann ich glauben und was nicht - und was, wenn mein Vertrauen in eine Person enttäuscht wird?

Der Schluss hat so richtig Pfeffer finde ich. Da geht nochmal so richtig die Post ab.

Unschuldig bis die Schuld bewiesen ist - so lautet doch  eigentlich der Grundsatz, aber was passiert, wenn voreilige Gerüchte/Behauptungen ins Spiel kommen??? Leider oft das Gegenteil, da muss ich dir Recht geben.
Lässt sich der Fall/das Motiv des Jan H. auf das reale Leben umlegen? Würde ein Mensch aus solch einem Grund einen Mord begehen? Und wie sieht`s mit dem Strafausmaß aus??
Wie man in letzer Zeit ja wieder des öfteren gesehen hat, spielt der Bekanntheits-/Promifaktor keine unwesentliche Rolle!!!!!

"Ich lachte mir im Spiegel zu und erschrak. Zugegeben, ich hatte mein Äußeres in den letzten Wochen ein bisschen vernachlässigt, aber dass mir Keith Richards einmal entgegenblicken würde, hätte ich nicht für möglich gehalten."
 
Suuuper Buch! Kann man fast nicht mehr weglegen!

einer meiner ungenannten Zugkollegen dieses Buch gerade liest (und er ist sehr anspruchsvoll) und mir immer wieder das Buch unter die Nase hält bei einem guten Satz.
Wir hoffen er möge sich nach Beendigung der Lektüre outen!
schreibt Reinhard XING

Ich kann beides bestätigen, er ist sehr anspruchsvoll und sagt selten, dass ihm ein Buch gefällt - meist liest er Klassiker (die gefallen ihm)!
Dieses "Darum" scheint ihm wirklich zu gefallen, da er oft lacht und eben - wie schon erwähnt - auf gute Sätze hinweist!

Das Buch öffnet sich täglich zu einer Überraschung, ungekünstelt und natürlich.
Aufmerksam lesen ist eine Kunst, gefördert durch schöne Sätze...vorallem im Zug mit wissenden Mitreisenden, die danach lechzen endlich wieder einen guten Satz präsentiert zu bekommen.
Am Schluss der Aha-Effekt, schon viel mehr zu wissen hätten können, wäre die aller erste Seite - sie erinnern sich: ich betrachtete meine Hand und konnte keine Schuld an ihr finden oder so ähnlich - nicht ignoriert worden.
 

Endlich hat sich der geheimnisvolle und viel zitierte Leser seine Indentität bekannt gegeben. Lol