Brief einer Unbekannten

Brief.jpgEin Liebesbrief erreicht den Romancier und Lebemann R. an seinem einundvierzigsten Geburtstag – die leidenschaftliche Lebensbeichte einer Frau, deren Lebensmittelpunkt er war.
Doch sie ist für ihn nur eine belanglose Geliebte unter vielen geblieben, letztlich eine Unbekannte. »Ich klage Dich nicht an, mein Geliebter, nein, ich klage Dich nicht an«, verspricht sie, und doch stellen ihre glühenden Worten das Leben dieses Mannes, der »nur das Leichte, das Spielende, das Gewichtlose« lieben kann und vor Bindungen zurückscheut aus »Angst, in ein Schicksal einzugreifen«, vollständig in Frage.

Meine Gedanken zum Buch: 

ein Buch für einen Nachmittag... grad mal 92 Seiten.... und ich muss mich echt bremsen... will länger was davon haben. Wie erwartet ist Zweig wie ein Sog..... ob ich will oder nicht, es treibt mich unaufhaltsm durch diese Erzählung. Die bedingunglose Liebe dieses Mädchens - ist einerseits rührend, andererseits fast bedrückend. Wie ein Wahn kommt es mir vor... die kindliche Blauäugigkeit zieht sich bis ins Alter weiter, bestimmt ihr Leben voll und ganz.... eigentlich kann man es garnicht "ihr Leben" nennen..... sie lebt für eine Vorstellung... für eine Fantasie... die in keinster Weise realistisch bzw. greifbar ist. Im Grunde ist der Ausgang dieser Geschichte schon von Beginn an bekannt, trotzdem verliert man dadurch absolut nichts. Zitate zu finden, fällt mir hier allerdings schwer. So schön Zweig`s Sprache ist.... man kann nicht´s aus dem Zusammenhang reissen....

Verlag: 
Fischer Verlag
Auflage: 
6. Auflage Dez. 2000
ISBN: 
3 596 13024 7

Kommentare

S. 48: Alles war, wenn ich so sagen darf, durchgeträumt; ich hatte mir in finsteren Momenten vorgestellt, Du würdest mich zurückstoßen, würdest mich verachten, weil ich zu gering, zu häßlich, zu aufdringlich sei. Alle Formen Deiner Mißgunst, Deiner Kälte, Deiner Gleichgültigkeit, sie alle hatte ich durchgewandelt in leidenschaftlichen Visionen - aber dies, dies eine hatte ich in keiner finsteren Regung des Gemüts, nicht im äußersten Bewußtsein meiner Minderwertigkeit in Betracht zu ziehne gewagt, dies Entsetzlichste: daß du überhaupt von meiner Existenz nichts bemerkt hattest.

Zweig ist immer eine Reise wert, dass ist mir seit diesem Buch sonnenklar..... wie schön und wie traurig... diese Erzählung hat mich tief bewegt.... einfach unvorstellbar, was hier passiert.... was diesen beiden Menschen widerfährt... ein dreizehnjähriges Mädchen, dass sich unsterblich in einen Romanschriftsteller verliebt.... dieser wohnt gleich gegenüber, jeden Tag kann sie ihn sehen, hören... allein seine Schritte auf der Treppe werfen sie schon aus der Bahn....kindliche Schwärmerei??? Könnte man am Anfagn meinen, aber schnell wird klar, dass da viel, viel mehr passiert.... in Liebe ohne Zukunft... eine Liebe von der er nicht`s ahnt... und eine Liebe, die diese beiden Menschen verdient hätten... voll und ganz... erst als sie stirbt, erhält er einen Brief von ihr indem sich alles offenbart.... die Liebe, die Angst, die Träume.... wie diese Frau dieses Leben nur ansatzweise leben konnte ist mir unbegreiflich.... ebenso unvorstellbar der Abgrund, in dnen er gerissen wird, als er den Brief zu Ende liest. Das hat mir echt einen Schauer über den Rücken gejagt.... ein grandioses Buch von einem grandiosen Schriftsteller. ZWEIG muss in jedes Bücherregal, da führt kein Weg dran vorbei!!!!