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Maurice mit Huhn

Bild von fari
Verfasst von  fari am So, 15/05/2011 - 11:35
Inhaltsangabe

KLAPPENTEXT
Maurice lebt in einem armseligen Stadtteil von Berlin, hält sich selbst für eher unscheinbar und uninteressant und liebt das Spiel des Cellos von nebenan. Man könnte meinen, Maurice führe ein unspektakuläres Leben, doch weit gefehlt: Das Spektakel findet seinen Ursprung in den kleinen Details, die der Protagonist unterwegs auf seinem 17 Jahre alten Fahrrad einsammelt und verarbeitet zu einer schier unendlichen Gedankenkette. Ein Krähenschwarm zieht vorüber und dieses Bild wirkt wie ein Startknopf. Maurice denkt nach, wechselt die Perspektiven, kommt von einem ins andere und schließlich erfährt der Leser etwas über das Ableben von Francois Mitterand und die Zubereitung französischer Fettammern. In kleinsten Schritten kommt Maurice der Wahrheit sehr nah.

Meine Gedanken zum Buch:

Langsames Herantasten, freudiges Experimentieren an Wörtern, Situationen und Menschen, das sind die wunderbaren Momente beim Lesen dieses Buch. Es hat keine Geschichte, wie die üblichen Romane. Freude am Schreiben und das Herausfinden, wie etwas am Besten zu beschreiben bzw. zu schreiben ist: kein anderes Ziel.
Schade, dass es den Amman-Verlag nun nicht mehr gibt. Sein Verleger war ein Mensch, der seine Autoren unterstützte und ihnen immer wieder Mut machte, zu schreiben. Auch dieses Buch hier wäre ohne seine Unterstützung nicht veröffentlicht worden.
Martin Zschokke, der sonst sehr ruhig ist, dafür umso mehr beobachtet, gehört zu den Autoren, denen die Sprache sehr wichtig ist und daher auch Deutsch schreibt. Seine Satzkonstruktionen haben es manchmal in sich. Gerne möchte ich mehr von ihm lesen und auch hören. Ich freue mich bereits auf seine neuen Geschichten.

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Die Liebe am Nachmittag

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Di, 11/01/2011 - 16:53
Inhaltsangabe

»In meinem ganzen Leben habe ich von Frauen nur den Nachmittag bekommen, und wie oft hat sich auch der noch zerschlagen.« Eingehüllt in den dekadenten Hauch des untergehenden Kaiserreiches, betrachtet Mihály die Welt und sich selbst kontemplativ und abgeklärt. Sein Metier ist die Verführung, die verheiratete 5Fleurs, eine namenlose grande dame, begehrt er nur halbherzig, die Liebe der unschuldigen jungen Schauspielschülerin Iboly erduldet er nur. Mihálys Reflexionen über die Liebe, die Frauen und das Leben sind betörend, klug und berührend.

Meine Gedanken zum Buch:

Es ist lange her, dass ich mich so an der Sprache eines Buches freuen konnte. Normalerweise hab ich immer Probleme, Zitate für die Buchpatenschaft zu finden, aus diesem Buch möchte man gleich seitenweise zitieren.
Mihály, der Lebemann, der ständig um seine Existenz kämpfen muss, betrachtet die Welt einerseits mit großer Nüchternheit und Abgeklärtheit, gleichzeitig schwelgt er in poetischen Betrachtungen der kleinsten Begebenheiten, sei es auch nur, wie sich ein Herbstblatt vom Baum löst. Nie wird die Grenze zum Kitsch überschritten, egal, wieviel Gefühl er in seine Worte legt.
Szép beschreibt die Stimmungen, egal ob die allgemeine Lage nach dem 1. Weltkrieg oder das Halbdunkel im Schlafzimmer nach einer heissen Umarmung, so dicht und greifbar, dass man das Gefühl bekommt, ganz nah dran zu sein, das alles selbst schon einmal erlebt zu haben.
Gleichzeitig malt er ein Bild der damaligen Gesellschaft mit all ihren Gegensätzen. Die gelangweilte Ehefrau eines reichen Mannes, das liebe Mädel vom Theater - klischeehaft mögen sie schon sein, die Figuren, aber nicht ohne Eigenleben. Getrieben von der Suche nach der Liebe flaniert Mihály durch Budapest, empfindet eine Leere, die auch die Menschen in seiner Umgebung nicht zu füllen vermögen. Schonungslos und mit viel Humor betrachtet er die Welt. Besonders amüsant fand ich seine Gedanken über Männer, die die 40 überschritten haben, da musste ich mehr als einmal schmunzeln.
Alles in allem eine echte Perle und ein Top-Tipp für alle, die etwas für die ungarische Literatur des beginnenden 20. Jahrhunderts übrig haben.
 

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Die New York Trilogie

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 03/05/2010 - 16:43
Inhaltsangabe

STADT AUS GLAS. Daniel Quinn, ein Kriminalautor, erhält mitten in der Nacht den Anruf eines Fremden und wird auf Grund eines Mißverständnisses in eine Affäre hineingezogen, die komplizierter und undurchsichtiger ist als alles, was er bisher in seinen eigenen Büchern geschrieben hat: Quinn wird, ohne daß ihm Zeit zum Nachdenken bleibt, als Detektiv unter dem Namen Paul Auster eingesetzt.
Wer ist dieser Peter Stillman, den er zu bewachen hat? Und warum versucht sein Vater ihn zu töten? Oder ist der Vater in Wirklichkeit jemand anderer? Und wenn, wer ist der Mann, der ermordet werden soll? Quinn verfolgt alle erdenklichen Spuren, um eine Antwort zu finden. Die Stadt New York wird für ihn zu einem unerschöpflich weiten Raum, zu einem Labyrinth nicht enden wollender Gänge. Naheliegende Schlußfolgerungen scheinen immer mehr ihre Eindeutigkeit zu verlieren. Aus der vordergründig einfachen Aufgabe, einen Mann aufzuspüren, wird schließlich eine aufreibende Suche nach sich selbst.

SCHLAGSCHATTEN. Blue bekommt von White den Auftrag, Black zu beobachten. Ohne über die Hintergründe aufgeklärt worden zu sein, läßt der junge Privatdetektiv sich auf den Fall ein und beschattet Black tagein und tagaus. Bald muß er feststellen, daß seine bewährten Methoden nicht greifen und daß sich Realität und Täuschung nicht mehr ohne weiteres voneinander unterscheiden lassen. Er verliert die Gelassenheit des routinierten Profis und ist besessen von dem Wunsch, Blacks Geheimnis zu ergründen. Sein Leben gerät aus den Fugen, die Konturen seiner Identität lösen sich auf.

HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN. Der Schriftsteller Fanshawe verschwindet eines Tages spurlos und läßt seine junge Frau Sophie mit dem gemeinsamen Kind zurück. Sein Freund aus frühester Kindheit, der Erzähler der Geschichte, übernimmt die Rolle des Nachlaßverwalters und setzt sich erfolgreich dafür ein, daß die vielen Romane und Gedichte veröffentlicht werden. Und er heiratet schließlich Sophie und dringt immer tiefer in das Leben Fanshawes ein. Die Welt bricht für ihn zusammen, als er eines Tages den Hinweis bekommt, daß Fanshawe noch lebt. Fieberhaft versucht er den Freund zu finden und durchlebt eine schwere Krise, in der er seine eigene Existenz in Frage stellt.

Meine Gedanken zum Buch:

Paul Austers bekanntestes Werk zählt sicher auch zu den Meisterwerken der amerikanischen Gegenwartsliteratur. In seiner unverwechselbaren klaren Sprache stellt der den Leser vor immer neue Gedankenhürden, lenkt ihn von einer Richtung in die andere und lässt ihn immer wieder anhalten, um das eben Gelesene einzuordnen und zu verarbeiten.
In drei abgeschlossenen Geschichten, in deren Mittelpunkt auch die Großstadt New York steht, erzählt Auster immer wieder vom Leben und davon, wie sehr es davon abhängt, wie oder auch dass man von seiner Umwelt wahrgenommen wird. Auch eines seiner zentralen Themen, der Zufall, spielt eine wesentliche Rolle in allen drei Geschichten, die zum Teil beginnen wie ein klassischer Detektivroman, und letztendlich immer eine Suche der Protagonisten nach sich selbst darstellen. Die Figuren sind oft sehr schemenhaft dargestellt, nur in "The Locked Room" erzählt Auster von greifbaren und nachvollziehbaren Personen, doch auch diese stoßen an die Grenzen der Selbstzerstörung.
Für mich sind letztendlich viele Fragen offen geblieben, die mich noch länger beschäftigen werden. Der Sinn des Daseins, die eigene Rolle und die der anderen, die Wendungen, die vom Zufall gesteuert werden - zentrale Themen, die mir in so gut wie allen Werken Austers immer wieder begegnet sind.
Zum Hörbuch (ungekürzte Version): Große Literatur, grandios gelesen von Joe Barett, der mit seiner wandelbaren Stimme die oft sehr distanziert gezeichnenten Figuren ein wenig greifbarer werden lässt.

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Jungen und Mädchen: wie sie lernen

Bild von Gabi Stachl
Verfasst von yellow bookreader Gabi Stachl am Fr, 30/05/2008 - 20:53
Inhaltsangabe

Rund 80% der sogenannten lernschwachen Schüler sind Jungen - doch die sind nicht einfach dümmer, vielmehr liegt die Ursache dafür im System: Jungen und Mädchen lernen nachweislich anders, was in unseren Schulen nicht berücksichtigt wird.
Vera F. Birkenbihl stellt die neuesten Erkenntnisse der Forschung vor und zeigt, warum Eltern und Pädagogen die geschlechtertypischen Merkmale nicht nur berücksichtigen, sondern sogar in den Vordergrund rücken sollten.

Meine Gedanken zum Buch:

Ein interessantes Buch, das die Koedukation, zumindest im Pflichtschulbereich in Frage stellt. Wobei die Kinder nicht grundsätzlich nach Geschlecht getrennt, aber nach ihren Bedürfnissen individuell Unterrichtet werden sollten.

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