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Schopenhauer

Die Schopenhauer-Kur

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 25/01/2010 - 13:29
Inhaltsangabe

Julius Hertzfeldt ist 65 und ein renommierter Psychoanalytiker, als er ernsthaft erkrankt. Zeit, sich wichtigen Fragen zu stellen. War sein Wirken wirklich bedeutungsvoll? Er erinnert sich an einen Fall, bei dem er kläglich versagt hat: An Philip Slate, den er einst wegen dessen Sexsucht in Behandlung hatte. Dieser ist immer noch so arrogant und ichbezogen wie früher, dennoch behauptet er, sich mittlerweile selbst geheilt zu haben - und zwar mit Hilfe der Lektüre von Arthur Schopenhauer ...

Meine Gedanken zum Buch:

Dieses Buch wurde mir nach dem Besuch eines Seminars zum Thema "Gruppendynamik" empfohlen, als praktisches Beispiel dafür, wie Menschen agieren und zusammenspielen, in diesem Fall in einer Therapiegruppe. Deren Leiter, Julius Herzfeldt, ist unheilbar krank und möchte vor seinem Tod noch reinen Tisch mit sich selbst machen. Dafür gräbt er einen Fall aus, den er selbst als seinen größten Misserfolg betrachtet. Den an Sexsucht leidenden Philip Slater. Dieser hat in den letzten zwanzig Jahren zu einem neuen Selbst gefunden, und zwar mit der Hilfe der menschen-und auch lebensverachtenden Philosophie Arthur Schopenhauers, die er eins zu eins auf sein eigenes Leben anwendet. Philip wird eingeladen, in Julius' Therapiegruppe teilzunehmen, um selbst die Grundlagen für einen guten Therapeuten zu erlernen. Die Gruppe besteht aus unterschiedlichseten Persönlichkeiten, die schonungslos und offen miteinander umgehen, jeder mit dem Bestreben, sich und den anderen zu helfen. Der unnahbare Philip wirkt lange wie ein Sandkorn im Getriebe, gibt der Gruppe aber auch eine neue Richtung, bis er letztendlich aus seinem selbstgebauten emotionalen Gefängnis ausbrechen kann.
 
Parallel dazu wird die Lebensgeschichte Arthur Schopenhauers erzählt, seine Philosophie vorgestellt und erläutert. Es entsteht das Bild eines unangenehm arroganten Menschen, der von Kindheit an mit einem großen emotionalen Defizit leben musste, das den Grundstein für sein asoziales und frauenfeindliches Verhalten legte.
 
Ein interessantes Buch für alle, die sich für Philosophie und Psychologie interessieren. Yalom zeichnet ein deutliches Bild aller Charaktere und lässt den Leser so unmittelbar an seinen Erfahrungen als Therapeut teilhaben. Intelligent und angenehm zu lesen, ein Buch mit Anspruch und Tiefgang, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

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