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Perlentauchen

Die Perlentaucherin

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mi, 29/04/2009 - 09:15
Inhaltsangabe

Seit fünfzehnhundert Jahren tauchen Frauen wie die Heldin von Jeff Talarigos bewegendem Roman in Japans Seto-Inlandsee nach Perlen. Es ist eine harte, mühselige Arbeit für die junge Japanerin, aber es ist ihr Lebenstraum. Im Meer fühlt sie sich frei und stark, vergisst ihre Sorgen - auch die rote Stelle am Unterarm, die seltsam schmerzunempfindlich ist. Doch schon bald wird ihr klar, was dieser Fleck bedeutet: Sie hat Lepra. Als sie im August 1948 auf die Insel Nagashima gebracht wird, ist sie 19 Jahre alt; zusammen mit zweitausend anderen Patienten hält man sie dort über fünfzig Jahre lang von der Gesellschaft fern. Ihr Name wird aus dem Familienregister gestrichen, sie erhält die Nummer 2645 und die Anweisung, sich einen neuen Namen zu suchen. Von jetzt an bis zum Ende ihres Lebens wird sie Fräulein Fuji heißen, nach dem Berg, den sie einst mit ihrem Onkel bestieg. Obwohl schon bald ein Heilmittel gegen Lepra gefunden wird und ihre Krankheit nicht weiter voranschreitet, darf sie die Insel nicht verlassen. Doch sie findet ihren Platz in der durch grausamen Zufall zusammengewürfelten Gemeinschaft - darunter eine koreanische Geschichtenerzählerin, ein Schriftsteller, ein Gärtner, ein Urnenmaler, ein Tanka-Dichter - und schöpft innere Ruhe und Kraft aus der Zwiesprache mit dem Meer. In verhaltener, lyrischer Prosa erzählt der in Japan lebende Autor, ausgehend von historischen Fakten, eine erschütternde Geschichte von Krankheit und Ausgestoßensein, von Unterdrückung und Sehnsucht nach Freiheit, von Menschenwürde und Mut.

Meine Gedanken zum Buch:

Jeff Talarigo erzählt ohne Sentimentalität, in einem kurzen prägnanten Stil, der einen immer wieder an die japanische Poesie erinnert. Die Geschichte von Fräulein Fuji, deren richtigen Namen wir nie erfahren, ist unendlich traurig und berührend. So viele Schicksale, so viele namenlose Urnen. Das Schockierende daran ist vor allem auch die Einstellung der japanischen Gesellschaft zu dieser Krankheit. Fräulein Fujis Schwester kommt einmal zu Besuch, nur um ihr vorzuwerfen, dass sie Schande über die Famile gebracht und ihr Leben zerstört hat. Kein Mitleid, keine Akzeptanz. Und obwohl schon ein Jahr nach ihrer Einweisung ein wirksames Heilmittel gefunden wird, dauert es noch Jahrzehnte, bis die geheilten Patienten die Insel erstmals verlassen dürfen.
 
"Die Perlentaucherin" klang für mich wie der Titel eines Kitschromans, doch schnell war ich eines Besseren belehrt. Ein großartiges Buch mit viel Tiefgang, eine echte "Perle".

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