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Neunziger Jahre

Tod einer roten Heldin

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Fr, 11/01/2008 - 10:42
Inhaltsangabe

Die Konstruktion des Romans ist denkbar konventionell. Aus einem Kanal wird die Leiche von Guan Hongying gefischt, die als nationale Modellarbeiterin überregionale Berühmtheit erlangt hatte. Guan wurde eindeutig Opfer eines Verbrechens. Die Ermittlungen führen Oberinspektor Chen auf die Spur des bekannten Fotografen Wu, dem Sohn eines hohen einflussreichen Kaders. Wu hatte die Arbeiterin nach einer kurzen heftigen Affäre urplötzlich fallen lassen. Als kompromittierende Fotos auftauchen, wird Chen von seinem Mentor Li aus politischen Gründen zurückgepfiffen. Doch Chen denkt nicht daran, den Fall ungelöst abzuschließen.

Ein einfacher Whodunit also. Sicher nicht und das aus mehreren Gründen. Chen ist Polizist und Schriftsteller, und immer wieder wendet er sich in schwierigen Situationen der Literatur zu, befragt sie und erhält geheimnisvolle Antworten. In seiner Skepsis und Zerrissenheit ähnelt Chen dabei durchaus seinem schwedischen Kollegen Wallander. Ungewöhnlich intensive Dialoge schließlich, in denen jedes einzelne Wort erwogen wird, die Bedeutung des strengen chinesischen Moralkodexes und der gesellschaftlichen Stellung jeder einzelnen Figur für die Handlung verschaffen dem Roman einen völlig eigenständigen Charakter. Die Aufklärung eines Gewaltverbrechens innerhalb dieses Geflechts aus gewachsenen Strukturen und politischen Zwängen kommt einer Sisyphusarbeit gleich. Gerade aber die atmosphärische Fremdheit, die Qiu glänzend darzustellen vermag, macht das Buch ganz besonders lesenswert. Und nebenbei erfährt man auf höchst unterhaltsame Weise sehr Aufschlussreiches über das moderne China.

Meine Gedanken zum Buch:

Der erste Band dieser mehrteiligen Krimiserie handelt zu Beginn der 90er Jahre, also zu einer Zeit, wo die freie Marktwirtschaft beginnt, sich zu etablieren.
Man erfährt viel über die Lebensweise der Menschen in Shanghai, einer unkontrollierbar wachsenden Metropole mit chronischer Wohnungsnot. Bezeichnend ist das Faktum, das es im Chinesischen kein Wort für "Privatsphäre" gibt, dass dieses mit einem Satz umschrieben werden muss. Interessant sind auch die Einblicke in die verschiedenen Aspekte der chinesischen Küche.
Die Geschichte selbst wird durch die Einflüsse der Parteipolitik interessant, sonst ist sie relativ banal, wobei die Ermittlungen ganz spannend sind.  Der Schluss ist überraschend, schockierend und stellt für mich die Frage in den Raum, ob es richtig ist, dass jemand für die falsche Sache bestraft wird (mehr will ich dazu nicht sagen, weil ich ja für künftige Leser den Schluss nicht vorwegnehmen möchte).

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