"Das war ein Tag", bemerkte Mathais sich rekelnd. "Der ist noch nicht zu Ende".sagte ich zu ihm "und außerdem, heute morgen warst du noch am Boden und so ausgelassen habe ich dich noch nie gesehen!"
"Stimmt!" ergänzte Mathias und blickte zu ihm hinüber. "Ich weiß nicht, wie sie das fertig bringt?", sagte er. "Was macht die mit ihren Kinder?"
"Sie hat gar keine!" klärte ich sie auf. "Und ich kenne sie seit zwölf Jahren, schon als Kleinkind habe ich nie einen Mann in ihrer Nähe gesehen, und ich kann sie einfach nicht leiden!. Sie kann gar keine Mutter sein, oder schlägt eine Mutter Kinder?" Mathais blickt mich ernst an, legt seinen Kopf etwas zur Seite, ich erkannte eine Traurigkeit in seinen Augen und sah ihn nachdenklich an, dann fragte er mich mit einer so ruhigen Stimme, die mir durch und durch ging, ich erinnere mich heute noch daran: "Wie kannst du das aushalten, meine Mutter umarmt mich und wer umarmt dich, Jöri?" "Tja so eine blitzgescheite Frage!" stellte Harald fest. Und Mathais weiter: "Zwölf Jahre, hat dich niemand einmal umarmt, nur einmal? Sei ehrlich Jöri!" Er griff nach meinen Unterarm und drückte fest zu. "Sag schon", setzte er nach, und das Wasser prasselte weiter auf uns herunter. "Nein!" schrie ich ihn an und ließ meinen Kopf auf die Knie fallen und meine Hände vergruben ihn. "Ich kan es doch nicht ändern!, flüsterte ich leise. "Was willst du denn?" fragte ich ihn. "Ist ja gut!" gab er zurück. "Du spinnst Mathias", sagte Harald, "warum quälst du ihn denn?" und zeigte ihm einen Vogel. Böse und sich halb aufrichtend sah er Harald scharf an. "Ich mag ihn einfach, du Hornochse!"
"Das weiß ich doch!" entschuldigte sich Harald, Betreten saßen wir in der Wanne und schwiegen. Ich fühlte mich auf einmal so elendig und stigmatisiert. Ein paar Mal musste ich trocken schluchzen, mein inneres kehrte sich nach außen, und ich fand mich plötzlich in einer Traurigkeit, die mir schon wieder die Tränen in die Augen trieb. Die Zwei konnten mich doch gar nicht verstehen, mir wurde das so schlagartig klar, und es musste wohl jeder für sich klar kommen, aber manchmal geht es eben nicht, und ich fühlte mich dabei so schrecklich verloren, dass ich dachte, ich zerfliege in tausend Fetzen. Diese Tatsache quälte mich ständig und manchmal tritt sie eben so erschreckend brutal ins Licht, dass die Erkenntnis der Sinnlosigkeit greifbar nahe vor mir steht...
Ich steig aus der Wanne, verschwand im Dunst und lehnte mich an die Wand. Plötzlich stand Mathais neben mir, wischt sich seine Haare aus dem Gesicht, packt mich einfach an den Schultern und umarmt mich, hielt mich einfach fest, zaudernd , langsam legte ich meinen Arm um ihn und heulte. Er sagt nur: "So ist es, wenn man umarmt wird, Jöri, so einfach", und drückte mich fest, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt.