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KZ

Roman eines Schicksallosen

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 01/09/2008 - 09:11
Inhaltsangabe

Imre Kertesz ist etwas skandalöses gelungen: die Entmystifizierung von Auschwitz. Es gibt kein literarisches Werk, das derart konsequent, ohne zu deuten, ohne zu werten, der Perspektive eines staunenden Kindes treu bleibt. Wohl nie zuvor hat ein Autor seine Figur Schritt für Schritt bis an jene Grenze begleitet, wo das nackte Leben zur hemmungslosen, glücksüchtigen, obszönen Angelegenheit wird.Imre Kertesz, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit.

Meine Gedanken zum Buch:

Dieses Buch hat mich immer wieder sprachlos gemacht. Der Protagonist ist 15 und sehr behütet aufgewachsen, mit dem jüdischen Glauben hat er nicht viel am Hut. In seiner unglaublichen Naivität beschreibt er die Dinge, so wie er sie sieht. Wo wir einen Nazischergen vor dem geistigen Auge haben, sieht er einen Menschen mit Lachfältchen um die Augen und einem traurigen Gesichtsausdruck. Die Deutschen betrachtet er mit kindlichem Interesse, wie er sie zum ersten Mal sieht.
 
Schockierend ist der Wandel, den er in dieser kurzen und doch so endlos langen Zeit durchmacht. Nach nicht einmal einem Jahr hat er alle Weisheit der Welt in sich, sein Körper ist der eines alten Mannes, sein Leben richtet sich nur mehr nach Instinkten.
 
Und trotzdem zerbricht er nicht daran, trotzdem sagt er am Schluss: "Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach den Übeln, den "Greueln": obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen. Wenn sie überhaupt fragen. Und wenn ich es nicht selbst vergesse."

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Der Vorleser

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Di, 15/01/2008 - 15:11
Inhaltsangabe

Der 15-jährige Gymnasiast Michael Berg lernt Ende der 1950er Jahre in Heidelberg Hanna Schmitz kennen. Die 20 Jahre ältere Straßenbahnschaffnerin kümmert sich um ihn, als ihm, an Gelbsucht erkrankt, auf dem Nachhauseweg übel wird. Wieder gesund besucht er sie und erlebt mit ihr seine erste Liebe. Bald entwickelt sich während der heimlichen Treffen in ihrer Wohnung ein Ritual, das der zunächst rein körperlichen Beziehung eine seelische Dimension gibt: Michael muss Hanna, über deren Vergangenheit er nur wenig erfährt, stets vor dem Liebesakt vorlesen.
Eines Tages verschwindet Hanna spurlos aus der Stadt. Erst Jahre später sieht er sie als Jurastudent in einem Auschwitz-Prozess wieder, wo sie mit anderen ehemaligen KZ-Aufseherinnen unter Anklage steht. Im Gerichtssaal findet Michael die lang gesuchte Erklärung für Hannas ungeschickte Verteidigung und für viele ihrer Handlungen: Sie ist Analphabetin, verheimlicht dies aus Scham auch im Prozess und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihre Mitangeklagten, die ihr die Hauptschuld für ein grauenhaftes, schriftlich dokumentiertes Verbrechen zugeschoben haben, erhalten nur geringe Freiheitsstrafen.
Michael, der sich mitschuldig fühlt, schickt ihr regelmäßig Kassetten ins Gefängnis, die er mit Weltliteratur besprochen hat. Anhand der Kassetten lernt Hanna autodidaktisch lesen und schreiben und beginnt sich mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinander zu setzen. Nach 18 Jahren Haft nimmt sie sich kurz vor ihrer Entlassung das Leben.

Meine Gedanken zum Buch:

Ein tolles Buch! Erst ein Sittenbild der 50er Jahre und plötzlich die schockierende Wende - unglaublich berührend, regt dieses Buch immer wieder zum Nachdenken an.

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