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Frauenbild

Im Schatten der Zeit

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 12/03/2012 - 17:05
Inhaltsangabe

Die Lebensreise einer bemerkenswerten jungen Frau im Jahrhundert der Extreme: ein sensibler, wortmächtiger und bilderreicher Roman. Anna kam am 3. Dezember 1909 in Wien zur Welt und war die zweitälteste der vier Töchter des Glasmalermeisters Franz Goetzer. Lakonisch beginnt der neue Roman von Erika Pluhar. Er erzählt die Geschichte einer hochbegabten Frau, die zwischen den Weltkriegen an der Wiener Kunstakademie studiert und von einem selbstbestimmten Leben träumt. Doch Annas Auswanderung nach Brasilien, ihre Ehe und vor allem der aufkeimende Nationalsozialismus verhindern für lange Zeit diesen Traum. Einfühlsam beschreibt Pluhar die Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste der jungen Anna, die im Jahrhundert politischer Extreme aufwächst. Österreich, Brasilien, Deutschland und Polen sind die Stationen ihres Lebens, das einen unerwarteten Verlauf nimmt. Ein sensibler, wortmächtiger und bilderreicher Roman der großen österreichischen Autorin.

Meine Gedanken zum Buch:

Erika Pluhar hat einen wunderbaren Roman geschrieben, der mich noch länger nicht loslassen wird. Es geht um eine kreative junge Frau im Wien vor und während des 2. Weltkriegs, die unglaublich mutig an ihr Leben herangeht und zugleich die Augen vor so vielem verschließt.
 
Ich denke, es ist die sehr ehrliche Geschichte einer Österreicherin, die mit den Nazis nichts am Hut hatte, aber halt ihren Mann walten ließ. Bis auch dieser nicht mehr mit dem leben konnte, zu dessen Handlanger er sich gemacht hatte und freiwillig als einfacher Soldat in den Krieg zieht, Frau und Kinder allein zurücklässt. Unglaublich berührend ist der Teil der Geschichte, in dem Anna mit ihren drei Mädchen ums Überleben kämpft, auf sich allein gestellt, immer wieder auf die Hilfe von freundlichen Menschen angewiesen.
 
Ein Aspekt hat mich total überrascht, daran hatte ich noch nie gedacht, davon hab ich auch noch nie gehört. Anna hatte nach dem Krieg viel weniger Angst vor den Russen als davor, dass die Juden kommen und sich im gleichen Ausmaß dafür rächen würden, was man ihnen angetan hat. Dieser Gedanke ist für mich ganz neu, aber er ist natürlich logisch für diejenigen, die irgendwann einmal doch mitbekommen haben, was da passiert.
 
Alles in allem ein empfehlenswertes Buch über ein Frauenschicksal, das stellvertretend für so viele ähnliche steht, in schnörkelloser aber liebevoller Sprache erzählt, so, wie man sie von Frau Pluhar auch gewohnt ist. Da die Namen der fiktiven Familie großteils mit denen von Pluhars Familie übereinstimmen, darf man wohl davon ausgehen, dass vieles aus mütterlichen Erzählungen und eigenen Erlebnissen übernommen wurde.

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Hello Kitty muss sterben

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mi, 09/02/2011 - 16:40
Inhaltsangabe

Eine junge Chinesin in San Francisco: Den Traditionalismus ihrer Eltern im Kreuz und die Herausforderung totaler Freiheit vor sich, trifft Fiona Yu einen alten Schulfreund wieder, der sich vom Außenseiter zum eleganten Serienkiller gemausert hat. Gemeinsam erleben sie eine rasante Zeit jenseits aller gängigen Klischees von Leidenschaft und Sex. Dass eine gehörige Zahl von Menschen für diese Vision mit dem Leben bezahlt, ist es ihnen wert.
Fiona Yu ist eine hochintelligente junge Frau. In dem Anwaltsbüro, in dem sie arbeitet, ist sie ständig unterfordert. Aber Fiona ist ein bisschen verwirrt, was ihr Frausein angeht. Denn sie kommt aus einem freundlichen, aber sehr traditionellen chinesischen Elternhaus. Und sie lebt in San Francisco, einer freundlichen, aber sehr freiheitssüchtigen Stadt. Fiona will nicht länger die "Hello-Kitty-Rolle" spielen, die ihre Eltern von ihr erwarten: stumm sein, keine Emotionen zeigen, einen chinesischen Mann heiraten. So unternimmt sie einiges, um ihr Jungfernhäutchen loszuwerden, wirklich aber bricht sie mit ihrem alten Leben erst, als sie dem Schönheitschirurgen Sean Killroy begegnet. Sie beginnt eine Beziehung mit ihm, die zu ihrer Freude ohne diesen hässlichen Sexdings-Zwang auskommt. Denn Sean hat eine ganz andere Leidenschaft: Er ist ein passionierter Serienkiller. Dass er all die Leute umbringt, die ihr blöd kommen, ist Fiona zunächst unangenehm, dann aber versteht sie es immer mehr als Ausdruck seiner Liebe. Den gezielten Gnadenmord entdeckt sie schließlich auch für sich als praktisches Mittel gegen die, klar, total gut gemeinte Verheiratungspolitik ihrer Eltern. Doch irgendwann beginnen die beiden, Fehler zu machen.

Meine Gedanken zum Buch:

Hauptakteuerin in diesem finster-humorigen Roman ist Fiona, die junge chinastämmige Anwältin, die sich trotz ihres Diploms einer Eliteuni ständig von ihrem Vater mit irgendeiner Dumpfbacke verkuppeln lassen muss, Hauptsache, der Typ ist Chinese. Und die in Hello-Kitty-Manier schön den Mund hält und immer brav ein Schleifchen im Haar trägt.
Da kommt ihr alter Schulkollege Sean wie gerufen, um ein Bisserl Spannung in ihr Leben zu bringen. Und um ihr so manches Hindernis aus dem Weg zu räumen.
"Hello Kitty muss sterben" ist als Thriller nicht wirklich spannend, weil im Grunde bis zum Schluss niemand auf die Idee kommt, Fi oder Sean irgendeiner bösen Tat zu verdächtigen. Die Geschichte lebt viel mehr von den locker hingeworfenen zynisch-ironischen Betrachtungen der beiden, wie sie das Leben als solches sehen und ganz besonders das Leben als chinesischstämmige Frau in den USA, wo Traditionen höher gehalten werden als im alten Heimatland.
Wirklich stimmig fand ich den Schluss, der hätte einfach garnicht anders sein können.
Was mich unglaublich gestört hat, war, dass im Klappentext schon erwähnt wird, dass Sean Serienmörder ist. Wie schade! Der Leser hätte doch so viel mehr Spannung erlebt, wenn er gemeinsam mit Fi so schön langsam dahintergekommen wäre, was hinter der glatten Fassade des Chirurgen steckt, der Jungfernhäutchen rekonstruiert. Dass man dem Leser so einen Teil des Erlebnisses nimmt, kann ich eigentlich nicht verstehen.
Alles in allem war "Hello Kitty muss sterben" ein kurzweiliger Lesespaß ohne tiefgreifende Emotionen oder Erkentnisse. Einfach gute Unterhaltung, und das darf ja auch sein.

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