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Attentat

Ich bin voller Hass - und das liebe ich

Bild von Laura
Verfasst von yellow bookreader Laura am Mo, 25/07/2011 - 14:16
Inhaltsangabe

Joachim Gaertner erzählt die innere Geschichte des Attentats an der Columbine Highschool anhand von Originaldokumenten, Tagebüchern, Interneteinträgen, Verhörprotokollen und Aussagen von Beteiligten. Die Dramaturgie seiner literarischen Montage öffnet den Blick für das Ungeheuerliche einer Tat, die von den Tätern bis in kleinste Detail in der Fantasie, in literarischen Szenen, Tagebüchern, auf Internetseiten und in Videos ausgebildet wurde, bis sie schließlich katastrophale Realität wurde.

Meine Gedanken zum Buch:

Da mich das Thema „Amokläufe an Schulen“ noch immer sehr interessiert und ich ein Referat darüber gehalten habe und dabei näher auf den Amoklauf an der Columbine Highschool eingegangen bin, kam dieses Buch gerade richtig. Es gewährte mir einen vollständigen Einblick in die Gedanken von Eric Harris und Dylan Klebold und weißt eine große Verschiedenheit an Texten auf. Von Tagebucheinträgen bis hin zu Schulaufsätzen und Interviews mit ehemaligen Freunden ist alles dabei.
Auch wenn manche Inhalte des Buches sehr verstörend sind und ich gelegentlich leicht verwirrt war, habe ich dieses Buch als sehr interessant empfunden. Mein Wissen zu diesem Amoklauf hat sich um einiges erweitert und was ich schon wusste wie zum Beispiel die Vorgehensweiße von Schulamokläufern hat sich bestätigt.
Auch der Autor, der die einzelnen Texte sorgfältig geordnet und zu einem tollen Buch zusammengefügt hat, welches die Planung des Attentats, den Hass auf ihr Umfeld und die Intelligenz von Harris und Klebold zeigt, hat Lob verdient. In jedem Kapitel findet man Ordnung vor, was nicht so leicht gewesen sein dürfte, wenn man bedenkt, dass er sich durch 25.000 Seiten Ermittlungsakten gekämpft hat.
„Ich bin voller Hass – und das liebe ich“ ist ein sehr aufschlussreiches Buch, welches ich auch denen empfehlen würde, die sich bis jetzt noch nicht mit diesem Thema befasst haben.  

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Der Mann, der Hunde liebte

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mi, 20/04/2011 - 09:42
Inhaltsangabe

"Tötet ihn nicht! Dieser Mann muss reden", rief der schwer verwundete Trotzki seinen Leibwächtern zu, als sie sich auf den Mann stürzten, der ihn mit einem Eispickel niedergeschlagen hatte. Leonardo Padura bringt ihn zum Sprechen. Ein rätselhafter Mann, der mit seinen beiden Windhunden am Strand spazieren geht, erzählt dem kubanischen Schriftsteller Iván die Geschichte des Trotzki-Mörders Ramón Mercader. Doch woher kennt dieser Unbekannte all die Facetten aus Mercaders Leben? Leonardo Paduras vielschichtiger Roman führt uns an verschiedenste Schauplätze der Weltrevolution: ins Bürgerkriegsspanien, nach Moskau während der stalinistischen Schauprozesse, ins Mexiko Frida Kahlos und Diego Riveras, ins Prag von 1968, nach Kuba. In atemberaubender Prosa erweckt er die Protagonisten zu neuem Leben, zeigt sie in ihrer Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe zugunsten einer Ideologie und zieht die Bilanz der gescheiterten Utopien eines Jahrhunderts.

Meine Gedanken zum Buch:

Dass Leonardo Padura ausgezeichnet erzählen kann, weiß ich schon lange. Mit Begeisterung habe ich das "Havanna-Quartett" und seine zwei Folgebücher gelesen. Und mit der gleichen Begeisterung habe ich mich durch die 730 Seiten seines neuesten Meisterwerkes gekämpft, denn einfach war es nicht. Unzählige Orte, Namen, historische Fakten, mit denen ich mich bislang nur sehr marginal beschäftigt hatte. Ideologien, politische Ansichten und Konflikte, die viel Konzentration beim Lesen erfordern, aber das muss ja kein Nachteil sein.
 
Im Grunde besteht das Buch aus drei Handlungsfäden, die letztendlich in Havanna zusammenfinden. Einerseits lesen wir über Lew Dawidowitsch, der als Trotzki in die Geschichte einging, sein Leben im Exil, seine Liebe zu Hunden und seinen unerbitterlichen Einsatz für seine politischen Ideale zum Wohle Russlands und der Menschheit. Ein Ausgestoßener und Verbannter, Opfer der gnadenlosen Verfolgung und Diffamierung durch Stalin, den "Totengräber der Revolution", wie er von vielen genannt wird. 20 Milionen Tote gehen auf sein Konto, darunter unzählige Kampfgenossen Lenins, die Stalins persönlicher Machtgier im Wege standen.
Trotzki zieht mit seiner Familie durch die halbe Welt auf der Suche nach einem Ort, den er wieder "Heim" nennen kann, den er letztendlich ansatzweise in Mexiko findet, wo er von Diego Rivera und Frida Kahlo aufgenommen wird. Von Frida mit im wahrsten Sinne des Wortes mit offenen Armen...
Parallel dazu lesen wir über Ramón Mercader, der im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten kämpft und von seiner eigenen Mutter in die Arme der Stalinisten getrieben wird, wo ihm Ideale  eingetrichtert werden, von denen er oft nicht mehr weiß, ob sie seine eigenen sind. Geschickt schleicht er sich in Trotzkis Haushalt ein, unauffällig und schüchtern nähert er sich dem berühmten Mann und führt ihn letztendlich seinem Schicksal zu.
All dies erfährt der junge kubanische Schriftsteller von einem Mann, den er zufällig am Strand von Havanna trifft und der ihm über die Jahre alle Details dieser unglaublichen Geschichte zukommen lässt. Iván, der hautnah erlebt, wie Korruption, Angst und vor allem auch der Hunger schmecken, die eine fehlgeschlagene Utopie mit sich bringen, sammelt alle Puzzleteile und vereint sie, nach ausgieber Recherche zur Person Trotzkis, was in jenen Jahren in Kuba garnicht ungefährlich ist, zu einem einzigen großen Werk.
 
Eines verbindet alle Männer in diesem Buch: ihre Liebe zu Hunden.
 
Padura hat einen großen Roman geschrieben, in dem er geschickt mit den Emotionen des Lesers spielt. Wie kann es sonst sein, dass man plötzlich Mitleid mit einem Mörder empfindet? Täter, die zu Opfern werden, die ihr Leben an die falschen Ideale verschwendet haben und erst viel zu spät entdecken, wer ihr großes Idol in Wirklichkeit war. Die blind einer Propaganda folgen, die sie letztendlich auch nicht rettet, sondern jeden auf seine Weise ins Verderben treibt. Padura beschreibt mit der ihm eigenen Sensibilität und Objektivität nicht nur das Geschick einzelner Personen, sondern die Geschichte einer ganzen Generation, die bereit war, ihr Leben für die Ideale eines Kommunismus zu opfern, den es im Grunde nie gegeben hat.
 
Und ein kleiner Gag darf natürlich auch nicht fehlen, wenn Iván seinen "Freund und Artgenossen" Mario Conde erwähnt, die Hauptfigur aus dem "Havanna Quartett".
 
Wirklich lesenswert für alle, die sich für russische Geschichte interessieren - sicher ein Zuckerl für alle, die sich bereits damit auskennen und mit den vielen Namen auch etwas anfangen können.

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Simon Goldsteins Geburtstagsparty

Bild von Willcarlos
Verfasst von white bookreader Willcarlos am Mo, 02/08/2010 - 22:25
Inhaltsangabe

Alles beginnt mit einem Knalleffekt: Separatistische Terroristen haben eine Bombe gezündet. In einem fast zum Polizeistaat verkommenen Europa keine Seltenheit. Der geschockte Tourist aber, dem mitleidige Menschen helfen, ist in Wirklichkeit der Bombenleger. Ein Auftragskiller, ein von Wehwehchen geplagter Anti-Held, der für mächtige Hintermänner die Taten von Attentätern in die Wirklichkeit umsetzt, welche es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Die angeblichen Terroristen spielen im Netzwerk sensationsgeiler Medien eine ganz andere Rolle.
So wie fast jede Figur in diesem Roman doppeldeutige, doppelbödige Aufgaben und Ziele hat. Nichts ist so wie auf den ersten Blick vermutet. Verpflanzte Organe spielen ebenso eine wichtige Rolle wie der große, gefährliche Vulkan, der irgendann unter dem Yellowstone-Nationalpark ausbrechen wird. Der Präsident des zum Schrumpfkernland gewordenen Europas ist längst tot und durch ein Double vertauscht worden - ein Schauspieler herrscht über Europa.
Die Handkung nimmt manch überraschende Wendung, ehe am Schluß etewas sehr Seltenes steht: Ein Ausblick in eine bessere Welt.

Meine Gedanken zum Buch:

Der Roman geht anfangs ab wie ein Thriller. Dann mischen sich nachdenkliche Töne unter. Die aktionsreiche Handlung bekommt ernste Untertöne, immer wieder ironisch gebrochen. Plötzlich haben die vulkanischen Aktivitäten Nordamerikas etwas mit Zeitreisen und getürkten Nachrichten zu tun. Dabei gerät die spannende Handlung nie aus dem Blick. In einer Welt, die für eine gute Schlagzeile töten kann, läßt man halt die Schlagzeilen für sich arbeiten. Raffiniertes Konzept. Wer das Buch gelesen hat, wird fernseh-"News" mit ganz anderen Augen sehen.
 

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Die Masken von San Marco (Audiobook)

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 17/08/2009 - 11:51
Inhaltsangabe

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth werden zu einem Besuch in der Lagunenstadt erwartet. Da Franz Joseph die vom Parlament erzwungene Kürzung der Militärausgaben missbilligt, soll ein fingiertes Attentat für einen Stimmungsumschwung sorgen. Allerdings unterläuft bei der Auswahl des Attentäters ein verhängnisvoller Irrtum, denn der gedungene Schurke hat die Absicht, den Kaiser tatsächlich zu töten. Als Tron dieser Verschwörung auf die Spur kommt und den kaiserlichen Stab informiert, nimmt man ihn nicht ernst. Die einzige Person, die ihm in dieser ausweglosen Situation noch helfen kann, ist Kaiserin Elisabeth selbst ...

Meine Gedanken zum Buch:

Auch der 4. Teil der Commissario-Tron-Reihe zeichnet ein lebendiges Bild der Monarchie und der Lagunenstadt Venedig. Besonders reizvoll ist diese Geschichte natürlich schon deshalb, weil Kaiser Franz Josef und seine Elisabeth höchstpersönlich in Erscheinung treten. Ob die Kaiserin tatsächlich "Joschi" zu ihrem Mann gesagt hat, würde mich ja schon sehr interessieren :-)
Die Geschichte selbst ist wie immer durchaus spannend, vor allem weil der Leser ja von Anfang an weiß, wer hinter allem steckt. Interessant ist der Ausflug in die Welt der Hundekämpfe, wobei dieser auch ziemlich grausig ist. Dafür werden wir dann durch die humorvolle Beschreibung von "Spartakus" und seinem Herrchen entschädigt.
Auch die Fans von Tron und der Principessa kommen auf ihre Kosten, die beiden gehen auch in schwierigen Zeiten durch dick und dünn, wobei eine Hochzeit immer noch nicht in Sicht ist.
Einmal mehr liest Karl Menrad dermaßen herzerfrischend, dass man die verschiedenen Persönlichkeiten aus allen Teilen der Monarchie direkt vor sich sieht.

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