...so brauch ich Gewalt

Der Fall Ruth H. bewegt die Medien: Wiedereinmal hat eine Frau zum Messer gegriffen und einen verhaßten Mann um sein Symbol der Männlichkeit gebracht. Ist diese Ruth H. eine wahnsinnige Mörderin oder kastrierende Priesterin eines schrecklichen Kults? Zerstörerin familiären Glücks und personifizierte Rachsucht? Oder ist sie Opfer von Lebensumständen, die sie weder gewählt hat noch je beinflussen konnte?

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein aussergewöhnlich spannendes Buch, weil es mitten aus dem Leben ist. Die Geschichte von Ruth H. wird aus vielen Seiten, von verschiedenen Mitmenschen betrachten. Auch Ruth beschreibt ihr Leben, ihre Situation aus ihrer Sicht. Das ist gerade das Spannendste an dem Buch, dass viele Personen ein Leben so unterschiedlich sehen. Lebensumstände, die nicht zu ändern, sind, bringen Menschen in Situationen, die fast unerträglich sind. Sehr zu empfehlen, geht unter die Haut, sehr interessant zu lesen. Ich hab viel darüber nachgedacht. Wird sicher nicht das letzte Buch sein, dass ich von ihr lesen werde!

Und wenn sie ab und zu ins Kaffeehaus gehen will, tratschen mit Freundinnen, mein Gott, soll sies halt tun! Frauen brauchen sowas anscheinend, sonst drehen sie durch.

Seitenangabe für Zitat1: 
25

"Mutter sprang mit Kindern vom Dach"

Seitenangabe für Zitat2: 
27

Ich brauch ja nicht gar so viel, nur aus der Siedlung möcht ich gern weg. Nur ein ganz kleines Häuschen mit Garten, wenn ich einen Garten haben könnt!

Seitenangabe für Zitat3: 
117
Verlag: 
Aarachne Verlag Wien
Auflage: 
-
ISBN: 
3-85255-012-2

Kommentare

Ja, es ist wirklich unglaublich realistisch. Spannend sind vor allem die Sichtweisen. Bist schon so weit, wo ihr Ehemann die Situation beschreibt? Krass wird dann ihre Sicht der Dinge...wenn man das dann vergleicht, das ist dann so richtig "arg".

Dieses Buch lässt einen nicht kalt. Es ist so wie du sagst - die Geschichte bringt einem zum Nachdenken. Wie oberflächlich wird Ruth beurteilt! Nach ihrem Äußeren, nach ihrer Art, wie sie ihre Kinder behandelt. Und dann Ruths Sicht der Dinge, in welchen Verhältnissen sie aufgewachsen ist, was sie sich von ihrem Leben wünscht, für sich, für ihre Kinder.
Was hältst du von der Reaktion ihres Mannes auf die Fehlgeburt und die Reaktion ihrer Schwiegermutter auf den Tod Karlis?  Ein krasses Buch.

Die Reaktionen des eigenen Mannes, mit dem man ja eigentlich miteinander lebt, ist für mich ein richtiger Schock gewesen. So nach dem Motto, vielleicht eh besser, dass sie vergewaltigt wurde, dadurch das Kind verloren hat, denn dann wird sie nicht so "fett" und kann arbeiten gehen, kommt a bisserl raus. (Bringt auch noch etwas Geld heim. Der Ehemann nimmt auch noch die Kaffeehaus-Besuche in Kauf...)
Die Schwiegereltern sind ja auch ein Kapitel für sich. Der Vater der nix redet, und sich von der Frau kommandieren lässt. Die Schwiegermutter, die dann doch noch den rettenden Engel spielen möchte, und die Tochter von Ruth aufnimmt. Die Reaktion auf den Tod von Karli, hab ich jetzt nicht so abrufbar, aber ich denke, es war der Schwiegermutter nicht so "schade" um ihn.

Schlimm ist irgendwie, dass es vielleicht wirklich solche schicksalshaften Gefüge gibt. Wo Eheleute keine Ahnung von Ihrem Partner haben, wo soziale Kompetenz nicht vermittelt wird. Wahrscheinlich gibt es mehr dieser "Familien" als ich mit meinem doch etwas romantischen Weltbild vereinen könnte.

Für die Schwiegermutter war es nur wichtig, dass ihr Sohn in einer neuen Beziehung mit neuen Kindern, mit einer neuen Familie ein für die Außenwelt zufriedenstellendes Leben führt und dass der "Lebensabschnitt" Ruth vergessen wird. Kurz überlegt Karl, dass er zu Ruth steht und sie unterstützt, doch leider...