ruhm

ruhm_0.jpgEin Schriftsteller mit der unheilvollen Neigung, Menschen, die ihm nahestehen, zu Literatur zu machen, ein verwirrter Internetblogger, ein Abteilungsleiter mit Doppelleben, ein berühmter Schauspieler, der lieber unbekannt wäre, eine alte Dame auf der Reise in den Tod: Ihre Wege kreuzen sich in einem Geflecht von Episoden zwischen Wirklichkeit und Schein. Ein Spiegelkabinett voll unvorhersehbarer Wendungen - komisch, tiefgründig und elegant erzählt vom Autor der "Vermessung der Welt".

Meine Gedanken zum Buch: 

Ich habe mich bei deisem Buch köstlich amüsiert und oft laut aufgelacht. Herr Kehlmann versteht es mit teils schnörkellosen Sätzen exakt den Punkt zu treffen. Einige Sätze las ich gerne mehrmals, da die Bilder im Kopf sich so wunderbar zusammenfügten. Wie Zahnräder die sich nur an einem kleinen Punkt berühren, werden hier zart gewebte neun Geschichten miteinander verwoben. Wie im wirklichen Leben gibt es (natürlich!) mehrere erzählwürdige Geschichten, die nur durch ein Buch in einen Rahmen gebracht werden. Für mich war das eine Erleuchtung, so zart mit extremen Geschichten umzugehen und es erscheint ein "normaler" Handlungsstrang eines "normalen erzählenden Buches" nunmehr direkt unrealistisch.
Absolute Empfehlung.

Dazu kommt, daß ich eigentlich nicht die Art von Schriftsteller bin, bei dem die Fakten stimmen.

Seitenangabe für Zitat1: 
53

Draußen auf dem Bahnsteig greint ein Kind, daneben glotzt die Mutter, als wäre sie in einen Kothaufen getreten.

Seitenangabe für Zitat2: 
67

Ein kleiner Mann gab die Schlüssel aus. Maria war die letzte, und als sie an der Reihe war, war keiner mehr übrig. Jemand hatte sich verzählt. Das Hotel war voll.

Seitenangabe für Zitat3: 
104
Verlag: 
rowohlt
Auflage: 
2.
ISBN: 
9783498035433

Kommentare

Gestern stand in der Kleinen Zeitung:
Daniel Kehlmann ist mit seinem Buch "Ruhm" für den Preis der Leipziger Buchmesse 2009 nominiert. Weiters: Wilhelm Genazino mit "Das Glück in glücksfernen Zeiten".
 
lg, Gabi

Ruhm - der Unscheinbare wünscht ihn sich - sucht nach Anerkennung und der, der ihn bereits hat, würde ihn am liebsten wieder los werden
Tolles Buch - Humbot und Gauß  na ja - aber mit diesem Roman hat mich Kehlmann voll überzeugt. Bin eigentlich kein Fan von Kurzgeschichten, aber wie er hier die einzelnen Episoden zu einem Ganzen verschmelzen lässt find ich einfacht genial. Nur eines ist mir nicht ganz klar - wie passt Miguel Auristos Blancos (Antwort an die Äbtissin) in diesen im großen und ganzen doch zusammenhängenden Roman?? Ist mir da was entgangen?
Besonder ulkig fand ich ja die Person des Computerfreaks - irrwitzige Sprache - zuerst ein bisschen seltsam beim Lesen aber dann sehr erheiternd

Nächster Morgen: Aufwachen. Immer noch kein Glück mit der Wanne, viel zu schmal. Ging runter in den Frühstücks-Raum. Machte leider den Mistake, drei Teller zugleich, einer rechts, einer links, einer in der Mitte balanciert und klar, exakt genau der fiel runter: Rührei auf dem Boden, Speckzeug, zwei Semmeln, alles jetzt Müllmist. Leo saß ganz am Rand, allein. Ich natürlich zu ihm und: "Gut geschlafen, hombre?"

Ich kann "Ruhm" mit einem einzigen Wort beschreiben: "WELTLITERATUR".
Dieses Buch regte mich zum Nachdenken an, ich musste herzhaft lachen, bekam Gänsehaut und mir wurde auch mulmig.

Alle Macht dem Erzähler. Es liegt in seiner Hand, was geschieht. Was ist real, was ist erfunden? Kann der Erzähler in seiner Geschichte auftauchen, kann er aus realen Personen Romanfiguren machen? Und natürlich: Es muss in der Geschichte etwas passieren, sonst würde sie nicht erzählt werden. Deshalb begegnen wir den Personen am Wendepunkt ihres Lebens.
 
S. 203 "Allerdings, wenn dies eine Geschichte war, so würde etwas passieren und es würde schwer werden, und wenn es nicht schwer werden würde, dann war es keine Geschichte."
 
Ist doch logisch!
 

einige neue Lieblingszitate:
 
S 102:
Als sie weiterfuhren, kam es Maria vor, als ob sie noch stünden.
 
S 140:
Ich weiß, bin zu busy, zu viel Work und Alltag aber große Thoughts erkenn ich, wenn ich sie sehe.
 
S 187:
"Ist das überhaupt ihr Auto?"
"Sollte das tatsächlich eine dringliche Sorge von Ihnen sein?"
 
manche Bücher sollte man wirklich öfters lesen
schreibt Reinhard XING

Zitat S 140 - der Computer Freak ist wirklich der Hammer. Extrem schräg und witzig. Mit ihm durfte ich einige Male herzhaft Lachen

Auf Seite 201 findet sich meiner Meinung nach der Schlüssel zum Buch (ich zitiere):
 
"Wir sind immer in Geschichten." Er zog an der Zigarette, der Glutpunkt leuchtet rot auf, dann senkte er sie und blies Rauch in die warme Luft. "Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt" <Zitat Ende>
 
Also, in Wirklichkeit jeder mit jedem mehr oder weniger und gleichzeitig meistens, aber unser Verstand ist zu seriell um das alles parallel zu fassen, deshalb die Sache mit den Büchern, und dort nacheinander, damit wengistens der eine oder andere was kapiert!