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Belletristik

Klein und Wagner

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Verfasst von  Sylli am So, 05/02/2012 - 14:32
Inhaltsangabe

Der biedere Beamte und treusorgende Familienvater Friedrich Klein ist mit gefälschten Papieren und unterschlagenem Geld auf der Flucht. In Italien lebt er, verfolgt von den Gedanken an sein Verbrechen in einem fortwährenden Albtraum aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Daran ändern auch verschiedene Geselligkeiten, die Klein aufsucht und seine Bekanntschaft mit der Tänzerin Teresina nichts. Gefangen in seiner eigenen Welt, treibt er dem Untergang entgegen.

Meine Gedanken zum Buch:

Worin die schwere Schuld besteht, die Friedrich Klein auf sich geladen haben soll, kommt nicht klar zur Sprache. Ob er seine Familie nach einer kriminellen Amtshandlung einfach verlassen oder eine Bluttat begangen hat, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Der Bezug zum zweiten Titelhelden, dem Mörder Wagner, der aber nur als Zeitungsnotiz in Erscheinung tritt, und die Unfähigkeit Kleins, sein seelisches Gleichgewicht einigermaßen wiederzufinden, ließen mich letzteres vermuten, obwohl auch ein imaginäres Verbrechen nicht auszuschließen ist.
Die sprachliche Ausdruckskraft, die in ihrer Dichte ihresgleichen sucht, und den Leser genausowenig wie den Protagonisten zur Ruhe kommen läßt, hat mich sehr beeindruckt. Dabei spielte das Schicksal des Friedrich Klein für mich fast schon eine untergeordnete Rolle, so stark drängen Hesses Gedanken zum letzten Sinn und Lebensziel in den Vordergrund. Und zu guter letzt wollte der Autor seinem Lesepublikum wohl seine eigene, in schweren inneren Kämpfen errungene Lebensweisheit offenbaren. Die Quintessenz aller Überlegungen findet sich für mich in einem Satz, den ich als Zitat angeführt habe.
Sicher serviert der Meister mit diesem Büchlein keine leichte Kost, aber eine, die der Seele Nahrung gibt und viel Stoff zum Nachdenken bietet.

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Roßhalde

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Verfasst von  Sylli am So, 05/02/2012 - 14:05
Inhaltsangabe

Der Maler Johann Veraguth und seine Frau Adele haben sich während langer Ehejahre entfremdet und leben nur noch wegen ihres jüngsten Sohnes Pierre gemeinsam auf Roßhalde.
Auf Drängen eines Freundes will der Künstler seine Familie schließlich doch für immer verlassen, um wieder ein freies Leben führen zu können. Er schmiedet bereits Reisepläne, als Pierre schwer erkrankt.

Meine Gedanken zum Buch:

Anfangs hat mir das Buch nicht sonderlich gefallen, vor allem war mir nicht klar, warum die Eheleute so unglücklich miteinander sind. Johann Veraguth scheint recht umgänglich zu sein, ist außerdem als Maler sehr erfolgreich und die Familie könnte ein sorgenfreies und unbeschwertes Leben führen.
Doch bald hatte mich Hesses wunderschöne Sprache völlig in ihren Bann gezogen. Die Gefühlswelt des Malers, der mit seiner strengen und schwerfälligen Ehefrau nicht die richtige Lebenspartnerin gefunden hatte, aber auch die tiefe Liebe zu Pierre und das schlechte Verhältnis zum ältesten Sohn hat Hesse höchst eindringlich beschrieben. Er erzählt aber auch aus Pierres Perspektive so anschaulich, dass man ihm mühelos in seine Kinderwelt folgen und in ganz ungewohner Weise an den Empfindungen und Erlebnissen des sensiblen Knaben teilhaben kann.
Gegen Ende der Geschichte, als bereits der Tod die Hand nach Pierre ausstreckt, bin ich den Worten des Meisters, die den Leser mitten ins Herz treffen, schließlich so fasziniert gefolgt, als hinge das Überleben des Kindes allein von meinem Lesetempo ab.
Mein Fazit: Nach einem etwas schleppenden Anfang, von dem man sich keinesfalls vom Weiterlesen abhalten lassen sollte, entfaltet der Roman erst im Laufe der Ereignisse seine Wirkung und ist wohl zu den schönsten Dichtungen Hesses zu zählen.

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Gertrud

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Verfasst von  Sylli am So, 05/02/2012 - 13:23
Inhaltsangabe

Der Ich-Erzähler Kuhn (dessen Vornamen der Leser nicht erfährt) ist ein mittelmäßiger Geiger und Opernkomponist. Durch einen Unfall in der Jugend leidet er zudem an einer leichten Gehbehinderung und findet durch sein zurückhaltendes und schüchternes Wesen auch nur wenig Anklang beim weiblichen Geschlecht. Seine tiefe Zuneigung zur schönen Gertrud Imthor bleibt - wie nicht anders zu erwarten - ebenfalls unerwidert, da sie, wie so viele Frauen vor ihr, dem Charme von Kuhns Freund, dem Opernsänger Heinrich Muoth, erliegt.
Dass dies alles kein gutes Ende nimmt, ist vorhersehbar. Es ist aber auch weniger das in der Literatur wohl schon unzählige Male abgehandelte Thema das Besondere an der kurzen Geschichte, sondern die Art und Weise wie Hesse sie zu erzählen versteht.

Meine Gedanken zum Buch:

Bei mir hat Hesse in diesem Fall als Meister der detailgetreuen Darstellung verschiedener Szenen gepunktet, die man nicht nur bildhaft vor sich sieht, sondern denen man auch ein spezielles Gefühl zuzuordnen vermag, so als hätte man sie selber erlebt. So etwa das Gefühl von Freude und Wärme bei der Heimkehr nach langer Abwesenheit oder die sich einstellende Entspannung beim unbeschwerten Festmahl mit Freunden, aber auch die Mutlosigkeit über ausbleibende Erfolge oder eine unerwiderte Liebe.
Diese Begabung Hesses, mit wenigen Worten lebhafte Bilder vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen und ihn in die momentane Gefühlswelt seiner Figuren mitzunehmen, hat ihn zu einem meiner liebsten Schriftsteller werden lassen. 
Wofür auch dieses kleine feine Bändchen Zeugnis ablegt.

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Die Stimmen von Marrakesch

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Verfasst von  Sylli am Do, 02/02/2012 - 19:56
Inhaltsangabe

Der Autor reist in der 50iger Jahren des 20. Jahrhunderts auf Einladung eines Freundes mit einem Filmteam nach Marrakesch. Da er selbst mit den Aufnahmen nichts zu tun hat, bleibt ihm viel Zeit die fremde Kultur zu erkunden.
Er besucht Viehmärkte und Basare, und es dauert eine Weile, bis er herausgefunden hat, was es mit den Rufen der blinden Bettler auf sich hat, oder was das Herumkauen des Marabu, eines heiligen Mannes, auf den gespendeten Münzen für den Geber bedeutet. Bei seinen Streifzügen trifft er auf Bettler, Geisteskranke und Huren. Er lernt die Bedeutung der Hausdächer für Frauen kennen, berichtet, wie Kunden mit Brotlaiben verfahren, ehe sie sich zum Kauf entschließen und taucht in die laute Welt der Erzähler und in die leise Welt der Schreiber ein.

Meine Gedanken zum Buch:

Mich hat das schmale Bändchen mit zwiespältigen Gefühlen zurückgelassen. Stilistisch hat es mich sehr angesprochen, vom Inhalt her konnte es mich jedoch nicht richtig begeistern. Sicher war die fremde Welt von Marrakesch für den Reisenden eine interessante, aber für meinen Geschmack war sie doch zu sehr mit Figuren aus dem Randbereich der Gesellschaft bevölkert. Es waren eindeutig zu viele der Bettler, Krüppel und Geisteskranken, und was die hygienschen Verhältnisse betrifft, so wäre mir fast lieber gewesen, Canetti hätte sie seinen Lesern nicht gar so detailiert und bildhaft vor Augen geführt. Als Tierfreundin hätte ich auch ganz gut auf die erste der vierzehn kurzen Geschichten mit dem Titel "Begegnungen mit Kamelen" verzichten können.
Literarische Reisebeschreibungen mag ich immer gerne, hätte sie mir von Canetti aber in einer anderen Form erwartet.

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Afrikanische Tragödie

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Verfasst von  Sylli am Di, 31/01/2012 - 20:55
Inhaltsangabe

Die weiße Farmersfrau Mary Turner wird von ihrem schwarzen Hausdiener Moses ermordet. Der Täter versucht nicht einmal zu fliehen, sondern wartet geduldig auf die Polizei.
Erst im Rückblick kommt die ganze Tragik der Geschichte, die in den 30iger und 40iger Jahren des 20. Jahrhunderts in Rhodesien spielt, an den Tag.
Mary hatte vor ihrer Heirat eine gutbezahlte Stelle als Sekretärin und führt ein selbstbestimmtes Leben. Mit etwa 30 Jahren glaubt sie, verunsichert durch die Bemerkungen einiger ihrer Freundinnen, unbedingt heiraten zu müssen, und so nimmt sie den erstbesten Interessenten zum Ehemann. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Dick Turner lebt in äußerst tristen häuslichen Verhältnissen und kann seinem Land trotz ununterbrochener Arbeit kaum das Nötigste zum Leben abringen.
Mary dagegen hat keine rechte Beschäftigung und kann auch mit ihrem schwarzen Hauspersonal nicht umgehen. Ihre eigene Unzufriedenheit läßt sie nörglerisch und ungerecht gegen die Eingeborenen werden.
Als auch der Versuch, in ihr früheres Leben zurückzukehren, scheitert, verfällt Mary in eine schwere Depression.

Meine Gedanken zum Buch:

Der 1950 erschienene Roman von Doris Lessing hat wohl bis zum heutigen Tage nichts von seiner Faszination verloren. Mit bewundernswertem psychologischem Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin den psychischen und physischen Verfall einer Frau, die ihre Unabhängigkeit aufgibt, um den gesellschaftlichen Konventionen Genüge zu leisten.
Und auch sprachlich paßt sich Doris Lessing ihrer Geschichte perfekt an. Aus jedem Satz spricht die jeweilige Stimmungslage der Protagonisten, Marys Verdrossenheit, resultierend aus Einsamkeit und Langeweile, Dicks Hilflosigkeit als Farmer und Geschäftsmann oder der Unwille und die gleichzeitige Unterwürfigkeit der schwarzen Arbeiter. Selten hat ein Roman meine eigene Stimmungslage so beeinflußt wie dieses grandiose Werk.
Das Verhältnis Marys zu Moses ist nicht ganz einfach zu durchschauen, aber ich denke, dass jeder Leser hier seine eigene Interpretation finden wird. Jedenfalls ist die Spannung gegen Ende fast unerträglich, und das, obwohl der Leser über den Ausgang der Geschichte von Anfang an Bescheid weiß. Wie armselig erscheinen dagegen die krampfhaften Versuche so mancher moderner Krimiautoren, den Leser bei Laune zu halten.
Und umso erstaunlicher, dass diese Autorin den Nobelpreis erst 2007 erhielt.

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Das Hotel New Hampshire

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Verfasst von  Sylli am So, 29/01/2012 - 15:57
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Win Berry gibt seinen Beruf als Lehrer schon in jungen Jahren wieder auf, um sich seinen Traum vom eigenen Hotel zu erfüllen. In einer aufgelassenen Schule errichtet er das 1. Hotel New Hampshire.
Einige Jahre später wandert er auf Einladung seines Freundes Freud nach Wien aus, um hier mit ihm gemeinsam das 2. Hotel New Hampshire zu betreiben, in dem auch ein Bordell und das Büro einer radikalen Gruppierung untergebracht sind. Deren Mitglieder planen einen Anschlag auf die Wiener Oper, doch dieser wird unter tatkräftiger Mithilfe der Familie Berry vereitelt. Allerdings verliert Vater Win dabei nicht nur seinen Freund Freud, sondern auch sein Augenlicht. Nun hat er nur noch einen Wunsch; in die Heimat zurückzukehren, und es dort mit einem 3. und letzten Hotel New Hampshire zu versuchen.

Meine Gedanken zum Buch:

John Irving gehört wohl zu den Autoren, deren Stil man mögen muss, um dem Lesen etwas abgewinnen zu können. Ich konnte mich mit diesem Roman überhaupt nicht anfreunden, weder mit der - besonders am Anfang vorherrschenden - pubertären Fäkalsprache, noch mit dem mehr als eigenartigen Inhalt. Von brutalsten Prügeleien bis zu Vergewaltigung, Inzest und Selbstmord führt Irving alles im Repertoire, und doch hatte ich stets das Gefühl, dass er auch so dramatische Ereignisse immer irgendwie ins Lächerliche zieht. Sollte dies seine Art sein, sich mit Katastrophen auseinanderzusetzen, verstehe ich sie nicht, genausowenig wie seinen seltsamen Humor. Und auch seine Angewohnheit, Sätze, die er selber anscheinend genial findet, des öfteren zu wiederholen, hat mich nur genervt.
Aus all diesen Gründen hat es mich auch einiges an Überwindung gekostet, das Buch nicht vorzeitig abzubrechen. Nach einem weiteren Irving'schen Werk gelüstet es mich nach dieser Leseerfahrung jedenfalls nicht.

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Palast der Erinnerungen

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Verfasst von  Sylli am So, 29/01/2012 - 14:52
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Marina arbeitet als Museumsführerin in der Eremitage, als der 2. Weltkrieg ihre wohlgeordnete Welt ins Wanken bringt. Die wertvollen Gemälde und Kunstgegenstände müssen verpackt und in Sicherheit gebracht werden; zurück bleiben leere Räume und leere Rahmen. Marina fällt der Abschied von den geliebten Bildern, die sie täglich einem staunenden Publikum präsentieren durfte, fast genauso schwer wie von ihrem Verlobten Dmitri, der in den Krieg ziehen musste. Als die Welt um Marina langsam in Schutt und Asche zerfällt, gibt ihr eine ältere Kollegin den Rat, sich mit den verschwundenen Bildern einen "Palast der Erinnerungen" zu bauen. An diesem fiktiven Rückzugsort überlebt Marina die Schrecken der Zeit.

Meine Gedanken zum Buch:

Das Schicksal der jungen Marina ist aber nur ein Teil der Geschichte. Parallel dazu erzählt die Autorin von der alten Frau, die langsam an Alzheimer erkrankt, liebevoll betreut von ihrem Ehemann Dmitri. Immer mehr verschmelzen für Marina die Erinnerungen an die Kriegszeit mit ihrem Alltag, und oft kann sie nur mehr mit Mühe zwischen Gegenwärtigem und Vergangenem unterscheiden. 
Gerade diese Passagen sind der Autorin bemerkenswert gut geglückt, aber es ist insgesamt eine wunderschön erzählte Geschichte, die von einem einfachen und dennoch tragischen Leben erzählt, wie es stellvertretend für viele Schicksale aus dieser Zeit stehen könnte. Und der Versuch, dem Alltag inmitten des Grauens einen Anstrich von Normalität zu geben.
Genauso sensibel wie die Geschichte ist auch die Sprache. Ein berührender Roman, der vom Anfang bis zum Ende einfach nur schön zu lesen ist.

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Die Pfeiler des Glaubens

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Verfasst von  Sylli am So, 29/01/2012 - 13:53
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Mit diesem Roman entführt der Autor seine Leser nach Spanien in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und erzählt vom Aufstand der Morisken gegen ihre christlichen Unterdrücker im Jahre 1568 bis hin zu ihrer endgültigen Vertreibung in den Jahren 1609/10.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hernando, ein muslimischer Maultiertreiber, Sohn einer Moriskin, hervorgegangen aus der Vergewaltigung seiner Mutter durch einen katholischen Priester. Entsprechend schlecht wird Hernando auch von seinem Stiefvater Ibrahim behandelt. Doch bald werden persönliche Fehden vom Lauf der historischen Ereignisse relativiert.
Aus dem Aufstand der Morisken ist ein blutiger Glaubenskrieg geworden. Als die erhoffte Hilfe weder von den Türken, noch aus den Barbareskenstaaten eintrifft, erleiden die Muslime eine verheerende Niederlage, die schließlich zu ihrer dauerhaften Vertreibung aus dem Land führt, das acht Jahrhunderte lang ihre Heimat war.
Hernando bleibt der islamischen Religion im geheimen zwar immer treu, doch entdeckt er bei seiner Arbeit für das Domkapitel in Cordoba auch viele Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam. Eine Aussöhnung der beiden bis aufs Blut verfeindeten Religionen, die ein friedliches Zusammenleben ermöglichen soll, wird zu Hernandos Lebensaufgabe, für die er viele Risiken auf sich nimmt und viele Opfer erbringt.

Meine Gedanken zum Buch:

Ildefonso Falcones schlägt mit seinem Buch ein düsteres Kapitel der spanischen Geschichte auf, wobei er beeindruckende Recherchearbeit leistet und seine fiktiven Figuren gekonnt in das historische Geschehen einbettet. Und doch konnte mich der Roman nicht überzeugen. 
Auf den ersten 200 Seiten hat mich die äußerst detailierte Schilderung sämtlicher Gräueltaten genervt, die sich die Christen und die Muslime gegenseitig antaten, während mich Hernandos Schicksal nie richtig in seinen Bann zu ziehen vermochte. Sein wechselhaftes Leben voller Höhen und Tiefen fand ich einigermaßen konstruiert, zum Mitfiebern jedenfalls denkbar ungeeignet. Und auch in seiner Vermittlerrolle zwischen Islam und Christentum war mir der einstige Maultiertreiber zu unglaubwürdig, eben eine richtige Kunstfigur ohne Saft und Kraft.
Stilistisch gesehen ist der Roman meiner Meinung nach zwar kein Meisterwerk, aber durchaus gut lesbar, und so fand ich es besonders schade, dass ihm das gewisse Etwas fehlte. Wie tragisch die Ereignisse auch immer gewesen sein mögen, konnte ich doch keinen rechten Anteil daran nehmen. Es hat mir sogar einiges an Lesedisziplin abverlangt, um ans Ende der rund 900 Seiten zu gelangen.

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Wiedersehen in Howards End

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Verfasst von  Sylli am Sa, 28/01/2012 - 18:16
Inhaltsangabe

Zwei Familien stehen im Mittelpunkt der Handlung, die Geschwister Margaret und Helen Schlegel und die Wilcox, bestehend aus Henry, einem erfolgreichen Geschäftsmann, seiner Frau Ruth, den Söhnen Charles und Paul, sowie einer Tochter. Aus einer zufälligen Reisebekanntschaft entwickwelt sich eine flüchtige Romanze zwischen Paul und Helen, die aber ein baldiges Ende findet. Zwischen Margaret und Ruth bleiben aber bis zu Ruths Tod zarte freundschaftliche Bande bestehen. Danach vergehen zwei Jahre, ehe Henry Wilcox um Margaret zu werben beginnt, und sie schließlich auch gegen den Willen seiner Kinder zur Ehefrau nimmt.
Eine weitere zufällige Bekanntschaft der Schwestern Schlegel ist der Versicherungsangestellte Len Bast, der in den dramatisch sich entwickelnden Ereignissen ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Auf Anraten von Henry Wilcox gibt er seine bisherige Arbeit auf und verliert bald darauf auch seine neue Anstellung. Für diese Verschlechterung seiner Lebensverhältnisse fühlt sich vor allem Helen Schlegel verantwortlich.
Nach der Verheiratung ihrer Schwester Margaret verbringt Helen einige Monate im Ausland. Als sie nach der Rückkehr ihre Schwangerschaft nicht länger verbergen kann, ist das Entsetzen groß, vor allem auch deshalb, weil sie den Namen des Verführers - wie es im Roman so schön heißt - nicht nennen will.
Doch sollte dieses Ereignis noch nicht der Höhepunkt der dramatischen Geschehnisse sein, die die Familienmitglieder letztlich in Howards End, dem Erbe der verstorbenen Ruth Wilcox, zusammenführen wird.

Meine Gedanken zum Buch:

Der Inhalt klingt ja sogar einigermaßen spannend, doch war es die Geschichte aus meiner Sicht leider überhaupt nicht. Hier fehlte mir alles, was einen guten Roman ausmacht. Durch die großteils wirklich sehr dümmlichen Dialoge der Schwestern Schlegel und ihrer eigenartigen "philosophischen Betrachtungen" wirkte das Geschehen auf mich sehr unrealistisch und gespreitzt.
Mir fehlte aber weniger der Bezug zur Realität, als vielmehr ein fließender Stil, ein Rhythmus der Sprache, der mich - trotz der Handlung - hätte mitreißen können. So hatte ich meist das Gefühl einer mittelmäßigen Theateraufführung beizuwohnen, wobei mich die Landschaftsschilderungen wiederum nur an Theaterkulissen erinnerten.
Mein Fazit: ein langweiliger Roman mit Problemen, die auf mich übertrieben wirkten (selbst wenn man berücksichtigt, dass das Buch erstmals 1910 veröffentlicht wurde). Das literarische Personal war mir zu blutleer und zu phrasenreich und die Geschichte keine, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Wüstensand und Sternenzelt

Bild von biosigerlmeyer
Verfasst von grey bookreader biosigerlmeyer am Fr, 27/01/2012 - 09:47
Inhaltsangabe

Als Patricia Holton einen Sommer lang zwei junge arabische Männer in ihre Familie aufnahm, begann für sie die Faszination durch die arabische Welt. Sie besuchte die Großfamilie in den Vereinigten Arabischen Emiraten, lernte die Scheicha und die anderen Frauen der Familie - den Harem - kennen, nahm an den Familienfesten teil, genoß den Zauber der Wüste und die Herzlichkeit ihrer "arabischen Familie".

Meine Gedanken zum Buch:

Ein humorvoller Einblick in die arabische Seele der 70er Jahre, als die Beziehungen zum Westen noch unbelastet waren und von gegenseitiger Wertschätzung, das Leben einer arabischen Scheichs-Familie noch recht traditionell war. Man merkt, dass es der Autorin wichtig ist, diese ganz andere Welt mit ihren Sippen, verschleierten Frauen und ganz anderen Werten und Gewohnheiten, dem Leser näherzubringen, ihn an ihren fast ausschließlich positiven Erlebnissen teilhaben zu lassen.
Ich bewundere sie, wie sie so ganz ohne Vorurteile die beiden jungen Burschen in ihr Haus in London aufnimmt. Sie will ihnen aber nie den westlichen Lebensstil überstülpen, sondern bewahrt immer den Respekt, vor ihrer Kultur. Auch bei ihren Besuchen in der Wüste, fügt sie sich als Gast in die örtlichen Gewohnheiten und wird ein wenig in die große Familie des Scheichs aufgenommen.
 

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