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Italien

Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 16/01/2012 - 11:55
Inhaltsangabe

Giorgio ist in jeder Hinsicht perfekt: er ist ein mustergültiger Sohn und ein strebsamer Jura-Student, er hat eine nette Freundin und ganz konkrete Vorstellungen davon, wie sein Leben einmal aussehen soll. Als er eines Abends jedoch auf den charismatischen Francesco trifft, einen ebenso undurchschaubaren wie charmanten Nichtstuer, fällt er gleichsam aus seiner kleinen Welt. Denn Francesco übt eine fatale Faszination auf Giorgio aus, der seinerseits alles dafür tun würde, damit etwas von Francescos Glanz auf ihn fällt. Und so gerät der unerfahrene Giorgio immer tiefer in den Sog der zwielichtigen Welt seines neuen Freundes: Bei konspirativen nächtlichen Treffen lernt er nicht nur das illegale Glücksspiel kennen und lieben, sondern auch alle Tricks der Falschspieler. Ohne lange nachzudenken wirft Giorgio all seine Pläne und Vorhaben über Bord, um in Francescos Welt Karriere zu machen …

Meine Gedanken zum Buch:

Einmal mehr hat mich dieser Autor von seiner Schreibkunst überzeugt. Die Art, wie er die Geschichte von Girogio erzählt, der wie Wachs in den Händen des Kleinkriminellen Francesco vom Musterstudenten zum Taugenichts wird, ist schon faszinierend. Schritt für Schritt verfolgen wir den zunehmenden Verfall, die Hilflosigkeit und Hörigkeit von Girogio, den wir am liebsten an den Schultern packen und laut anschreien würden, er solle doch endlich aufwachen und erkennen, auf welche Schiene er abgedriftet ist.
Wie in allen Romanen Carofiglios ist die Stadt Bari ein fester Bestandteil der Handlung, ihre dunkelsten Ecken, ihre Verwandlung über die Jahre. Für mich oft ein Spaziergang durch bekannte Gassen und Straßen, vorbei an den beeindruckenden Gebäuden aus den verschiedensten Epochen.
Anfangs verwirrend aber sehr berührend ist die parallele Schilderung des Tenente Chiti, der letztendlich eine entscheidende Rolle in Giorgios Geschichte spielen wird.
 
Alles in allem ein wunderbarer Roman mit überzeugenden Figuren, die einen menschlich berühren und einer durchaus spannenden Handlung. Ein Muss für alle Fans des Autors und solche, die es vielleicht noch werden wollen!

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In ihrer dunkelsten Stunde

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mi, 30/11/2011 - 14:10
Inhaltsangabe

Eine ungewöhnliche Aufgabe für Avvocato Guido Guerrieri: Manuela, eine Studentin aus Rom, ist spurlos verschwunden, und der Polizei fehlt jeglicher Hinweis. Nun soll die Akte geschlossen werden – doch die verzweifelten Eltern bitten Guerrieri, dies zu verhindern. Schnell wird klar, dass er hier weniger juristisch nach einem Formfehler zu suchen hat, als vielmehr nach einer Möglichkeit, das unerklärte Verschwinden der jungen Frau doch noch aufzuklären und seinen Auftraggebern Gewissheit über das Schicksal ihrer Tochter zu verschaffen.
Und je mehr Guerrieri nachforscht, desto deutlicher wird, dass all jene, die Manuela gut kannten, mehr wissen, als sie sagen – und mit allen Mitteln versuchen, die grausame Wahrheit zu verbergen …

Meine Gedanken zum Buch:

Endlich der lang ersehnte 4. Teil der Guido-Guerrieri-Reihe! Und, wie erwartet, lässt auch dieses Buch nichts zu wünschen übrig. Natürlich nur, wenn man sich für den Protagonisten und seine Umgebung interessiert, für seine Kindheit in Bari, für die Menschen dort, das dubiose Nachtleben und die bewegte Geschichte dieser Hafenstadt. Diese Dinge sind es, die Carofiglio-Fans schätzen. Dazu kommen natürlich die einfühlsamen Geschichten, die immer einen direkten Bezug zum aktuellen Geschehen und Leben unserer Zeit haben.
 
Der Autor, früher selbst Staatsanwalt im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, kennt das Rechtssystem in Italien wie seine Westentasche, vor allem auch seine Mängel und Schwächen. Mitten in diesem täglichen Kampf um das Wohl seiner Klienten, wird Guerrieri mit der Suche nach einem verschwundenen Mädchen beauftragt und gerät in einen Strudel von Ereignissen, die sein eigenes Selbstbild völlig durcheinanderbringen.
 
Berührend und amüsant ist seine Freundschaft mit der ehemaligen Prostituierten Nadia und ihrem "Monsterhund" Pino, den er liebevoll "Baskerville" nennt.
 
Für mich knüpft Carofiglio mit diesem Buch nahtlos an sein letztes, "Eine Nacht in Bari" an, einem autobiografischen Roman, in dessen Mittelpunkt die Wandlung einer Stadt steht.
 
Alles in allem ist es für sich allein gestellt eine spannende Lektüre, jedoch glaube ich, dass man sie nur wirklich genießen kann, wenn man auch die drei Vorgänger dazu gelesen hat. Wenn man dann noch, so wie ich, Apulien liebt und Bari, DANN ist es ein Lesehochgenuss der besonderen Art.

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Ein pflichtbewusster Mörder

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 26/09/2011 - 16:08
Inhaltsangabe

Vor fünf Monaten verschwand die junge, etwas zurückgebliebene Donatella Barzaghi auf unerklärliche Weise aus der väterlichen Wohnung. Duca Lamberti, der gebeten wird, dem Fall nachzugehen, ist ratlos. Wie kann ein Mädchen von so auffälliger Schönheit am hellichten Tag aus einer verschlossenen Wohnung entführt werden, ohne Aufsehen zu erregen? Als Donatella schließlich tot aufgefunden wird, führen Lambertis Ermittlungen direkt in das Mailänder Rotlichtmilieu ... Wie sein berühmter Kollege Maigret nimmt sich Scerbanencos Ermittler Duca Lamberti der kleinen Leute und ihrer oft tragischen Lebensgeschichten an.

Meine Gedanken zum Buch:

Der vierte Teil der Duca-Lamberti hat mich ganz besonders berührt, das grausame Schicksal der jungen Donatella lässt wohl niemanden kalt. Vor allem wenn man bedenkt, wie viele junge Frauen und Mädchen nach wie vor (50 Jahre später!) spurlos verschwinden und wohl ähnliche Wege gehen.
Scerbanenco beschreibt den Moloch der Mailänder Zuhälterszene schonungslos und direkt, und nicht nur Duca Lamberti wird des öfteren übel bei dem, was hier ans Tageslicht geholt wird. Von Mitgefühl und Ekel getrieben, gelingt es ihm letztendlich, den Fall zu lösen, wobei er immer wieder sein Rechtsempfinden in Frage stellen muss.
Leider ist dies der letzte Teil der Serie, kurz nach seinem Erscheinen ist der Autor an einem Herzinfarkt gestorben, meiner Meinung nach ein echter Verlust für alle Krimiliebhaber!

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Der lombardische Kurier

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 26/09/2011 - 15:59
Inhaltsangabe

In seinem neuen Fall sieht sich Duca Lamberti mit einem besonders brutalen Überfall halbwüchsiger Schüler auf ihre Lehrerin konfrontiert. Die junge Frau stirbt an den Folgen ihrer Misshandlung. Als Lamberti der Verdacht kommt, dass hinter dem Mord das kaltblütige Kalkül eines Erwachsenen stecken könnte, greift er zu einem ungewöhnlichen Mittel - und bringt sich fast um Kopf und Kragen.

Meine Gedanken zum Buch:

Im dritten Teil der Duca-Lamberti-Reihe schildert Scerbanenco schonungslos den unglaublich brutalen Mord an einer jungen Lehrerin. Scheinbar sind alle Schüler daran beteiligt, jeder trägt seinen Teil zum Leiden der Frau bei, doch keiner gibt auch nur zu, etwas gesehen zu haben. Duca Lamberti arbeitet mit viel Einfühlungsvermögen und psychischen Tricks, um letztendlich doch noch eine Wahrheit ans Licht zu bringen, die einen in die dunkelsten Ecken Mailands in den 1960ern führt.
Wie auch schon in den beiden Vorgängerromanen erzählt Scerbanenco aus einer beunruhigenden Distanz, wobei er seine Hauptfigur zugleich unglaublich emotional werden lässt. Einmal mehr läuft im Kopf ein Schwarzweißfilm, der einen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Eine stimmige Fortsetzung der Serie, die auch für sich allein als "Krimi noir" eine spannende Lektüre bildet.

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Der alte Mann und das Meer

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Verfasst von yellow bookreader Darleen am So, 18/09/2011 - 10:23
Inhaltsangabe

Seit 84 Tagen hat der alte Mann, ein Fischer namens Santiago, jetzt schon keinen Fisch mehr gefangen und sein bester und einziger Freund Manolin, der Bootsjunge, darf ihn deswegen von seinen Eltern aus nicht mehr begleiten.

Nach einige mysteriösen Vorzeichen jedoch beißt am 85. Tag ein Schwertfisch an, der so groß ist, dass er ihn mit der Angelrute nicht einholen kann. Es beginnt ein Kampf zwischen Mensch und Tier. Der Fisch könnte den alten Mann ins Wasser ziehen, doch der Marlin schwimmt einfach mit dem Boot im Schlepp. Zitat1 Daher ist der Fischer gezwungen, die Nächte auf See zu verbringen und auf einen günstigen Moment zu warten. In dieser Zeit führt der Fischer viele Selbstgespräche, mit denen er seine Verzweiflung ausdrückt und sich immer wieder selbst Mut zuspricht. Außerdem entsteht eine Art Freundschaft von Seiten Santiagos zu dem Tier. Auch wenn er Schmerzen hat und oftmals glaubt, der Fisch würde ihn umbringen, so schöpft er immer wieder neue Hoffnung. Nach zwei Tagen und zwei Nächten profitiert er von der Angeschlagenheit des Fisches und es gelingt ihm tatsächlich, den Fisch zu überwältigen. Doch die Freude währt nicht lange. Bei der Rückkehr wird der Fisch von Haien attackiert. Zwar wehrt sich der alte Mann mit allen Mitteln dagegen, muss jedoch schließlich froh sein, selbst die anstrengende Reise zu überleben. Bei der Ankunft am Hafen jedoch bleibt nur noch Gerippe über.

Manolin kümmert sich schließlich um den angeschlagenen alten Mann, damit sie fortan wieder gemeinsam fischen können.

Meine Gedanken zum Buch:

Das Buch ist sehr traurig und mitreisend geschrieben.
Es is schön zu lesen wie der Junge dem alten Mann hilft und mit diesem auch immer wieder Fischen gehen will obwohl der alte Mann nichts fängt.
Ich hab das Buch sehr gerne gelesen und kann es nur weiterempfehlen.
Lg Darleen
 

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Das Beste aus meiner italienischen Küche

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Verfasst von yellow bookreader Rotbart am So, 24/07/2011 - 01:10
Inhaltsangabe

Die Kochkunst in Italien ist eine Kochkunst der Regionen und in jeder Region gibt es anderen Wein und andere Früchte
Bugialli - ein Kenner der Kochkunst Italiens - stellt hier 120 Gerichte vor zu welchen er auch die Hintergründe oder kleine Geschichten erzählt.
Hervorzuheben sind auch die phantastischen Fotos nicht nur der Gerichte sondern auch des Ambientes des Landes und der Küche.
Aber nicht nur an das Essen hat gedacht, auch an das Trinken, seinen Mandarinenlikör kann absolut jeder nachmachen.

Zusammengefasst - Ein KULTBUCH

Meine Gedanken zum Buch:

siehe unter Inhalt
Ein Klasse Buch für die italienische Basis Kochkunst

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Die Verratenen

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Sa, 02/07/2011 - 11:40
Inhaltsangabe

Duca Lamberti, wegen Sterbehilfe vom Dienst suspendierter Arzt aus Mailand, bekommt eines Abends seltsamen Besuch: Ein gewisser Silvano Solvere bittet ihn darum, die Jungfräulichkeit einer jungen Dame wiederherzustellen, damit sie den einflussreichen Metzger Brambilla heiraten kann. Als Lamberti Polizeichef Carrua den Vorfall meldet, ergeben sich bald Verbindungen zu mehreren mysteriösen Todesfällen, die noch als Unfälle gehandelt werden. Da taucht plötzlich eine junge Frau auf, die sich zu den Morden bekennt. Ihre Beichte stürzt Lamberti in einen Gewissenskonflikt ...

Meine Gedanken zum Buch:

Alles, was ich schon bei "Das Mädchen aus Mailand" geschrieben habe, trifft auch hier wieder zu. Ein weiteres Mal lief beim Lesen dieser schwarz-weiß-Film in meinem Kopf ab, nur dass sich diesmal ein rotes Mäntelchen, genannt Redingote, eingeschwindelt hat (ähnlich wie der rosa Kindermantel in "Schindlers Liste", falls Ihr Euch erinnert).
Ich finde es faszinierend, wie man dermaßen sensibel und trocken über so unglaubliche Gewalt schreiben kann. Man merkt deutlich, dass Mitte der 60er-Jahre die Traumata des Krieges noch sehr präsent waren, aber auch aktuelle Themen wie Waffenschieberei, Drogen und Terrorismus waren damals in Mailand schon aktuelle Themen.
Scerbanenco malt das Bild einer Stadt, in der Schönheit und Kultur brutal mit Verfall und Verbrechen zusammenkrachen, mitten drin steht die zerrissene Figur des Duca Lamberti, der um nichts in der Welt bereit ist, seine Ideale zu verkaufen.
 
Ein beeindruckender Roman und ein Muss für alle, die gerne Krimis weit jenseits des Mainstreams der 2000er-Jahre lesen.

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Eine Nacht in Bari

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Di, 28/06/2011 - 15:44
Inhaltsangabe

Carofiglios Liebeserklärung an seine Heimat

Nach zwanzig Jahren alte Freunde wiederzutreffen, ist ein merkwürdig beklemmendes, aber auch ein sehr schönes Ereignis. Nachts ist es immer ein ganz besonderes, vor allem in Bari. Da verwandelt sich die Provinzhauptstadt Apuliens in ein unwirkliches Kino des Gedächtnisses, in dem Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerungen und Einbildung sich vermischen – und aus dem Mann, der sich keiner Illusion mehr hingeben will, wird wieder der drängende Student, der meint, dass im Leben alles möglich ist.

Meine Gedanken zum Buch:

Giampiero, Paolo und der Ich-Erzähler, von dem wir annehmen dürfen, dass es sich tatsächlich um den Autor handelt, treffen sich nach vielen Jahren wieder, um einen Abend lang einen drauf zu machen. Und zwar in ihrer gemeinsamen Heimatstadt Bari, so wie die ehemals besten Freunde auch in den 80ern die Szene dort unsicher gemacht haben. Den Auftakt der Sause bildet ein fulminantes Abendessen, bei dem sich eigentlich keiner so richtig wohl fühlt. Bei der Beschreibung der Leckereien, die da auf den Tisch kommen, läuft allerdings dem Leser auf jeden Fall das Wasser im Mund zusammen!
Auf der nächtlichen Fahrt durch die Straßen der Stadt, die sich im Laufe der Jahrzehnte massiv verändert hat, werden Kindheits- und Jugenderinnerungen wach, aber auch alte Aggressionen keimen wieder auf. Und genauso, wie die Fassaden der Stadt abgebröckelt sind, stürzen auch mit der Zeit die Schutzwälle der drei Männer ein, lassen uns hinter die nach aussen hin so glanzvolle Kulisse jedes einzelnen blicken.
Carofiglio zeigt uns die zwei Gesichter einer Stadt mit der nächtlich verwaisten Altstadt, dem Glanz der aktuellen Lokalszene, der zerbröckelten Eleganz der Vergangenheit, der Armut der vielen afrikanischen Einwanderer, der Luxuseinkaufsmeile und der Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen, die keine Zukunftsperspektive haben.
Der Autor zeichnet ein liebevolles Bild seiner Heimatstadt mit ihren hellen und dunklen Seiten, genauso lässt er uns an seiner Vergangenheit teilhaben und seinen Zweifeln und Ängsten, die ihn im Alter von rund 50 Jahren beherrschen.
Ein beeindruckender und berührender Ausschnitt aus Carofiglios Biografie, ein buntes Bild der Stadt Bari  - ein Muss für Freunde guter (italienischer) Literatur!

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Der Sommer des Commissario Ricciardi

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Di, 28/06/2011 - 13:29
Inhaltsangabe

Sommer 1931, Neapel ächzt unter Hitze und Faschismus gleichermaßen. Commissario Ricciardi vermögen beide nicht aufzuhalten. Eine unheimliche Gabe läßt dem brillanten Ermittler keine Ruhe, er hört die letzten Worte der Toten. Sein neuester Fall allerdings stellt seine Hartnäckigkeit auf eine schwere Probe: Herzogin di Camparino, geheimnisvolle und skandalumwitterte Herrin der Salons und Theaterlogen, wurde ermordet. Die Liste der Verdächtigen ist lang, doch länger noch die Liste derer, die allzu gründliche Nachforschungen um jeden Preis verhindern wollen … Seine Vorgesetzten mißtrauen ihm, seine Kollegen glauben, er spreche mit dem Teufel. Doch Commissario Ricciardi kennt nur ein Ziel: den Mörder zur Strecke bringen. Seine Jagd führt ihn tief in die Abgründe der High-Society im Italien der dreißiger Jahre.

Meine Gedanken zum Buch:

Der melancholische Commissario Ricciardi, der die letzten Gedanken der Toten hören kann, ermittelt in einem mysteriösen Mordfall, der ihn bis in die Führungsebene der Nationalsozialisten führt. De Giovanni lässt einen deutlich spüren, wie die Macht des Regimes immer mehr zunimmt, immer präsenter im Neapel der 1930er-Jahre wird. Im krassen Gegensatz dazu stehen verschiedene Liebesgeschichten, die eines gemeinsam haben: die Leidenschaft. Auch die große Liebe von Ricciardi wird auf mehrere harte Proben gestellt, und immer mehr stellt sich für ihn die Frage, ob es nicht doch endlich einmal an der Zeit wäre, die Initiative zu ergreifen, oder für immer auf sein Glück zu verzichten.
Die Geschichte wird sehr einfühlsam und dicht erzählt, Einschübe von Ich-Erzählern lassen den Leser die Wahrheit noch vor dem Commissario erahnen, wobei es zum Schluss trotzdem noch eine Überraschung gibt.
Einmal mehr führt uns De Giovanni durch Neapel, diesmal miten im Hochsommer, man spürt gleichsam die glühende Hitze auf der Haut und leidet mit dem übergewichtigen Brigadiere Maione in seiner Uniform, der es sich noch dazu in den Kopf gesetzt hat, abzunehmen.
Der Autor stellt uns eine Familie vor, wie es sie heutzutage wohl nicht mehr gibt. Das Aussergewöhnliche ist nicht der begangene Ehebruch, sondern die Ehefrau, die zusieht und leidet, die durch ihr Schweigen die Familie noch mehr zerrüttet als es der untreue Ehemann ohnehin schon tut. Und die durch ihre Passivität zur Urheberin eines unglaublichen Dramas wird.
Alles in allem eine stimmige und stimmungsvolle Fortsetzung der ersten beiden Teile, der Schluss lässt einen hoffen, dass der Herbst des Commissario doch noch ein Happy End für den sympathischen Einzelgänger im Ärmel hat.

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Das Mädchen aus Mailand

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Fr, 01/04/2011 - 10:56
Inhaltsangabe

Davide, Sohn eines reichen Mailänder Industriellen, sucht Vergessen im Alkohol, weil er sich schuldig fühlt am Tod einer kleinen Verkäuferin. Duca Lamberti soll im Auftrag des Vaters helfen. Er beginnt, die Umstände des angeblichen Selbstmords des Mädchens näher zu untersuchen. Und stößt schon bald auf einen Verbrechering, der zu allem bereit ist …

Meine Gedanken zum Buch:

Mit Duca Lamberti hat der Autor eine Figur erschaffen, die immer schemenhaft im Hintergrund bleibt. Wir erfahren nicht, wie alt er ist, wir können es nur erahnen, und auch über sein Äußerliches wissen wir so gut wie nichts. Und trotzdem, oder vielleicht gerade erst deshalb, sind seine Gedanken und Handlungen besonders reizvoll und spannend, weil sie keine Klischees bedienen, sondern den Leser immer wieder überraschen. Eine etwas düstere, aber keineswegs unsympathische Hauptfigur, würde ich sagen.
Geschrieben wurde diese Serie, bestehend aus vier Bänden, von denen dieser hier der erste ist, in den 60er-Jahren, dementsprechend ist auch das Flair, das 1:1 transportiert wird. Vor meinem geistigen Auge sah ich beim Lesen einen schwarz-weiß-Film mit markanten Charakteren, spärlichen Dialogen und einer alles anderen als rasanten Handlung, die sich schrittweise zu einem großen Finale aufbaut. Scerbanenco schreibt über das Leben in Mailand, über die kleinen Leute und darüber, wie Korruption und Mafiakriminalität keinen in Italien unberührt lassen.
Alles in allem ein wirklich lesenswertes Buch, das man nur ungern aus der Hand legt. Große Krimiliteratur, die leider etwas in Vergessenheit geraten ist und auf alle Fälle wiederauferstehen sollte!

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