Wilhelm Genazino

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Ansichten und nützliche Ratschläge für viele Lebenslagen. Gebrauchsanweisungen von Schriftstellern, die es wissen müssen.

Gedanken zum Buch

Sehr tolle Aussprüche. Ein dünnes Büchlein voller Wahrheiten. Oder sagen wir Ansichten, man muss ja nicht mit allem einverstanden sein. Ideal als Geschenk, weil dünn und in ca. 20 Minuten durchgelesen. Man fühlt sich bestärkt und geistig doch gefordert. "Hurra, ich h... | ... weiterlesen

Zitate

Eins dürfen wir nicht vergessen. Wir leben in einer vollständig amoralischen Zeit. Antonio Tabucchi aus "Tristano stirbt"

Die Angst vor der Verrücktheit ist in diesen Augenblicken so stark, daß ich fürchte, nur aus der Angst könnte ihr Anfang hervorgehen.
Wilhelm Genazino aus "Ein Regenschirm für diesen Tag"... | ... weiterlesen

Sich verabschieden, das ist auch etwas, das man mit sich selbst macht: zu sich selbst stehen unter dem Blick des Anderen.
Pascal Mercier aus "Nachtzug nach Lissabon"

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

leise_singende_frauen_0.jpgDer Erzähler hat einen unscheinbaren und wertlosen, aber geliebten Gegenstand verloren, ein Kleinod, das er wiederzufinden hofft. Mit offenem Sinn für das Zufällige und Pittoreske streift er suchend in der Stadt umher, stellt sich den Schroffheiten der Zeit und entkommt ihnen zugleich, weil er sich inmitten der städtischen Zumutungen von einem privaten Anliegen... | ... weiterlesen

Gedanken zum Buch

Mitten drinnen und trotzdem auf Distanz. Bemerkend und zart mitfühlend. So viel passiert gleichzeitig, so viele Leben sind temporär ineinander verwickelt, aber nicht causal. Die Erde scheint zu klein für so viel Leben. Ein gutes Buch definiert sich über die Anzahl der leisen L... | ... weiterlesen

Zitate

Da fragt das Kind die endlich halbtags beschäftigte Frau, ob man auch halbtags leben darf.

Jetzt, eine knappe Stunde später, treffen Feierabendsportler ein, Fußballer, Jogger, Gymnastiker, Handballer und Federballspieler. Die Jogger bleiben nicht lang. Sie wollen sich nur kurz verausgaben, dann verschwinden sie wieder. Daf... | ... weiterlesen

Die Eigentümerin des verlorenen Haares kommt natürlich nicht vorbei.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Bilder sind nur in ihrer Zeit verstehbar. Berühmte Schriftsteller gehen mit dem Fotografiertwerden unterschiedlich um.

Gedanken zum Buch

Genazinos schönstes Buch. Ich meine nicht nur das Äußere. Aber auch das. Von Seidenpapier eingehüllt und somit transparent und das Titelbild darunter ist im zarten Nebel verschleiert. Die Farbe hellgelb, die Schrift dunkelrotbraun, ohne Blocksatz, kurze zentrierte Seiten, meh... | ... weiterlesen

Zitate

Arthur Schnitzler gehört zu den Autoren, die mit ihren Fotos fast schon einen Bildkult getrieben haben. Er hat die Fotografie vom Beginn seiner Karriere an eingesetzt, zunächst nur als narzistischen Selbstkommentar, der es ihm erlaubte,... | ... weiterlesen

Für Karl May, den Ernst Bloch einen "armen, verwirrten Proleten" nannte, mußten veröffentlichte Portraits eine äußerst wacklige Identität abstützen helfen. Bis an sein Lebensende kränkte es ihn,... | ... weiterlesen

Es ist dieses Foto, das die Romane von Marques über ihen literarischen Rang hinaus populär gemacht hat. Wir sehen darauf Marquez an einem kleinen Tisch sitzen und arbeiten. Der Tisch ist - das ist wichtig - so schmal, daß... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

In den belebtesten Straßen Wiens findet man kleine billige Läden, über deren Eingang steht groß und breit das Wort ROMANE. Für den, der hier kauft, gehört Literatur zu den Lebensmitteln, genau wie TABAK und SPIRITUOSEN in den Läden links und rechts der Romangschäfte. Natürlich ist es keine gute Literatur, die hier angeboten wird, aber darauf kommt es auch nicht an. Der Roman überlebt, weil er ein Begleitmedium des Lebens selber ist.

Gedanken zum Buch

Einiges an Romantheorie, das Schreiben und auch einige Empfehlungen des Autors. Italo Svevo, Robert Walser um nur zwei zu nennen. Fast ein Sachbuch. Nicht nur für Fans; jeder der gerne mehr als nur die erste schnelle Erklärung zu einem Thema hört, freut sich hier Zeile für Zeile und ist dankbar,... | ... weiterlesen

Zitate

Fast noch schlimmer als das eigene Scheitern ist, wenn wir einem guten Freund beim Scheitern zuschauen müssen. Dann müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß scheiternde Menschen vollständig verrannt sind.

Unter progessiven Literaturkennern kann man oft die Meinung hören: Je mittelmäßiger ein Roman ist, desto genauer möchte man wissen, wo er spielt. Man kann auch die Umkehrung dazu hören: Je besser ein Roman ist, desto bela... | ... weiterlesen

Den die Wirklichkeit der Literaturproduktion sieht so aus, daß wir nur pragmatisch urteilen sollten, das heißt von Fall zu Fall. Ist ein Roman so gebaut, daß wir am Ende der Lektüre nicht wissen müssen, wo er spielt, da... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

ein_regenschirm_0_0.jpgGeld verdienen kann man mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Zum Beispiel, indem einer seinem Bedürfnis nach distanzierter Betrachtung der Welt folgt, als Probeläufer für Luxushalbschuhe.

Gedanken zum Buch

Ja, das war die erste Erfahrung mit dem Weltmeister des Betrachtens und der Ruhe - Wilhelm Genazino. Seine detailgetreue Beobachtung und das Bis-zum-Ende-Denken zeichnen ihn positivst aus. Man spaziert mit ihm durch die Straßen und erobert mit ihm seine Bekanntschaften. Man ist er - eben wu... | ... weiterlesen

Zitate

Durch den Abbruch des Beischlafs ist mir Margot noch näher als zuvor. Sie macht keinerlei Aufhebens von unserem Mißgeschick. Ich kann nicht ausdrücken, daß ich ihr dankbar bin. Wie seltsam ist das Menschliche!

Das Klagen und Mhnen ist die Lieblingsbeschäftigung von fünfundneunzig Prozent der Menschheit, mit der mein Dünkel nichts zu tun haben will.

Ich habe einen Brief von dir gefunden, ruft sie aus, den du mir vor achtzehn Jahren geschrieben hast.
Vor achtzehn Jahren? frage ich tonlos.
Ja, sagt sie, im August vor achtzehn Jahren hast du mich so angeredet: Liebe Susanne ...
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Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

das_licht_brennt_0.jpgEin Erzähler, durch Erinnerungslücken beunruhigt, findet einen ungewöhnlichen Ausweg, dem Verlust des Gedächtnisses zu entgehen. Er verteilt seine Erlebnisse mündlich und in Briefen an seine Freunde. Eines Tages, wenn ihm Details der eigenen Biographie entfallen sind, sollen ihm die Freunde seine Erinnerungen angereichert "zurückerzählen".

Gedanken zum Buch

Welch grandiose Idee. Gegen das eigene Vergessen Briefe mit Geschichten an seine Liebsten zu verteilen. Die Panik des eigenen Vergessens und des Nicht-Trauen dieses Schrittes like Genazino beunruhigt. Ist das vielleicht der Grund, warum Ältere immer wieder und wieder die gleiche Geschichte (... | ... weiterlesen

Zitate

Im Sinne der drei falschen Uhrzeiten habe ich den Anspruch aufgegeben, in allen meinen Mitteilungen wiedererkennbar zu sein. Wenn Dir das zu unbesorgt ist, werde ich Dir selbstverständlich keine Erinnerungen mehr schreiben; aber ich hoffe, Du... | ... weiterlesen

Lieber Werner, es genügt, wenn Du das Wort Straßenbahn sagst. Falls mir daraufhin nichts einfällt, hilfst Du ein wenig nach und sagst: Nicht auf den Boden spucken.

Lieber Christoph, erinnere mich, daß ich seit der Kindheit lüge. Als Kind log ich bedenkenlos, weil ich sicher war, das Lügen hört auf, wenn man erwachsen geworden ist.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Achtung Baustelle sammelt Genazinos kluge, witzige, intelligente und erstaunliche Betrachtungen, die ein anderes, besseres Lesen lehren können.

Gedanken zum Buch

Dieses Buch ist sozusagen der Prototyp der Idee von bookreaders.at. Auffällige Zitate werden hier vom Großmeister Genazino kommentiert, weitergesponnen, teilweise ins Gegenteil geführt. Wie schön wäre es doch weitere Meinungen zu erfahren. Im 2. Teil des Buches ehrt Genazino Italo Svevo und Marce... | ... weiterlesen

Zitate

Das Sich-Unterscheiden von anderen geht diese anderen nichts an.

Individualität bleibt in ihren Anfängen stecken, wenn sie von den anderen gebilligt werden muß.

Diese Dinge sollte man endlich einmal verstehen können, man kann es noch nicht.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

fremde_k__mpfe_0.jpgMit neuer Wehleidigkeit hat Wilhelm Genazinos Roman nichts zu tun. Er läß seinen Protagonisten zwar leiden, nie aber bleibt dessen Existenz im Quälerischen stecken. Stilistische Lockerheit, Ironie und Humor handhabt Genazino mit Geschick.

Gedanken zum Buch

Genazino staunt, eigentlich staunt der Leser. Der Ausweg ist nicht die Erlösung, der Ausweg ist nur eine Möglichkeit von vielen. Brilliante Worte, schmucklos schöne Sätze. Ideal zum Sich-beruhigen.
Genazino hat jetzt übrigens wieder einen Literaturp... | ... weiterlesen

Zitate

Wenn sie sich nicht ängstigten, schliefen sie. Wenn sie nicht schliefen, packten sie immerzu etwas aus und wieder ein.

Man muß stark sein, wenn man empfindlich sein will!

Der langweilige Gesundheitsvortrag und das Ideengerede der vielen Leute hinterher hatten ihn so überflutet und chaotisiert, daß ihm das bloße Gehen auf der Straße wie die Freiheit erschien.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

die_leibesbl__digkeit_0.jpgWenn man versucht, die Liebe zu begreifen, dann wird das böse enden. Wilhelm Genazinos neuer Roman erzählt von einem Mann, der mit zwei Frauen leben kann, aber mit einer nicht. Und der trotzdem versucht, eine von beiden zu verlassen.

Gedanken zum Buch

Genazino ist ein Sprachkünstler mit einfachsten Mitteln. Er arbeitet mit dem eigenen Erstaunen. Jeder Buchstabe ist Jetztzeit und in der Unwissenheit des nächsten Moments direkt zu erleben. Nie weiß er in dem Moment mehr als der Leser selbst. Sehr humorvoll mit menschlicher Pointe... | ... weiterlesen

Zitate

Die Dialektik des Deliriums geht so: kaum einer tut etwas, kaum einer erreicht etwas, kaum einer verdient etwas, und trotzdem geht alles immerzu weiter.

Die aus offenen Autofenstern herausdröhnende Popmusik macht mir schlechte Laune, aber ich halte durch.
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Ich warte draußen und ergehe mich in Edelreflexionen.

Ein leichtangetrunkener Mann mittleren Alters kommt auf mich zu. Hallo, wie geht's! ruft er aus und gibt mir die Hand. Ich erinnere mich nicht an den Mann, ich kenne ihn nicht. Von Steffan, sagt der Mann, hast du Steffan auch vergessen? Ich kenne... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Hier liegt nun die erste Ausgabe von CRÀZZOLA vor, die Edition will den Italo Svevo Preis begleiten und ihm Hof und Hallraum sein, indem sie Laudationes, Preisreden sowie Fundstücke und Entdeckungen von und um Italo Svevo versammelt, literarische Gemmen, die der erzählerischen Welt des Namensgebers verpflichtet sind.

Gedanken zum Buch

Italo Svevo kann man nicht genug würdigen.

Zitate

zeno hat ständig das problem, daß man ihm nichts glaubt, zwischen ihm und der welt scheint eine ironische distanz eingezogen, man könnte sagen, es besteht da eine art lächelpakt. man lächelt ihm zu, und er lächelt zurück. dazwischen passiert aller... | ... weiterlesen

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