Wilhelm Genazino

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Wilhelm Genazino erzählt, wie er schreibt und wie er zum Schreiben kam, warum die Welt so merkwürdig ist und ohne Bücher kaum auszuhalten.

Gedanken zum Buch

Ein wenig wie das "Best of" von Genazino. Allderdings sollte man doch die angesprochenen Werke zuvor gelesen haben. Für wahre Fans. Also für mich volle!

Zitate

Das Unheimliche beginnt heimlich.

Es muss Folgen haben, dass es gleichgültig geworden ist, was in der Kunst geschieht.

Ich werde dir wieder schreiben. Aber sorg dich nicht, wenn es nicht geschieht; das kann nur heißen, dass wir beschäftigt sind.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

wenn_wir_tiere_w__ren.jpgAlles ist da, Beruf, Wohnung, Einkommen, Urlaub, Frau. Aber schon eins davon wäre manchmal weitaus genug, und das wundervolle Alles ist mehr, ale einer erträgt.
Aber wie befreit man sich vom Privatleben, wenn man nicht mal die Arbeit loswird? Ach, wenn wir Tiere wären! Eine Ente im Park, ein freundlicher Hund auf dem Sofa! Ach, wenn wir die täglichen Zumutung... | ... weiterlesen

Gedanken zum Buch

In Linz habe ich Genazinos neues Buch entdeckt - und das mit Zufall. Der regnerische Spaziergang war gerettet. Nun zum Buch. Genazino wird in seiner Fortführung seines Allerbuchsthemas "Wie werde ich mit der Welt fertig?" immer präziser. Auch sind nunmehr Folgen des Abkapselns... | ... weiterlesen

Zitate

Die frische schlechte Luft des Autoverkehrs war genau das richtige für mich.

Ich schätzte diese vor sich hinschleichenden Tage, aber sie durften nicht zu langsam werden.

Wenn wir flugfähige Tiere gewesen wären, hätten wir dann und wann mit den Flügeln schlagen können.
 

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Im Zentrum dieses Buches steht die Erinnerung an eine faltal gescheiterte Jugendliebe. Ein Lehrerin an der Schwelle des Alterns vergewissert sich dieser Geschichte inmitten einer brisanten Phase ihres Lebens.

Gedanken zum Buch

Genazino schreibt hier aus der Sicht einer Frau, einer Lehrerin, die in einer emotionell distanzierten Beziehung lebt. Immer wieder schweifen ihre Gedanken in die Vergangenheit und springen wieder ins Jetzt, in die kalte Beziehung. Die einzelnen Kapitel sind ganz kurz, so als könnte sie nicht län... | ... weiterlesen

Zitate

Albert ist verlegen, er sagt ein paarmal: Ach du liebe Zeit und Meine Güte oder nur Jaja. Es ist, als sei ihm seine Jugend peinlich und als habe er deswegen alles oder doch fast alles aus dieser Zeit vergessen müssen. ... Die nächste Station wird... | ... weiterlesen

Und obgleich niemand meine Zurückgezogenheit bedroht, muß ich doch aufstehen, zum Fenster gehen und einmal kurz den Gedanken der Flucht durchspielen.

Die Ausflügler fangen an, belegte Brote und Trinkpäckchen aus ihren Rucksäcken und Taschen zu holen. Es macht ihnen nichts aus, sich gegenseitig schwitzen und sich den Schwiß abwischen zu sehen. Die Männer schwitzen auf der Stirn, die Frauen in de... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Ein Mann lebt mit sich selbst und seiner Freundin auf halbwegs gutem Fuße. Doch dann äußert die Freundin einen Wunsch, der nicht vorgesehen ist in seinem Lebenskompromiß. Wie weit wird einer gehen, um davonzukommen?

Gedanken zum Buch

Wenn jemand Literatur sucht, die beruhigt (für mich immer wieder wichtig) so ist Herr Genazino der richtige Typ und Tipp. Wie weit geht er diesmal? Sehr weit. Schon immer sind seine Figuren kurz vorm Kippen. Und doch noch gerade "normal". Diesesmal kippt die Figur und .... ist sie trotzdem noch "... | ... weiterlesen

Zitate

Natürlich habe ich nichts gegen Traudel. Ich komme nur nicht damit zurecht, daß ich mich fortlaufend zu ihr verhalten muß. Ich werde dadurch daran erinnert, daß ich ein komplizierter Mensch bin.

Aus dem Urlaub schreibt sie Urlaubsbriefe, zu Weihnachten schreibt sie Weihnachtsbriefe und zu Geburtstag Geburtstagsbriefe.

Die Frau lacht Autos und Häuser und Geschäfte und ihr Kind an, es ist unglaublich. Es ist die Formkraft der Glückserwartung, die Frauen schön macht.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

lieber_gott_mach_mich_blind_0_0.jpgDas Leben könnte so leicht sein, wenn es die anderen Menschen nicht gäbe. Und am schlimmsten ist dieses Leben da, wo die Bande der Familie am engsten sind. Zwei Theaterstücke in unüblicher Genazino-Manier.

Gedanken zum Buch

Lange habe ich mich nicht an dieses Werk getraut, obwohl Genazino einer meiner Lieblinge ist. Der Titel schreckte mich immer wieder.
Jetzt weiß ich auch wieso. Das Buch sollte man wirklich nur innerlich gefestigt angehen. Äußerst derbe, kurze, fast brutale Sätze. Wirkl... | ... weiterlesen

Zitate

TERESA: Rieche ich? Wonach?
ROBERT: Im Augenblick nach Rührei und Petersilie. Nicht schlecht.

MARLENE: Ich brauche ein weißes Kleid.
KARL: Wozu?
MARLENE: Wer zum Meer will, braucht ein weißes Kleid.

OTTMAR: Das Klagen und Jammern hat überhaupt keinen Sinn, sagt Nietzsche, es stammt aus der Schwäche

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

"Ein wunderliches Buch, um nicht zu sagen: ein wunderbares" Frankfurter Rundschau "Ein bizarr schönes Buch." Süddeutsche Zeitung

Gedanken zum Buch

Wie konnte ich bis jetzt vergessen, dieses Buch vorzustellen! Ich erkläre: Es lag zum spontanen Leserettungsakt auf meinem Nachtkasterl (wo sich mein Computer nicht befindet). Dieses Buch beruhigt so angenehm. Genazino ist ein großer Künstler.

Zitate

Es muss eine unerhörte Zeit gewesen sein, als man sich füreinander interessierte.

Spätnachts komme ich nach Hause in mein Zimmer; ich stelle den Fernsehapparat an. Es läuft eine futuristische Oper mit starken Farben, schrillen Tönen und einigen an den Bühnenrand gedrängten Sängern. Ich öffne d... | ... weiterlesen

Das Knallen der Bierdosen und das Schaben der Earphones sind die neuen Geräusche der öffentlichen Einsamkeit, an der alle teilnehmen müssen.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

die_belebung_der_toten_winkel_0.jpg"Wilhelm Genazinos Romane suchen in Frankfurter Seitenstraßen das Poetische auf. Dort, wo normalerweises jeder hinwegsieht, entdecken sie kleine Kostbarkeiten, Kunstwerke der Verborgenen", so charakterisiert Helmut Böttiger in seiner Laudatio den Büchner-Preisträger des Jahres 2004....
ein Abenteuer für Leser.

Gedanken zum Buch

Diese gesammelten Universitätsvorlesungen Genazinos sind teils Selbstbetrachtungen und Deutungen seiner eigenen Werke. Auch rühmt er Joyce und andere versteckte Größen der Literatur. Ein Buch zum Weiterhanteln in die verwinkelten Gänge der Weltliteratur.
Diese Leic... | ... weiterlesen

Zitate

Also: Das Glück hat seinen Sitz im Verweilen selbst; es kommt darauf an, welche Augenblicke wir auswählen und was wir uns anschauen.

Der Praktiker des Augenblicks gibt sich solchen Anfängen hin und spekuliert auf ergiebige Folgesituationen.

Wichtiger ist, daß die Deutung zärtlich, also beweglich bleibt und der Deuter selber bewegt ist.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Abbildungsnachweis Die Originale der in diesem Band publizierten Fotos fand der Autor auf Flohmärkten, bei Trödlern und in Mischantiquariaten. Sie sind Übrigbleibsel von Umzügen, Wohnungsauflösungen und Todesfälen. Ihr Absinken in die Anonymität macht aus den Fotos Abfallbilder, für die es weder eine Nachfrage noch eine ästhetische Wertschätzung zu geben scheint. Erst die Einzelbetrachtung beendet das Schicksal der Vergessenheit und gibt den Bildern die Dignität von Dokumenten zurück.

Gedanken zum Buch

Das ist ein ganz besonderes Buch. Linke Seite Text und rechte Seite scheinbar wahllose Bilder. Genazino haucht den leblosen Fotos Geschichten und somit wieder Wert ein. Ein Foto hat ja nur soviel Wert, solange ein persönlicher Bezug (und sei es zum Ur-Ur-Urgroßvater) besteht. Aber wie steht's da... | ... weiterlesen

Zitate

Sind sie fünfzehn? Sechszehn? Oder schon siebzehn? Entweder sie empfinden sich noch als Kinder und haben sich, vielleicht zum ersten Mal, die Masken der Erwachsenen angelegt. Aber es klappt nicht so recht mit dem Vorgriff... | ... weiterlesen

Diesen Herrn nennen wir Onkel Walter. Er macht mit seiner Freundin einen Waldspaziergang und hat dabei die Idee, wenigstens einmal vor der Freundin den starken Mann zu spielen. An Onkel Walters halbhohen Schuhen sehen wir, da... | ... weiterlesen

Es gibt das Bedürfnis der Menschen, auf Fotos individueller und bedeutsamer auszuschauen als im "Leben".

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

die_liebe_zur_einfalt_0.jpgPlötzlich, als die Eltern nicht nur tot sind, sondern auch aus der Erinnerung zu verschwinden drohen, wird der Erzähler von einer nicht für möglich gehaltenen Ergriffenheit heimgesucht.

Gedanken zum Buch

Ein Mann wird leicht verrückt und erinnert sich sehr bildhaft an seine Jugend. Wohltuend ruhige Sätze wirken wie ersten Schneeflocken auf wintergrünen Altgras.
Wunderbar

Zitate

Im Keller, dem einzigen Raum, in dem Vater allein, und das heißt: privat sein durfte, lag an versteckter Stelle ein kleiner Taschenspiegel, in dem sich Vater von Zeit zu Zeit betrachten konnte: unbeobachtet von anderen.

Ich möchte jetzt ein paar Überlandleitungen sehen, die an hölzernen Masten hängen.

Martin verehrte, genau wie ich, Elvis Prexley, Bill Haley, Paul Anka, Pat Boone und Little Richard. Um die gleiche Klangwirkung zu haben, die uns besonders an den Platten von Elvis Presley gefiel, stellten wir das Tonband in das Badezimmer, genaue... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Abschaffel, kleiner Angestellter, Flaneur und "Workaholic des Nichtstuns" streift durch die Großstadt, eine von Geld und Konsum beherrschte Welt. Er verweigert sich dieser Welt, indem er alle Zerstreuungsangebote der Freizeitindustrie ausschlägt, und kompensiert die üußere Ereignisöde seines Daseins durch innere Phantasietätigkeit.

Gedanken zum Buch

Jetzt beim Wiederlesen bzw. Wiederdurchstreifen des Romans empfinde ich ihn als sehr humorig und real. Das ist Genazinos Durchbruchswerk. Das klingt sehr hammerig, dabei ist gerade dieses Buch sehr ruhig und voller Liebe zum Detail. Ich würde es als "Angestellten-Literatur" bezeich... | ... weiterlesen

Zitate

Frau Schönböck kreischte auf und sagte: Was Sie für Ansichten haben, Herr Abschaffel! Sie lachten beide laut und anhaltend, ...

Da die Ereignisse nicht sprechen, die Menschen die Ereignisse aber als sprechende Ereignisse erleben wollen, muß man für sie eine Sprache erfinden, also lügen.

Die fünf Mark, die er beim Mittagessen gespart hatte, gab er für eine Taxifahrt nach Hause aus. Der Taxifahrer sagte etwas, und Abschaffel gab keine Antwort. Ganz kurz fühlte er sich deswegen wohl. Es gab viel zuwenig Gelegenheit, w... | ... weiterlesen

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