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Qiu Xiaolong

Blut und rote Seide

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Di, 07/06/2011 - 10:53
Inhaltsangabe

Shanghai, im Morgengrauen. Auf einer Verkehrsinsel findet man die Leiche einer Frau, nur bekleidet mit einem roten traditionellen Seidenkleid. Wenig später entdeckt man eine zweite und bald darauf eine dritte Frauenleiche, alle im gleichen roten qipao. Die Morde sind ein Skandal, da Serienkiller bislang als Phänomen des Westens abgetan wurden. Eigentlich will Oberinspektor Chen seine Literaturstudien endlich mit einem akademischen Abschluss krönen. Doch er weiß als Einziger, wie man das psychologische Profil eines Serienkillers erstellt.

Meine Gedanken zum Buch:

Der fünfte Teil der Oberinspektor- Chen-Reihe führt uns u.a. zurück in die Zeit der Kulturrevolution. Gleichzeitig bietet uns der Autor einen Einblick in die traditionelle chinesische Liebesgeschichte, indem er seine Hauptfigur eine Diplomarbeit zu diesem Thema schreiben lässt. Mit ihrer Hilfe erkennt Chen auch die Zusammenhänge in einer Reihe furchtbarer Serienmorde, deren Opfer mit einem zerrissenen Qipao bekleidet sind.
Mit viel Einfühlungsvermögen und Poesie beschreibt Xiaolong die Gräueltaten der Arbeiterarmeen in den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts, und wie unterschiedliche Personen sie wahrgenommen und verarbeitet haben. Oder eben auch nicht.
Wirklich interessant, aber auch erschreckend, sind die Exkurse in die besonders feine chinesische Küche, in der Haifischflossensuppe noch als das geringste Übel (!) erscheint. Ebenfalls aufschlussreich finde ich die Beschreibungen der sich ständig verändernden Stadt Shanghai in den 90ern, mitten auf dem Weg zu einem in China akzeptierten Kapitalismus, der immer weniger mit den Prinzipien Maos in Einklang zu bringen ist.
Alles in allem eine stimmige Fortsetzung der Serie, die man unbedingt lesen sollte, wenn man Interesse für chinesische Literatur, Geschichte und Lebensart hat. Und wenn man weiter mitverfolgen möchte, in welche Richtung sich der sensible Oberinspektor entwickeln wird.

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Rote Ratten: Oberinspektor Chens vierter Fall

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Di, 14/04/2009 - 10:09
Inhaltsangabe

Eine Reise nach Amerika, davon hat Oberinspektor Chen schon lange geträumt. Und nun soll der dichtende Polizist eine Schriftstellerdelegation in die USA begleiten. Doch die einmalige Gelegenheit kommt für Chen mehr als ungünstig. Denn er hat einen Auftrag erhalten, der eigentlich seinen vollen Einsatz in Shanghai erfordert: Nach dem Tod eines Polizisten in einem Bordell verpflichtet ihn die oberste Parteibehörde, endlich den »Roten Ratten« - korrupten Beamten und Schmiergeld zahlenden Neokapitalisten - das Handwerk zu legen. Doch schon bei den ersten Recherchen muss Chen feststellen, dass er es mit einflussreichen Parteikadern zu tun bekommen wird, die vor nichts zurückschrecken ...

Meine Gedanken zum Buch:

Auch der vierte Teil dieser wunderbaren Reihe zeigt uns wieder ein Stück China, ein Land im Aufbruch in Richtung Marktwirtschaft. Ohne Korruption geht garnichts, die Politik erstickt im Sumpf von Intrigen und den Machenschaften betrügerischer Beamter, die sich am Allgemeinwesen bereichern und dann das Land verlassen.
Poesie und Dichtkunst spielen ebenfalls eine große Rolle in dieser Geschichte, Chen ist in den USA als Delegationsleiter für eine Gruppe chinesischer Schriftsteller unterwegs, und der Text ist gespickt mit wunderbaren Zitaten aus der großen Liteartur Chinas.
Und natürlich fehlt auch die Spannung nicht, immerhin sind einige Morde aufzuklären, und es gilt, einen Systemausbeuter seiner Strafe in China zuzuführen.
Als wahrer Fan dieser Reihe kann ich nur sagen, dass sie bisher in keiner Weise an Qualität nachgelassen hat, und ich hoffe, das setzt sich auch beim fünften Teil auf diese Weise fort.

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Tod einer roten Heldin

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Fr, 11/01/2008 - 10:42
Inhaltsangabe

Die Konstruktion des Romans ist denkbar konventionell. Aus einem Kanal wird die Leiche von Guan Hongying gefischt, die als nationale Modellarbeiterin überregionale Berühmtheit erlangt hatte. Guan wurde eindeutig Opfer eines Verbrechens. Die Ermittlungen führen Oberinspektor Chen auf die Spur des bekannten Fotografen Wu, dem Sohn eines hohen einflussreichen Kaders. Wu hatte die Arbeiterin nach einer kurzen heftigen Affäre urplötzlich fallen lassen. Als kompromittierende Fotos auftauchen, wird Chen von seinem Mentor Li aus politischen Gründen zurückgepfiffen. Doch Chen denkt nicht daran, den Fall ungelöst abzuschließen.

Ein einfacher Whodunit also. Sicher nicht und das aus mehreren Gründen. Chen ist Polizist und Schriftsteller, und immer wieder wendet er sich in schwierigen Situationen der Literatur zu, befragt sie und erhält geheimnisvolle Antworten. In seiner Skepsis und Zerrissenheit ähnelt Chen dabei durchaus seinem schwedischen Kollegen Wallander. Ungewöhnlich intensive Dialoge schließlich, in denen jedes einzelne Wort erwogen wird, die Bedeutung des strengen chinesischen Moralkodexes und der gesellschaftlichen Stellung jeder einzelnen Figur für die Handlung verschaffen dem Roman einen völlig eigenständigen Charakter. Die Aufklärung eines Gewaltverbrechens innerhalb dieses Geflechts aus gewachsenen Strukturen und politischen Zwängen kommt einer Sisyphusarbeit gleich. Gerade aber die atmosphärische Fremdheit, die Qiu glänzend darzustellen vermag, macht das Buch ganz besonders lesenswert. Und nebenbei erfährt man auf höchst unterhaltsame Weise sehr Aufschlussreiches über das moderne China.

Meine Gedanken zum Buch:

Der erste Band dieser mehrteiligen Krimiserie handelt zu Beginn der 90er Jahre, also zu einer Zeit, wo die freie Marktwirtschaft beginnt, sich zu etablieren.
Man erfährt viel über die Lebensweise der Menschen in Shanghai, einer unkontrollierbar wachsenden Metropole mit chronischer Wohnungsnot. Bezeichnend ist das Faktum, das es im Chinesischen kein Wort für "Privatsphäre" gibt, dass dieses mit einem Satz umschrieben werden muss. Interessant sind auch die Einblicke in die verschiedenen Aspekte der chinesischen Küche.
Die Geschichte selbst wird durch die Einflüsse der Parteipolitik interessant, sonst ist sie relativ banal, wobei die Ermittlungen ganz spannend sind.  Der Schluss ist überraschend, schockierend und stellt für mich die Frage in den Raum, ob es richtig ist, dass jemand für die falsche Sache bestraft wird (mehr will ich dazu nicht sagen, weil ich ja für künftige Leser den Schluss nicht vorwegnehmen möchte).

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