Martin Walser

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Augustin Feinlein, Chef des Psychiatrischen Landeskrankenhauses Scherblingen, weiß, was Älterwerden bedeutet. Ab dreiundsechzig hat er mit dem Zählen der Geburtstage aufgehört und sein Lebenscredo gefunden: "Glauben heißt lieben."

Gedanken zum Buch

Dieses Buch ist eine Seitenhandlung des großen Werkes, an welchem Walser gerade arbeitet. Diese Seitenhandlung hat sich verselbständigt und erschien in einem kleinen Verlag. Ein Versprechen an seinen Jugendfreund hat Walser somit eingelöst.
Ich möchte hier die Vort... | ... weiterlesen

Zitate

Ehemalige Patienten haben alle den gleichen, um Wiedererkanntwerden bittenden Blick.

Das wäre das böse Ende seiner erwünschten Laufbahn gewesen.

Ich habe immer Szenen mit Wörtern geträumt. Wenn ich wach wurde, bin ich die Wörter nicht los geworden. Auch Sätze.

AndreaHz

Inhaltsangabe

Susi Gern sieht in ihrem Ehemann Edmund den idealen Partner, bis er ihr nach fünf Ehejahren gesteht, dass er mehr Frauen gleichzeitig braucht, um glücklich zu sein. Sie vereinbaren aber, dass keiner dem anderen etwas verheimlicht, sprich von den Seitensprüngen erzählt. Susi erträgt die Affären ihres Mannes mit Schmach, packt sogar seine Koffer, wenn er mit einer anderen Frau auf Liebesurlaub fährt. Es dauert natürlich nicht lange, bis sie sich selbst Liebhaber sucht, um ihrem Alltag zu entfl... | ... weiterlesen

Gedanken zum Buch

Vom sprachlichen Aspekt gesehen ein sehr ansprechendes Buch.  Auch erzähltechnisch sehr interessant, da die einzelnen Handlungen durch Rückblenden komplettiert werden. Vom Inhalt her hat mich der Roman eher bedrückt und deprimiert, handelt es doch vom Aufstieg und Fall einer w... | ... weiterlesen

Zitate

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

l__gengeschichten.jpgNeun Geschichten, neun Vorschläge, Erfahrungen zu machen mit de Wirklichkeit, der öffentlichen wie der verborgenen. Walser mißtraut allem nur Selbstverständlichen, rückt ihm zu Leibe mit Sprache. In seinen Geschichten wird das Zweifeln ausprobiert - an Leuten, Dingen, Situationen. Lügengeschichten heißen sie, weil sie der Welt, statt sie nachzuahmen, etwas vormachen: ihre... | ... weiterlesen

Gedanken zum Buch

Wie locker und leicht Walser eindeutige Lügen präsentiert. Als wären sie Realität. Kein Zweifel daran. Eine wohltuende fantasievolle Reise durch 9 Lebens-Situationen. Absolute Empfehlung, auch sehr dünn und passt in jede Handtasche.

Zitate

Er schaut herab, lächelt so breit, daß man Zwillinge in den Schlaf wiegen könnte in seinem Lächeln. Man kennt ja das Gemüt der Riesen.

Aber dieser Tag lag in der Hitze wie die Sau im Sud.

Ihre Arthritis hat sie für diesen Abend bei ihren Schwestern in Pflege gegeben.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

tod_eines_kritikers_0.jpgHans Lach wird verhaftet: Mordverdacht. Auf der Party seines Verlegers hatte er einen für seine Verrisse gefürchteten Kritiker bedroht. Am nächsten Morgen findet sich dessen blutdurchtränkter Pullover, nur von der Leiche fehlt jede Spur. Dafür treten immer neue Verdächtige auf den Plan.

Gedanken zum Buch

Angeblich sieht ein Blinder, dass es sich hier um Marcel Reich-Ranicki handelt. Und das nicht nur im Schlechten. Gewisse Albträume hat Herr Walser hier sicherlich verarbeitet. MRR hat ihn ja immer wieder scharf im Visier gehabt (nicht immer nur positiv).
Die Verknüpfung der Handlu... | ... weiterlesen

Zitate

Ich hatte noch nie zwie Menschen erlebt, die so zärtlich zusammengehörten wie diese zwie. Und das wirkte als reine Schönheit. Ich hätte am liebsten in die Hände geklatscht vor Zustimmung.

Die Megafiguren gibt es eben dazu, daß sie dürfen was alle wollen, aber nicht dürfen.

Und ich schwieg auch, obwohl ich nicht sicher war, daß wir über dasselbe schwiegen.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Gottlieb Zürn erhält Besuch von einer Doktorandin. Sie interessiert sich für Aufsätze über den französischen Philosophen La Mettrie und überreicht ihm, er sit erstaunt und merkwürdig geschmeichelt, eine Sonnenblume. Sie könnte, wie er sieht, seine Enkelin sein. Und doch vernimmt er sofort das Klirren erotischer Möglichkeiten. Sie: "Es gibt nichts, wofür man nicht gestraft werden kann."

Gedanken zum Buch

Nicht nur Zürns Sicht der Lage, auch die Sicht des jungen Fräuleins wird beleuchtet. Auch sein (zu erwartender) beruflicher Misserfolg in Amerika ändert nichts an der temporären Hörigkeit der beiden. Ich will nicht zu viel verraten, aber das letzte Kapitel heißt "Kehre". Auch der Begriff Ver... | ... weiterlesen

Zitate

Am Telephon, seine Stimme! Sie möchte am ganzen Körper Ohren haben!

Selbst wenn man weiß, daß das, was man sich vormacht, nur etwas Vorgemachtes ist, wird aus dem Vorgemachten etwas Spürbares, Fastreales.

Das Sehen braucht mehr Zeit als das Hören.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Erzählt wird der Kampf um etwas Wunderschönes, und wie die Kämpfer ausgerüstet sind. Das Schöne ist das Haus, ein inniges Gehäuse am See, von Wänden und Fenstern leuchten Sehnsuchtsmotive. Die Kämpfer sind Händler. Das Haus steht leer. Die Besitzerin hat es verspielt. Der schöne Gegenstand wird objekt des Konkurrenzkampfes. Wer wird es kriegen? Am meisten Aussicht hat Dr. Gottlieb Zürn. Glaubt er.

Gedanken zum Buch

Nun, was bestimmt ein Leben? Die Arbeit oder die private Gesellschaft in der wir leben? Walser verwebt in diesem Buch beides brutal. Die schwerkranke Tochter wird gereiht mit dem unverkäuflichen, luxuriösen Haus. Unerreichbar, dieses Haus als Immobilienmakler zu vermitteln, da die Konkurrenz ja s... | ... weiterlesen

Zitate

Aber noch schlimmer als das Gesagte ist ja das Ungesagte! Daß man soviel verschweigen muß.

Wie, wo, wann, als wer oder was mußte man geboren sein, um so lachen zu können?

Er sagte, solange er lebe, seien die Weine immer besser geworden.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

erfahrungen_beim_verfassen_0.jpgWalser zeigt, was es heißt, in einer Geschichte zu leben, deren Ende man nicht kennt. Also zeigt er, was es heißt, in der Gegenwart zu leben.

Frank Schirrmacher

Gedanken zum Buch

Das ist die Rede, die Walser beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1998 gehalten hat. Damit hat er sich auch politisch konkret geäußert, was man ihm auch immer wieder vorgehalten hat - zu Unrecht, was mein Dafürhalten betrifft.
Sehr viel auch über Autor - Leser -... | ... weiterlesen

Zitate

Es ist ewas anderes, ob man in einem Roman 1809 oder 1989 die Augen aufschlägt. Am Schlafen und Träumen hat sich in einhunderachtzig Jahren wenig geändert, alles aber am Aufwachen.

"Nur über die Geschichte können wir für die Zukunft lernen. Und deshalb ist keine Phase der Geschichte von größerer Bedeutung als die Epoche, die Adolf Hitler beherrscht hat." Daß wir verabscheuen, was war... | ... weiterlesen

Lesen wird wieder zum Vergnügen. Und Atmen auch.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

einliebender_mann_0.jpgMarienbad, 1823. Goethe - Witwer und so berühmt, dass sein Diener heimlich Haare von ihm verkauft - liebt die junge Ulrike von Levetzow. Martin Walser erzählt die Geschichte dieser unmöglichen Liebe aufwühlend und zugleich zart.

Gedanken zum Buch

Walsers zartestes und schönstes Buch. Das Buch 2008 - für mich. Wie schön kann ein Sich-Verstehen sein (unabhängig von Äußerlichkeiten und Alter).
Wunderbar und äußerst humorig, wie Goethe den 1.Preis beim Kostümball gewinnt. Verkleidet als Wer... | ... weiterlesen

Zitate

Einen krasseren Unterschied als zwischen dieser Mutter, die als Prachtsfrau kostümiert war, und dieser Tochter als unendliches Mädchen konnte es nicht geben.
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Und noch nie, seit sie sich kannten, waren sie gleich alt gewes... | ... weiterlesen

Das hätte er denen gern zugemutet. Wem denen? Allen. Der Welt, der immer neugierigen.

Das ist das Gesetz über allen Gesetzen: Die Lästigen kommen unangemeldet. Denn sie sind ein Übel. Die aber ersehnt sind, kommen nicht.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Von einem, der lernt, sein Leben in die Hand zu nehmen, seinen in Kindertagen ganzten Wörterbaum zu pflegen und nur noch sich, "seinen" Büchern und "seiner" Sprache zu vertrauen.

Gedanken zum Buch

Walser drückt das einfach Daseiende so genial aus, man fühlt sich ertappt und wertgeschätzt. Wunderbare Einfühlung.

Zitate

Er war froh, als sie endlich an der Hirschenwies ankamen und Anita sagte: Da wären wir. Er konnte nur nicken. Er wäre jetzt auch mit seiner Hinrichtung einverstanden gewesen.

Die göser Marie sagte: jetzt siehst du wieder etwas gleich, Johann. Johann nickte heftig, damit auch hier nicht herauskomme, wie wenig er mit diesem Haarschnitt einverstanden war.

Das weiß man nie in einem Dorf, woher immer alle alles sofort wissen. Nur daß immer alle alles sofort wissen, das weiß man.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Die Geschichte einer Viereckskonstellation. Der Zufall führt zwei Ehepaare an einem Ferienort am Bodensee zusammen.

Gedanken zum Buch

Ja, kürzlich erst verfilmt und in den Kinos. Sehr gemütlich beginnend kommt ungewöhnlich für Walser enormer Speed auf. Es knistert und es geschieht ganz unerwartet ein Unfall. Mehr möchte ich nicht verraten, weil sehr spannend und immer wieder komisch. Hoffentlich passier... | ... weiterlesen

Zitate

Ich will mich nicht aussprechen. Mein Herzenswunsch ist zu verheimlichen. Diesen Wunsch habe ich mit der Mehrzahl aller heute lebenden Menschen gemeinsam. Wir verkehren miteinander wie Panzerschiffe.

Das ist schon ein Scheißsee. Also wenn er nicht wegen dieser Recherchen wäre für Hels Buch, er wäre nie hierher zum Segeln.

Helmut hatte das Gefühl, er werde sich nie mehr bewegen können. Auch daß er je wieder sprechen werde, kam ihm unwahrscheilich vor.

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