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Martin Walser

In Goethes Hand

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am Di, 30/03/2010 - 00:03
Inhaltsangabe

Goethe und Eckermann, die Geschichte einer Abhängigkeit: Aus Ergebenheit, Verehrung und Liebe tut Eckermann alles Goethe zuliebe. Goethe zuliebe heiratet er fast nicht, schreibt er Verse, die in seiner Generation antiquiert wirken; nach Goethes Tod macht er über zwanzig Jahre lang weiter in seinem Goethe-Dienst. Die Innigkeit, mit der er sich und seine Zeit versäumt, macht aus ihm eine tragischkomische, aber liebenswürdige Figur; und eine Figur, die viel aussagt über das Verhältnis von deutscher Klassik zu deutscher Geschichte.

Meine Gedanken zum Buch:

Dieses schmale Büchlein nähert sich der Frage, was man alles bereit ist aufzugeben, oder nicht zu tun, nur um jemanden nahe zu sein.
Weiters ist hier ein zeitliche Parallelität zu "Ein liebender Mann" festzuhalten. Wie geht Goethes Umgebung mit Goethes irrsinnigen Vorhaben um, eine wesentlich jüngere Dame zu ehelichen?
Goethe darf jedoch alles und wird von fast allen seinen Mitmenschen unumschränkt umschwärmt. Nur Goethes Sohn "steht" auf Schiller. Goethe akzeptiert es freundschaftlich und man erkennt Goethes Bewunderung für Schiller.
Ich habe mich beim Lesen sehr amüsiert.

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Mein Jenseits

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am Sa, 06/03/2010 - 02:37
Inhaltsangabe

Augustin Feinlein, Chef des Psychiatrischen Landeskrankenhauses Scherblingen, weiß, was Älterwerden bedeutet. Ab dreiundsechzig hat er mit dem Zählen der Geburtstage aufgehört und sein Lebenscredo gefunden: "Glauben heißt lieben."

Meine Gedanken zum Buch:

Dieses Buch ist eine Seitenhandlung des großen Werkes, an welchem Walser gerade arbeitet. Diese Seitenhandlung hat sich verselbständigt und erschien in einem kleinen Verlag. Ein Versprechen an seinen Jugendfreund hat Walser somit eingelöst.
Ich möchte hier die Vorteile von Büchern in der Originalsprache Deutsch herausheben. Im Gegensatz zu übersetzter Literatur ist hier jede Nuance goldrichtig. Man liest den Text nicht nur, man fühlt ihn.
Walsers Stil mag auf dem ersten Blick ungewöhnlich wirken, weil er durch teilweise spontan eigenwillige Satzstellung den direkten Weg zum Leser sucht. Wie Regentropfen eines Platzregens fallen manchmal die Worte - überraschend genial komponiert und in erfrischender Jetztzeit. Das ist die absolute Klarheit, Aufmerksamkeit und Gefühlsgenauigkeit Walsers. Das macht Literatur für mich aus.

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Der Lebenslauf der Liebe

Bild von AndreaHz
Verfasst von grey bookreader AndreaHz am Mo, 21/09/2009 - 08:36
Inhaltsangabe

Susi Gern sieht in ihrem Ehemann Edmund den idealen Partner, bis er ihr nach fünf Ehejahren gesteht, dass er mehr Frauen gleichzeitig braucht, um glücklich zu sein. Sie vereinbaren aber, dass keiner dem anderen etwas verheimlicht, sprich von den Seitensprüngen erzählt. Susi erträgt die Affären ihres Mannes mit Schmach, packt sogar seine Koffer, wenn er mit einer anderen Frau auf Liebesurlaub fährt. Es dauert natürlich nicht lange, bis sie sich selbst Liebhaber sucht, um ihrem Alltag zu entfliehen. Natürlich nur solche, die ihrem Mann "nicht das Wasser reichen" können. Da das wohlhabende Ehepaar Gern über mehrere Appartments verfügt und sich alles erdenkliche leisten kann, funktioniert das gemeinsame Leben "getrennt" recht gut. Ihre behinderte Tochter Conny und der Sohn Andreas, der immer wieder an die falschen Frauen gerät, runden das Bild ab. Doch bald ist es vorbei mit dem Reichtum, da Edmunds Aktiengeschäfte das Vermögen der Familie regelrecht auffressen. Zudem erkrankt er auch noch an Parkinson, was ihn aber auch nicht davon abhält, seine Geliebten zu treffen..

Meine Gedanken zum Buch:

Vom sprachlichen Aspekt gesehen ein sehr ansprechendes Buch.  Auch erzähltechnisch sehr interessant, da die einzelnen Handlungen durch Rückblenden komplettiert werden. Vom Inhalt her hat mich der Roman eher bedrückt und deprimiert, handelt es doch vom Aufstieg und Fall einer wohlhabenden Familie und natürlich von der Liebe in all ihren guten, schlechten, dramatischen Formen. Dramatisch ist wohl das Wort, das den Inhalt am besten beschreibt, aber auch bizarr und schräg können angesichts der Liebeswirren verwendet werden. Kurz und gut: "Der Lebenslauf der Liebe" zeigt alle Facetten des wichtigsten Themas des Lebens..

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Lügengeschichten

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am Do, 10/09/2009 - 20:09
Inhaltsangabe

Neun Geschichten, neun Vorschläge, Erfahrungen zu machen mit de Wirklichkeit, der öffentlichen wie der verborgenen. Walser mißtraut allem nur Selbstverständlichen, rückt ihm zu Leibe mit Sprache. In seinen Geschichten wird das Zweifeln ausprobiert - an Leuten, Dingen, Situationen. Lügengeschichten heißen sie, weil sie der Welt, statt sie nachzuahmen, etwas vormachen: ihre Möglichkeiten.

Meine Gedanken zum Buch:

Wie locker und leicht Walser eindeutige Lügen präsentiert. Als wären sie Realität. Kein Zweifel daran. Eine wohltuende fantasievolle Reise durch 9 Lebens-Situationen. Absolute Empfehlung, auch sehr dünn und passt in jede Handtasche.

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Tod eines Kritikers

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am Mo, 06/07/2009 - 22:22
Inhaltsangabe

Hans Lach wird verhaftet: Mordverdacht. Auf der Party seines Verlegers hatte er einen für seine Verrisse gefürchteten Kritiker bedroht. Am nächsten Morgen findet sich dessen blutdurchtränkter Pullover, nur von der Leiche fehlt jede Spur. Dafür treten immer neue Verdächtige auf den Plan.

Meine Gedanken zum Buch:

Angeblich sieht ein Blinder, dass es sich hier um Marcel Reich-Ranicki handelt. Und das nicht nur im Schlechten. Gewisse Albträume hat Herr Walser hier sicherlich verarbeitet. MRR hat ihn ja immer wieder scharf im Visier gehabt (nicht immer nur positiv).
Die Verknüpfung der Handlung mit dem inhaftierten Vergewaltiger Mani Mani, dessen Innenleben vor uns ausgebreitet wird, stört ein wenig den Lesefluss, macht jedoch das Buch um eine bunte Facette reicher. Ich habe mich sehr amüsiert und oute mich wieder als Walser-Fan.

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Der Augenblick der Liebe

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am Di, 22/07/2008 - 19:14
Inhaltsangabe

Gottlieb Zürn erhält Besuch von einer Doktorandin. Sie interessiert sich für Aufsätze über den französischen Philosophen La Mettrie und überreicht ihm, er sit erstaunt und merkwürdig geschmeichelt, eine Sonnenblume. Sie könnte, wie er sieht, seine Enkelin sein. Und doch vernimmt er sofort das Klirren erotischer Möglichkeiten. Sie: "Es gibt nichts, wofür man nicht gestraft werden kann."

Meine Gedanken zum Buch:

Nicht nur Zürns Sicht der Lage, auch die Sicht des jungen Fräuleins wird beleuchtet. Auch sein (zu erwartender) beruflicher Misserfolg in Amerika ändert nichts an der temporären Hörigkeit der beiden. Ich will nicht zu viel verraten, aber das letzte Kapitel heißt "Kehre". Auch der Begriff Vergänglichkeit oder eigentlich eher Nicht-Vergänglichkeit spielt eine große Rolle. Ein äußerst gelungenens und stimmiges Buch vom Herrn Walser.

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Das Schwanenhaus

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Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am Mi, 14/05/2008 - 23:10
Inhaltsangabe

Erzählt wird der Kampf um etwas Wunderschönes, und wie die Kämpfer ausgerüstet sind. Das Schöne ist das Haus, ein inniges Gehäuse am See, von Wänden und Fenstern leuchten Sehnsuchtsmotive. Die Kämpfer sind Händler. Das Haus steht leer. Die Besitzerin hat es verspielt. Der schöne Gegenstand wird objekt des Konkurrenzkampfes. Wer wird es kriegen? Am meisten Aussicht hat Dr. Gottlieb Zürn. Glaubt er.

Meine Gedanken zum Buch:

Nun, was bestimmt ein Leben? Die Arbeit oder die private Gesellschaft in der wir leben? Walser verwebt in diesem Buch beides brutal. Die schwerkranke Tochter wird gereiht mit dem unverkäuflichen, luxuriösen Haus. Unerreichbar, dieses Haus als Immobilienmakler zu vermitteln, da die Konkurrenz ja so gewaltig ist. Seine Frau (die skurrilerweise immer wieder auch etwas vermittelt) ist auch schon fast beim Umkippen, seine Töchter hören schon lange nicht mehr auf ihn. Klingt ziemlich trist. Pausenlos hofft man, die Familie soll jetzt bitte nicht auseinanderbrechen. Man wartet auf den großen Bäng, der ja in Wirklichkeit auch oft nicht kommt. Wie löst Walser dies Misere?
Stellenweise sehr genial und lustig, dann auch wieder notgedrungen weit ausholend erzählt. Als Immobilienmakler liegt nicht alles klar auf der Hand.

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Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am So, 13/04/2008 - 14:00
Inhaltsangabe

Walser zeigt, was es heißt, in einer Geschichte zu leben, deren Ende man nicht kennt. Also zeigt er, was es heißt, in der Gegenwart zu leben.

Frank Schirrmacher

Meine Gedanken zum Buch:

Das ist die Rede, die Walser beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1998 gehalten hat. Damit hat er sich auch politisch konkret geäußert, was man ihm auch immer wieder vorgehalten hat - zu Unrecht, was mein Dafürhalten betrifft.
Sehr viel auch über Autor - Leser - Beziehung. Ich glaube, dass dieses Forum gerade dabei auch ein kleines Röllchen spielt.
Ich verweise hier auch auf Walsers neuestes Werk "Ein liebender Mann", wo er  wahrscheinlich seinen literarischen Höhepunkt gerade hat. Ich wünsche ihm noch weitere Meisterwerke.

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Ein liebender Mann

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am Fr, 04/04/2008 - 13:30
Inhaltsangabe

Marienbad, 1823. Goethe - Witwer und so berühmt, dass sein Diener heimlich Haare von ihm verkauft - liebt die junge Ulrike von Levetzow. Martin Walser erzählt die Geschichte dieser unmöglichen Liebe aufwühlend und zugleich zart.

Meine Gedanken zum Buch:

Walsers zartestes und schönstes Buch. Das Buch 2008 - für mich. Wie schön kann ein Sich-Verstehen sein (unabhängig von Äußerlichkeiten und Alter).
Wunderbar und äußerst humorig, wie Goethe den 1.Preis beim Kostümball gewinnt. Verkleidet als Werther mit echter, frischer Wunde am Kopf.
Top-Empfehlung

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Ein springender Brunnen

Bild von Reinhard E. Karner
Verfasst von bookreaders team member Reinhard E. Karner am So, 25/11/2007 - 20:45
Inhaltsangabe

Von einem, der lernt, sein Leben in die Hand zu nehmen, seinen in Kindertagen ganzten Wörterbaum zu pflegen und nur noch sich, "seinen" Büchern und "seiner" Sprache zu vertrauen.

Meine Gedanken zum Buch:

Walser drückt das einfach Daseiende so genial aus, man fühlt sich ertappt und wertgeschätzt. Wunderbare Einfühlung.

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