Li Dawei

Love, Revolution und wie Kater Haohao nach Hollywood kam

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Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 08/03/2010 - 12:21
Inhaltsangabe

Ost trifft West. Comic trifft Roman.

So wurde über China und seine jüngste Geschichte noch nie geschrieben – der Schriftsteller Li Dawei ist eine Entdeckung! Die Helden seines Romans sind ein junger Comiczeichner und sein sprechender Kater. Dies spiegelt sich auch in der Form wieder: Das Buch ist Roman und Comic zugleich.

Peking im Sommer 1989: Der namenlose Ich-Erzähler, ein Kunststudent, wird unfreiwillig in die Studentenunruhen hineingezogen. Er, dem jede Art von Kollektivismus suspekt ist und der sich lieber seinen Comics widmet, verliebt sich ausgerechnet in die Studentenführerin Little Kim. In dem Chaos, das nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens herrscht, findet er eine verstörte Katze und nimmt sie mit nach Hause. Little Kim dagegen bleibt verschwunden.
Eines Abends beginnt die Katze zu sprechen: Haohao sei ihr Name, und sie eröffnet ihrem verblüfften Gefährten, dass sie eine Karriere als amerikanischer Comicstar à la Garfield anstrebe. In der Tat gelangt Haohao auf chaotischen und gefahrvollen Wegen nach Hollywood. Der Student bleibt zurück in Beijing und flüchtet in seine Comictraumwelten. Schließlich folgt er seiner Katze nach Amerika in der Hoffnung, dort seine große Liebe wieder zu finden. Aber im goldenen Westen erwartet ihn lediglich eine böse Überraschung.

Li Dawei verbindet in seinem Roman eine ungewöhnlich spannende Mischung aus Alltagsstimmung und Fantasie. Er setzt die subversive Kraft der Bilder gegen Monotonie und Hoffnungslosigkeit einer verlorenen Generation.

Meine Gedanken zum Buch:

Der erste Teil des Buches, der in Beijing spielt, hat mir sehr gut gefallen. Der Autor erzählt aus der Sicht seiner Generation in moderner peppgier Sprache die Vorkommnisse am Platz des himmlischen Friedens 1989, macht immer wieder interessante Ausflüge in die chinesische Geschichte und gewährt Einblick in ein politisches System, das wir Europäer wohl nie begreifen werden. Anfang der 90er ist die Zeit des Aufschwungs, die freie Marktwirtschaft ermöglicht es immer mehr Leuten, schnell zu viel Geld zu kommen. Luxusgegenstände aus dem Westen werden in Geschäften angeboten, in den Bars trinkt man Cocktails, man liest westliche Literatur. Gleichzeitig herrscht immer noch eine strenge Zensur und Kontrolle durch den Staat.
Der zweite Teil beschreibt hauptsächlich das Leben von Haohao in Hollywood und driftet ab ins Phantastische, und damit konnte ich nicht so viel anfangen. Es ist zwar witzig geschrieben und zeichnet ein recht treffendes Bild einer oberflächlischen Konsumgesellschaft, aber irgendwie habe ich mich in dieser Cartoon-Welt nicht mehr richtig zurechtgefunden. Schockierend fand ich, wie die chinesischen Einwanderer sich ihren Status als politische Flüchtlinge erschwindeln, da man sie als Wirtschaftsflüchtlinge sofort wieder ausweisen würde.
Alles in allem ein unterhaltsames facettenreiches Buch, das durch vom Autor gezeichnete Comics auf originelle Weise immer wieder aufgelockert wird. Amüsant auch die Dialoge zwischen Dawei und Haohao, der sprechenden Katze - er spricht aus, was uns wohl unsere Schnurrer auch gern mitteilen würden.

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