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Kristín Marja Baldursdóttir

Sterneneis

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 05/03/2012 - 13:42
Inhaltsangabe

Wie berbringen eine Frau mittleren Alters und eni Mädchen im Teenageralter, das an Handy, PC und Fernsehen gewöhnt ist, drei Tage in völliger Abgeschiedenheit miteinander? Kristín Marja Baldursdóttir hat einen wunderbaren, atmosphärischen Roman geschreiben, der vor großem landschaftlichem Panorama seine Leser mit auf die Reise nimmt: eine Reise in das Land der Erinnerung und in das Reich der Phantasie.

Meine Gedanken zum Buch:

Die Ich-Erzählerin Gunnur ist Psychiaterin und Mutter von 2 erwachsenen Kindern. Somit steht sie dem Teenager Hugrún Lind zwar nicht hilflos gegenüber, ist aber trotzdem immer wieder Opfer der pubertären Ausbrüche eines jungen Mädchens, das hin-und hergerissen wird zwischen Kindsein und das Gesicht zu wahren. Nur durch Gunnurs Jugenderinnerungen kommt das junge Mädchen zur Ruhe, zeigt Interesse, fragt nach, und so erfahren wir die Geschichte einer Frau, die in einem Island großgeworden ist, wo Kinder über die Ferien noch aufs Land geschickt wurden. Nicht aber etwa in die Ferien, nein, Gunnur musste sich schon mit acht Jahren ihren Unterhalt am Bauernhof durch Kinderhüten und andere Arbeiten verdienen. Eine gute Ausbildung war nicht geplant, aber die starke junge Frau hat ihren Weg gefunden, und vielleicht ist es gerade das, was sie mit dem jungen Mädchen verbindet, das ihr übers Wochenende anvertraut wurde.
Eine Lebensgeschichte, nicht allzu spektakulär, mit Höhen und Tiefen, gut zu lesen, immerwieder auch zum Schmunzeln, wenn man selbst den Umgang mit Teenagern immer wieder erleben durfte. Oder (zum Glück) schon hinter sich hat ;-)

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Die Farben der Insel

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 11/01/2010 - 13:51
Inhaltsangabe

Die Malerin Karitas lebt allein und zurückgezogen in einem kleinen Dorf an der Küste. Ihre Kinder sieht sie nur selten, Sigmar, ihren Mann, fast gar nicht. Auch ihre künstlerische Karriere will nicht voranschreiten, zu unverständlich und düster wirken ihre Bilder auf die Dorfbevölkerung. Doch Anfang der fünfziger Jahre ändert sich die Lage. Karitas reist nach Paris, um dort neue Inspirationen für ihre Kunst zu erhalten. Zurück in Island findet sie endlich die Anerkennung, die sie verdient. Kann sie Sigmar jetzt auch an ihrem Leben teilhaben lassen?

Meine Gedanken zum Buch:

Interessant an dieser Fortsetzung von "Die Eismalerin" ist der Perspektivenwechsel in der Erzählweise. Wie im ersten Buch beginnt jeder Abschnitt mit der Beschreibung eines Werks von Karitas, doch hier geht die Geschichte in Ich-Form weiter, was tiefere Einblicke in die Welt der Künstlerin erlaubt, in die Welt einer Frau, die diesmal nicht am Muttersein und ihrer Verantwortung scheitert, sondern sich der Herausforderung mutig stellt, auch wenn ihre Umgebung immer wieder Entscheidungen trifft, die ihr Kummer und Leid zufügen.
Letztendlich erreicht sie ihr Ziel, setzt sich durch als unabhängige Künstlerin, erlangt Bekanntheit und somit auch die Möglichkeit, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es sich vorstellt.
Das im oben zitierten Klappentext "Kann sie Sigmar jetzt auch an ihrem Leben teilhaben lassen?" finde ich ziemlich unpassend, denn im Grunde macht Karitas sich keine Gedanken um ihren Mann, geschweigedenn ein Zusammenleben mit ihm. Doch letztendlich findet sie ein spätes Glück, in dem sie sich mit ihrer Rolle als Ehefrau und Künstlerin arrangiert, und zu guterletzt trifft sie die endgültige Entscheidung über ihr Schicksal, wie sie es sich immer gewünscht hat.
Auch dieses zweite Buch hat mich tief beeindruckt, wobei es sich weniger mit der Situation unterschiedlicher Personen beschäftigt, sondern ausschließlich Karitas im Mittelpunkt steht. Natürlich nicht ohne auf das Schicksal ihrer Familie und Freunde einzugehen, das sie selbst tief beeindruckt und immer wieder beeinflusst.
Sicher kein "Frauenroman" im klassischen Sinne, aber doch ein Buch, das Frauen auf besondere Weise anspricht, weil man sich immer wieder selbst finden kann in dieser Auseinandersetzung mit dem Frausein in all seinen Facetten.

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Die Eismalerin

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 11/01/2010 - 13:21
Inhaltsangabe

Die Witwe Steinunn Olafsdóttir zieht mit ihren sechs Kindern in die kleine Stadt Akureyri im Norden Islands, damit sie dort die Schule besuchen können - auch die Mädchen. Hart sind die Zeiten um 1900, unberechenbar auch die Naturgewalten. Hart ist auch die Arbeit in der Fischfabrik, wo die Frauen wochenlang im Akkord den gefangenen Hering - das Silber des Meeres - einsalzen müssen. Dennoch entdeckt Karitas, die jüngste Tochter, ihr künstlerisches Talent. Ihr größter Wunsch ist es, Malerin zu werden. Doch dann lernt sie den großen, gutaussehenden, grünäugigen Sigmar kennen und lieben, und sie steht vor der folgenschwersten Entscheidung ihres Lebens.

Meine Gedanken zum Buch:

Baldursdóttir erzählt eine Geschichte der Emanzipation, die 1915 damit beginnt, dass eine Mutter mit sechs Kindern beschließt, jedem eine Schulbildung zukommen zu lassen, auch den drei Mädchen. Und jedes dieser Mädchen entwickelt sich zu einer selbständigen Frau, allen voran Braghildur, die dabei allerdings die traditionelle Rolle der Ehefrau einnimmt und von der modernen Einstellung ihrer Schwester Karitas nicht viel hält.
Diese ist die wahre Heldin des Romans, kreativ und begabt mit einer unstillbaren Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit, um die sie viele Jahres ihres Lebens bitter kämpfen muss. Als Ehefrau eines Fischers wird sie in ein ländliches Gefängnis verbannt, in dem weder ihre Persönlichkeit noch ihre Kunst wirklich Anklang finden. Viele dramatische und traurige Momente muss sie erleben, doch ihr Ziel ist immer das gleiche. Endlich einer verständigen Welt ihre Kunst zu präsentieren und als Künstlerin Anerkennung zu finden, abseits der Rolle als Ehefrau und Mutter.
Faszinierend an der Geschichte ist auch die detaillierte Beschreibung von Island, seinen skurrilen Landschaften und der Bevölkerung, dem bäuerlichen Leben und dem fest in der Kultur verankerten Glauben an Elfen und Trolle.
Die Autorin bedient sich einer fast schon trockenen, oft distanziert klingenden Sprache, die die rührenden und traurigen Szenen nie ins Kitschige abgleiten lässt. Ein wunderschönes Buch über eine Frau, ein Volk und das Frausein zu einer Zeit, wo die Rollen noch klar verteilt waren.

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