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Jeff Tamarigo

Der Ginsengjäger

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 04/05/2009 - 10:10
Inhaltsangabe

An der Grenze zwischen China und Nordkorea lebt einer der letzten Ginsengjäger, der die Kunst, diese seltene und wertvolle Wurzel aufzuspüren, von seinem Vater gelernt hat, wie dieser wiederum von dem seinen. Der schon ältere Mann führt ein bescheidenes Leben, nur einmal im Monat verlässt er seine Hütte im Wald, um in der nächstgelegenen Stadt einzukaufen und das dortige Bordell zu besuchen. Als er sich in eine junge Prostituierte verliebt, die aus Nordkorea hierher geflohen ist, bekommt seine festgefügte kleine Welt Risse, und er muss schwerwiegende Entscheidungen treffen ...Eine bewegende Geschichte über Menschen, die an der Grenze leben - an der Grenze zum Nichts und an der Grenze zum Glück.

Meine Gedanken zum Buch:

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich von der "Perlentaucherin" so tief beeindruckt war und muss sagen, dass diese Geschichte noch einen Schritt weiter geht, einen noch mehr schockiert und berührt. Die Situation der Nordkoreaner, die eben nicht zur roten Oberschicht gehören, ist so unglaublich, dass man sich garnicht vorstellen kann, dass so etwas jetzt genau passiert. Das Buch spielt zu Beginn unseres Jahrhunderts, und wir können davon ausgehen, dass sich die katastrophale Situation der Menschen seitdem nicht viel verändert hat. Hunger, Diktatur, Folterund und Umerziehung treiben die Menschen zur Flucht über den Fluss nach China, wo sie von scheinbar guten Menschen aufgenommen und für 25 USD an die Behörden ausgeliefert werden, um in ihrem "Heimatland" hingerichtet zu werden. Rinden und Wurzeln als einzige Nahrung auf Jahre hin, Umerziehungslager, nur weil man das Bild des Großen Führers nicht abgestaubt hat, keine Gnade für die Hilflosesten, die Kinder.
Ein grandioses Buch, geschrieben in einem knappen unsentimentalen Stil, das ich wirklich nur dringlich weiterempfehlen kann, auch wenn es einem einmal mehr das Gefühl der totalen Hilflosigkeit angesichts dieser Verbrechen an der Menschheit führt.

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Die Perlentaucherin

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mi, 29/04/2009 - 09:15
Inhaltsangabe

Seit fünfzehnhundert Jahren tauchen Frauen wie die Heldin von Jeff Talarigos bewegendem Roman in Japans Seto-Inlandsee nach Perlen. Es ist eine harte, mühselige Arbeit für die junge Japanerin, aber es ist ihr Lebenstraum. Im Meer fühlt sie sich frei und stark, vergisst ihre Sorgen - auch die rote Stelle am Unterarm, die seltsam schmerzunempfindlich ist. Doch schon bald wird ihr klar, was dieser Fleck bedeutet: Sie hat Lepra. Als sie im August 1948 auf die Insel Nagashima gebracht wird, ist sie 19 Jahre alt; zusammen mit zweitausend anderen Patienten hält man sie dort über fünfzig Jahre lang von der Gesellschaft fern. Ihr Name wird aus dem Familienregister gestrichen, sie erhält die Nummer 2645 und die Anweisung, sich einen neuen Namen zu suchen. Von jetzt an bis zum Ende ihres Lebens wird sie Fräulein Fuji heißen, nach dem Berg, den sie einst mit ihrem Onkel bestieg. Obwohl schon bald ein Heilmittel gegen Lepra gefunden wird und ihre Krankheit nicht weiter voranschreitet, darf sie die Insel nicht verlassen. Doch sie findet ihren Platz in der durch grausamen Zufall zusammengewürfelten Gemeinschaft - darunter eine koreanische Geschichtenerzählerin, ein Schriftsteller, ein Gärtner, ein Urnenmaler, ein Tanka-Dichter - und schöpft innere Ruhe und Kraft aus der Zwiesprache mit dem Meer. In verhaltener, lyrischer Prosa erzählt der in Japan lebende Autor, ausgehend von historischen Fakten, eine erschütternde Geschichte von Krankheit und Ausgestoßensein, von Unterdrückung und Sehnsucht nach Freiheit, von Menschenwürde und Mut.

Meine Gedanken zum Buch:

Jeff Talarigo erzählt ohne Sentimentalität, in einem kurzen prägnanten Stil, der einen immer wieder an die japanische Poesie erinnert. Die Geschichte von Fräulein Fuji, deren richtigen Namen wir nie erfahren, ist unendlich traurig und berührend. So viele Schicksale, so viele namenlose Urnen. Das Schockierende daran ist vor allem auch die Einstellung der japanischen Gesellschaft zu dieser Krankheit. Fräulein Fujis Schwester kommt einmal zu Besuch, nur um ihr vorzuwerfen, dass sie Schande über die Famile gebracht und ihr Leben zerstört hat. Kein Mitleid, keine Akzeptanz. Und obwohl schon ein Jahr nach ihrer Einweisung ein wirksames Heilmittel gefunden wird, dauert es noch Jahrzehnte, bis die geheilten Patienten die Insel erstmals verlassen dürfen.
 
"Die Perlentaucherin" klang für mich wie der Titel eines Kitschromans, doch schnell war ich eines Besseren belehrt. Ein großartiges Buch mit viel Tiefgang, eine echte "Perle".

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