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Ernö Szép

Die Liebe am Nachmittag

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Di, 11/01/2011 - 16:53
Inhaltsangabe

»In meinem ganzen Leben habe ich von Frauen nur den Nachmittag bekommen, und wie oft hat sich auch der noch zerschlagen.« Eingehüllt in den dekadenten Hauch des untergehenden Kaiserreiches, betrachtet Mihály die Welt und sich selbst kontemplativ und abgeklärt. Sein Metier ist die Verführung, die verheiratete 5Fleurs, eine namenlose grande dame, begehrt er nur halbherzig, die Liebe der unschuldigen jungen Schauspielschülerin Iboly erduldet er nur. Mihálys Reflexionen über die Liebe, die Frauen und das Leben sind betörend, klug und berührend.

Meine Gedanken zum Buch:

Es ist lange her, dass ich mich so an der Sprache eines Buches freuen konnte. Normalerweise hab ich immer Probleme, Zitate für die Buchpatenschaft zu finden, aus diesem Buch möchte man gleich seitenweise zitieren.
Mihály, der Lebemann, der ständig um seine Existenz kämpfen muss, betrachtet die Welt einerseits mit großer Nüchternheit und Abgeklärtheit, gleichzeitig schwelgt er in poetischen Betrachtungen der kleinsten Begebenheiten, sei es auch nur, wie sich ein Herbstblatt vom Baum löst. Nie wird die Grenze zum Kitsch überschritten, egal, wieviel Gefühl er in seine Worte legt.
Szép beschreibt die Stimmungen, egal ob die allgemeine Lage nach dem 1. Weltkrieg oder das Halbdunkel im Schlafzimmer nach einer heissen Umarmung, so dicht und greifbar, dass man das Gefühl bekommt, ganz nah dran zu sein, das alles selbst schon einmal erlebt zu haben.
Gleichzeitig malt er ein Bild der damaligen Gesellschaft mit all ihren Gegensätzen. Die gelangweilte Ehefrau eines reichen Mannes, das liebe Mädel vom Theater - klischeehaft mögen sie schon sein, die Figuren, aber nicht ohne Eigenleben. Getrieben von der Suche nach der Liebe flaniert Mihály durch Budapest, empfindet eine Leere, die auch die Menschen in seiner Umgebung nicht zu füllen vermögen. Schonungslos und mit viel Humor betrachtet er die Welt. Besonders amüsant fand ich seine Gedanken über Männer, die die 40 überschritten haben, da musste ich mehr als einmal schmunzeln.
Alles in allem eine echte Perle und ein Top-Tipp für alle, die etwas für die ungarische Literatur des beginnenden 20. Jahrhunderts übrig haben.
 

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