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Boris Vian

Der Herzausreißer

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 21/04/2008 - 13:32
Inhaltsangabe

Eines Tages findet sich Jacquemort auf dem Weg vom Meer zum Haus am Steilhang. Jacquemort ist Psychiater - doch nun wird er anderweitig gebraucht. Im Haus am Steilhang ist nämlich gerade eine Geburt im Gang; und kein Arzt weit und breit.

Nachdem die Drillinge geboren sind, will die Mutter erst nichts mit ihnen zu tun haben - und schon gar nichts mehr mit dem Vater, Angel, der ihr diese Qual ja erst beschert hat.

Jacquemort, der zwar nur als Gast kam, jedoch keine Anstalten mehr macht, das Haus zu verlassen, wird mit diversen Aufgaben betraut; so macht er sich immer wieder auf den Weg in das Dorf, um alles Nötige für die Kinder zu besorgen.

Dieses Dorf ist jedoch ein Kapitel für sich; Lehrlinge sind ein Verschleißartikel, alte Leute werden auf dem Markt versteigert, Zuchthengste gekreuzigt, weil sie Unzucht betrieben haben, Katzen können sprechen und auch psychoanalysiert werden, und für das Schamgefühl bezahlt man eigens einen Mann.

Meine Gedanken zum Buch:

Vian schreibt schon ziemlich seltsame Bücher - auch im Herzausreißer (der übrigens im Roman kein einziges Mal vorkommt, sondern nur im "Schaum der Tage" eine Rolle spielt) tauchen wieder völlig abstruse Gestalten auf.

Und er ist diesmal ziemlich gnadenlos: unter dem Deckmantel des Humors zeigt er die Auswirkungen von übergroßer Mutterliebe genauso auf, wie das Verhältnis zur Religion, zur Sinnsuche in unserer Zeit - nicht umsonst bezeichnet der Psychiater sich als leer, als einer, der erst gefüllt werden muss.

Es ist ein Buch, das mit unzähligen doppeldeutigen Geschichten gespickt ist; hier auf alle einzugehen, würde erstens den Rahmen sprengen und auch viel vom Lesevergnügen vorwegnehmen.

Ich kann es allen, die mit leicht schräger Literatur etwas anfangen können, wirklich nur wärmstens ans Herz legen!

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Der Schaum der Tage

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mi, 06/02/2008 - 14:29
Inhaltsangabe

Colin hat seinen Freund Chick zum Essen geladen - alles ist bestens vorbereitet: blaßblaues, zum Teppich passendes Tischtuch, als Tafelaufsatz ein Glasgefäß, in dem zwei in Formalin schwimmende Hühnchen das Spectre de la Rose von Nijinski darstellen; als Aperitif gibt es einen Drink aus dem Pianococktail (jeder Note ist ein Getränk oder Gewürz zugeteilt, man muß nur noch die Melodie bestimmen). Nicolas, der Koch, serviert Pastete von einem Aal, den er mit Ananas-Zahnpasta aus der Wasserleitung gelockt hat. Die beiden Freunde unterhalten sich über Schielston, den neusten Modetanz, und natürlich über Jean-Saul Partre, den Chick mehr liebt als seine Freundin Alise und für dessen in Stinktierleder gebundene Ausgabe von Moder oder Erbrechen er sein ganzes Geld ausgibt. Als Colin endlich die süße Chloe kennenlernt - sie sieht aus, als wäre sie von Duke Ellington arrangiert -, wird gleich geheiratet, mit allem, was dazugehört: Ehrenpäderasten, einem schneeweißen Automobil und Unmengen von weißen Gladiolen und roten Rosen, mit denen die Zimmer ausgelegt werden. Der kleine Zwischenfall in der Kirche (der erste Kapellmeister war zu nahe an den Rand der Empore getreten und ins Leere gestürzt) wird nicht weiter beachtet, genausowenig wie einige nur von den Mäusen mit den netten Schnurrhaaren bemerkten Veränderungen in der Wohnung: die Sonnen scheinen nicht mehr so hell, die Kacheln erblinden, und die Ecken der Zimmer verschwinden. Noch auf der Hochzeitsreise hat Chloe ein rätselhaftes Gefühl. Professor Frißtfrist läßt zwar den Goldpegel in Colins Tresor immer weiter sinken, weiß aber keinen rechten Rat ...

Meine Gedanken zum Buch:

 

Dieses Buch von Boris Vian zählt zu seinen schönsten und ergreifendsten. Und vielleicht ist es auch eine der ungewöhnlichsten und schönsten Liebesgeschichten, die je geschrieben wurden. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen (und das schon zum dritten Mal). Vian besticht durch seinen unermüdlichen Einfallsreichtum, seine überschäumende Phantasie; niemals wirkt etwas schwerfällig, die Handlung breitet sich leichtschwebend aus und ist doch von einer existenziellen Tiefe, die berührt und nachdenklich macht. Das Buch ist komisch und tragisch - wie das Leben. "Ein Kultbuch von geradezu unerträglicher Schönheit" meinte der Kritiker von 3sat, und Recht hat er.

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