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Antje Wagner

Unland

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Do, 09/12/2010 - 17:29
Inhaltsangabe

Die vierzehnjährige Franka muss von Berlin nach Waldburgen ziehen, in ein Elbdorf mitten in Sachsen- Anhalt. Sie ist der "Neuzugang" im Haus Eulenruh, einem Wohnprojekt für sieben Kinder und Jugendliche. Doch irgendetwas stimmt nicht in dem Ort. Wieso schweigen die Erwachsenen so beharrlich, wenn man sie auf das verlassene Dorf Unland, diese Ruinenlandschaft am Waldrand, anspricht? Als plötzlich ein Junge aus dem Haus Eulenruh verdächtigt wird, einen Diebstahl begangen zu haben, gründet Franka eine Bande. Während die "Eulen" versuchen herauszufinden, wer hinter der Verleumdung steckt, stoßen sie auf ein viel größeres und unheimlicheres Geheimnis.

Meine Gedanken zum Buch:

Mit "Unland" hat Antje Wagner ein sehr berührendes und gleichzeitig spannendes Jugendbuch geschrieben, das sich vor allem auch durch seine zeitgemäße Sprache auszeichnet. Mir persönlich ist sie ein wenig zu sehr mit Kraftausdrücken durchsetzt, wobei mir bewusst ist, dass viele Jugendliche sich gerne so ausdrücken.
Wirklich nahe gegangen sind mir die oft nur angedeuteten Schicksale der einzelnen Kinder, die bei dem Ehepaar Kämpf ein neues Zuhause gefunden haben und dort so akzeptiert werden, wie sie sind, mit all ihren Narben und Macken. Franka selbst ist eine starke Persönlichkeit, sie kämpft sich durch, lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn es in ihrem Inneren oft ganz anders aussieht.

Wirklich überraschend ist die Wendung der Geschichte kurz vor dem Schluss, wo das geheimnisvolle "Unland" ins Spiel kommt, das die Kids immer nur aus der Ferne mit dem Feldstecher beobachten konnten. Und am Buchende hatte ich nur mehr Gänsehaut!
Eine Empfehlung für Teenager ab 14, die gerne einmal ein Buch jenseits des Mainstreams lesen, das viele ihrer eigenen Probleme auffasst und ihre eigene Sprache spricht.

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Schattengesicht

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 27/09/2010 - 15:26
Inhaltsangabe

Mila ist sechsundzwanzig und eigentlich Lehrerin. Doch dann begeht ihre Freundin Polly einen Mord für sie und die beiden flüchten vor der Polizei. Auf ihrer Odyssee geraten Mila und Polly immer wieder an gefährliche Menschen und in lebensbedrohliche Situationen, der Tod scheint sie zu verfolgen. Mit dem wenigen Geld, das Mila mit schlecht bezahlter Schwarzarbeit verdient, halten sie sich über Wasser. Sie leben in Abrisshäusern und brechen oft über Nacht alle Zelte ab, nur um in einer neuen Stadt wieder auf Pollys Fahndungsfotos zu stoßen. Das einzig sichere Versteck und mögliche Endstation ihrer Flucht scheint ein leerstehendes Haus in Schweden zu sein, von dem nur sie beide wissen. Doch nicht allein das Sterben umgibt die Freundinnen wie eine Aura. Etwas Ungreifbares, Rätselhaftes schwebt über den doch so unterschiedlichen Frauen: Ist wirklich allein ihre Freundschaft der Grund für den Zusammenhalt? Der Blick zurück in die gemeinsame Kindheit lüftet ein dunkles Geheimnis, das Mila und Polly untrennbar, auf beinahe obsessive Art, miteinander verbindet.

Meine Gedanken zum Buch:

Mit "Schattengesicht" hat Antje Wagner einen Roman geschrieben, der als Teil einer Krimi-Reihe erschienen ist. Meiner Meinung nach lässt er sich kaum diesem Genre zuschreiben, auch wenn der eine oder andere Todesfall den Pfad von Mila und Polly säumt.
Erzählt wird die Geschichte von zwei jungen Frauen, sie beginnt mit der Gegenwart und reicht zurück bis in die Kindheit von Mila, die von Verlust und Einsamkeit geprägt ist. Eine Freundschaft beginnt, die einerseits Milas Anker im Hier und Jetzt darstellt, andererseits immer wieder zu Missverständnissen führt, die sie an keinem Ort länger verweilen lassen. An jeder dieser Lebensstationen hinterlassen die beiden Frauen einen Toten.
Der Roman zeichnet sich einmal mehr durch Antje Wagners kreative und einfühlsame Sprache aus. Bis zum überraschenden Schluss der Geschichte fragt man sich, was die beiden Frauen dermaßen aneinander bindet. Rund 200 Seiten faszinierende Spannung in höchster sprachlicher Qualität - eine Empfehlung an alle, die mehr Wert auf leise Untertöne als auf reisserische Action legen.

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Hinter dem Schlaf

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 22/02/2010 - 17:32
Inhaltsangabe

Antje Wagners Roman markiert die feine Grenze, die die vertraute Wirklichkeit von der irrlichternden Sphäre dahinter trennt. Und er zeigt, dass diese Grenze in der Liebe überschritten werden muss. Die Geschichte beginnt mit einer Verstörung: Patrick, der Hals über Kopf aufgebrochen war, nachdem ihm seine Frau Marit die Koffer vor die Tür gestellt hatte, findet sich in einem schlammverkrusteten Auto vor einer Zapfsäule wieder – und ist allein. Dabei war doch gerade noch Anne bei ihm, die mädchenhafte Forscherin, in deren Haus er die letzten Wochen gewesen und mit der er von dort weggefahren ist. Während er eine Nacht an der Tankstelle verbringt und hofft, dass Anne zu ihm zurückkehrt, erinnert er sich an die gemeinsame Zeit in der Einsamkeit. Er hat sich bei seinem Bemühen, Zugang zu ihr zu finden, merklich verändert, und er ahnt, dass diese Veränderung noch nicht abgeschlossen ist. Als er sich am nächsten Morgen auf die Suche macht, ist er entschlossen, die verlorene Liebe wieder zu finden. Dabei gerät er in eine Geschichte, die ihm merkwürdig bekannt vorkommt. Er trifft auf eine Frau, von der er schon gelesen hat – und zwar in Annes Haus. Und er meint sich zu erinnern, dass er selbst auch in dieser Geschichte vorkam. Mit sprachlichem Feingefühl und subtiler Psychologie zieht Antje Wagner den Leser in die spannungsvollen Verhältnisse der Liebe, des Begehrens und der Selbstaufgabe.

Meine Gedanken zum Buch:

Antje Wagner hat ein Buch über die Liebe geschrieben, eine Geschichte, in der zwei Menschen sich kennenlernen, wieder verlieren und immer wieder neu entdecken müssen, indem sie scheinbar unüberwindbare Hürden meistern.
Die bildreiche Sprache steht für mich in einem direkten Kontrast zur Distanz zu den Figuren, die ich während des Lesens fast ständig verspürte. Die Kälte des Handlungsortes setzt sich für mich direkt in meinen Empfindungen fort, nistet sich als unangenehmes Gefühl in meinem Magen ein und lässt sich durch einen Ausflug in eine reale, greifbare Welt nur kurz vertreiben.
Alles in allem ein wortgewaltiges Buch, das man allen empfehlen kann, die Sinn für schöne Sprache haben und damit umgehen können, wenn die Protagonisten die Grenzen der Realität überschreiten.

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