Wenn alte Damen schießen

Wenn_alte_Damen_schie__en.jpgVier Morde an alten Frauen innerhalb eines Monats. Außerdem erwischt’s noch einen Polizisten. Belleville ist in Aufruhr. Die Polizei untersucht fieberhaft, denn es geht um Drogenkriminalität, um Korruption und Verbrechen auf höchster Ebene. Eine der vielen verdächtigen Spuren führt zu den Malaussènes, wo einige alte Männer als »Großväter« Familienanschluss gefunden haben. Benjamin Malaussène allerdings, der geborene Sündenbock, wird von der Polizei aufs Korn genommen, und Julie, seine große Liebe, gerät bei ihrer jounalistischen Arbeit in tödliche Gefahr. Bis alles aufgeklärt ist und die Täter überführt sind, hat Benjamins Schwester Thérèse viel Wahres aus dem Kaffeesatz gelesen, wird wieder ein Kind geboren, verliebt sich ein Polizist. Und dann bekommen die Malaussèneschen Kinder von einem der Großväter eine Geschichte erzählt, einen Krimi, originell, spannend, böse, witzig – echter Pennac. Pennacs Malaussène-Romane sind in Frankreich Bestseller, und in Deutschland sind sie längst Kult.

Meine Gedanken zum Buch: 

Diese Serie - es handelt sich hier um den zweiten Teil - lebt definitiv von der flapsigen Erzählweise, die einen immer wieder zum Kichern bringt. Und natürlich von der skurrilen Ansammlung von Charakteren, allen voran Benjamin, der im Grunde noch der Normalste von allen ist. Jede Menge jüngere Geschwister, eine permanent schwangere Mutter, keine Väter, dafür jede Menge adoptierte Großväter ergeben eine chaotische Mischung, die immer wieder für Aufsehen sorgt.
Und natürlich gerät Benjamin wieder mitten in eine Mordserie, soll auch hier zum Sündenbock werden, und kann nur mit List und Glück den Kopf aus der Schlinge ziehen.
Amüsant und unterhaltsam ist dieses Buch, durchaus auch spannend und in Momenten immer wieder berührend. Eine grandiose Mischung, nicht ZU schräg, sondern gerade im richtigen Ausmaß "anders" - gut, dass die Serie so viele Teile hat!
 
 
 
 

Es herrschte Winter über Belleville, und auf der Straßenkreuzung befanden sich fünf Personen. Sechs, wenn man die spiegelglatte Eisfläche dazurechnet. Sogar sieben mit dem Hund, der le Petit zum Bächer begleitet hatte. Ein epileptischer Hund, dem die Zunge seitlich aus dem Maul hing.

Seitenangabe für Zitat1: 
15

"Malaussène, ich habe Sie als Sündenbock angestellt. Sie werden dafür bezahlt, dass Sie sich an meiner Stelle anschnauzen lassen. Sie fehlen mir schrecklich."
(Sündenbock, ja, das ist mein Job. Offiziell bin ich "Verlagslektor", in Wahrheit: Sündenbock.)

Seitenangabe für Zitat2: 
27

Kochendes Wasser auf dem Herd und das Abendessen in der Backröhre, aber keine Clara und kein Rognon. Jéremys Geschichtsbuch aufgeschlagen auf dem Tisch, ohne Jéremy. Daneben le Petits Schreibheft it einem prangenden Klecks in der Mitte, aber wo ist le Petit? Thèréses Tarotkartn auf ihrem Tischchen, aufgefächerte Zukunft - und Thèrése? Und Merlan? Und Semelle? Und Risson?

Seitenangabe für Zitat3: 
147
Verlag: 
Kiepenheuer & Witsch
Auflage: 
2. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3462031577