Verrückt vor Angst: Ein Mädchen in der Jugendpsychiatrie

13243512N.jpgJeden Tag kämpft Nora aufs Neue. Eigentlich sehnt sie sich nach Spaß und Verliebtsein und Pläneschmieden. Doch Nora hat Angst. Die Angst hat sich in ihr Leben geschlichen und lässt sie nicht mehr los. Immer häufiger werden ihre Panikattacken, bis Nora den Kampf aufgibt. Erst als es fast zu spät ist, findet sie einen Weg aus ihrer Verzweiflung. Und einen Schutz vor der Welt draußen. Nora ist nur eine von vielen Jugendlichen in Deutschland, die auf jugendpsychiatrischen Stationen Hilfe finden. Stellvertretend für sie hat Nora ihre Geschichte erzählt und damit einen Roman ermöglicht, der in seiner schonungslosen Offenheit Mut macht.

Meine Gedanken zum Buch: 

Und wieder hat es ein Buch von Jana Frey zu mir geschafft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Geschichten von Jugendlichen nachzuerzählen, die oftmals schon sehr schreckliche Dinge in ihrem Leben mitmachen mussten. Eine davon ist Nora, die ihre Angst und Panik vor Krankheiten und dem Tod nicht mehr kontrollieren konnte und versucht, diese in einer Jugendpsychiatrie weitgehend zu lindern. Doch der Weg dahin gestaltet sich als sehr schwierig…
Die Autorin hat Noras Panikattacken und die Veränderungen, die sich dadurch in ihr Leben geschlichen haben, sehr authentisch und realistisch beschrieben. Auch die Verzweiflung, die Nora überfällt, als sie bemerkt, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmt, hat Frey wirklich sehr gut auf den Punkt gebracht. Man bekommt außerdem einen guten Einblick in den Alltag einer Psychiatrie. In diesem Buch wird jedoch fast ganz auf Sitzungen mit Therapeuten usw. verzichtet, dafür bekommt man Zugang zu Geschichten anderer Jugendlicher, die sich hier ebenfalls helfen lassen wollen. Auch der Schluss rundet die Geschichte wunderbar ab und passt genau dazu.
Zudem gefällt mir der Schreibstil sehr gut, welcher sich flüssig lesen lässt. Ein weiterer Pluspunkt stellt meiner Meinung dar, dass sich Frey für eine Ich-Erzählung entschieden hat, welche dazu beiträgt, dass man sich noch mehr in Noras Gefühlswelt versetzen kann.
Besonders gut finde ich auch, dass man am Ende erfährt, was aus Nora geworden ist und wie es ihr heute geht.
Ein lesenswertes Buch, welches ich auf keinen Fall missen möchte! 

„Ich hasse den Tod. Ich hasse den Tod wirklich. Oft wünschte ich mir, ich wäre nie geboren worden, denn dann müsste ich nicht eines Tages sterben.
Rolli ist gestorben. Er war mein Meerschweinchen. Ticktack ist gestorben. Er war mein Hund. Tante Fiona in Amerika ist gestorben. Meine beiden Omas sind gestorben. Mein Onkel Severin ist gestorben, dabei war er erst dreißig Jahre alt.
Und Lea ist gestorben.
Ich habe wirklich schreckliche Angst vor dem Tod.“

Seitenangabe für Zitat1: 
6

Ich rang nach Luft. Heute war Samstag – vielleicht würde ich an einem Samstag sterben. Oder im März. Ich warf einen fahrigen Blick auf das heutige Datum, das in großen Lettern auf der zerknitterten Zeitung neben mir stand.
Heute war der 19. März. Vielleicht würde ich an einem 19. März sterben, und dann würde dieses Datum unwiderruflich zu mir gehören wie mein Geburtstag. (…)
Ich sah, wie meine Hände zitterten. Meine Beine zitterten auch. Sogar meine Schultern zitterten. Ich versuchte, damit aufzuhören, ich versuchte, mich ganz fest auf meinen Sitzplatz zu pressen, aber es nütze nichts, ich zitterte weiter, es kam mir so vor, als würde sogar mein Kopf wackeln.

Seitenangabe für Zitat2: 
50

Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie.

(Ergibt von vorne und hinten gelesen genau den gleichen Satz.)

Seitenangabe für Zitat3: 
63
Verlag: 
Fischer
Auflage: 
5. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3596805594 / ISBN-10: 3596805597