Unsichtbare Schnüre Teil 2

 

von Reinhard Karner

 

Und da haben wir’s. Damals am Start war er ja schon so überheblich… den Kampf wieder und wieder entstehen lassen. Wasserhaut auf Haut, gewärmt ist nur die fleischige Berührungsfläche zum Email.

Oft nehme ich mir vor, diese Zeit der Entspannung mit Extraaktionen zu spicken. Es müsste doch möglich sein, gleichzeitig zu trinken oder zu lesen, was ich ja sonst nur so schwer auf die Reihe bekomme. Ja, ich habe ein liebstes Buch. Gern erzähle ich im richtigen Kreise, wie sehr ich im Buch bin. Ich könne davon nicht lassen. Bewundernd aber nur ein wenig Recht gebend sind die Reaktionen. So habe ich mich als Kind auch gefühlt, wenn ich auf etwas (oder auf nichts) Wert legte, die Eltern es duldeten und die für mich viel wichtigeren Klassenkameraden mich walten ließen. Meine Aktionen waren oft spontan, mit Euphorie gestartet und im Laufe der Zeit verebbt, wie eine zu wenig Wasser führende Quelle. Bombastische Brücken laufen quer über allzu hellen, vertrockneten Flussbetten einer vergangenen Zeit. Das Geheimnis lässt einen stumm gaffen.

Wann bin ich vollständig kalt? Mein Körper ist ein großer Saugnapf. Erst als mich die kalte Luftdecke vollständig umgibt und das letzte Wasser durch den Abfluss weggurgelt, drehe ich mich auf den kalten Bauch um ihn zu wärmen, sehe meinen Wälzer und bekenne vor mir, dass ich wieder nur gedacht habe. Ich bin von mir enttäuscht. Wie kann ich meine selbst geschmiedeten Pläne so postwendend ignorieren und fallen lassen? Komplett nass, aber doch nicht gewaschen, trockne ich mich ab. Ich hab ja nicht nur nicht gelesen, ich hab’ mich ja auch nicht eingeseift oder keine Ahnung was in einer Badewanne eigentlich üblich ist. Mein Kopf fällt verzweifelt vornüber und mein Blick fällt auf meine schrumpeligen Finger; der ganz feine Schmutz zwischen den weißen aufgeweichten Rillen ist noch ausharrend vorhanden. Wie der jemals rausgeht ist mir sowieso ein Rätsel. Wahrscheinlich geht’s von ganz allein und das tägliche Waschen ist reine Tradition und hilft einen Scheißdreck.