Ulysses

ulysses_0.gifDie beiden Haupt-"Helden" des Ganzen sind durchaus unheroische Lebenskämpfer. Wir erleben den Tagesablauf des tapferen "kleinen Mannes", Leopold Bloom (in chaplinesker Darstellung durchaus fassbar), der nichts Besonderes in seinem Inneren birgt noch in seinem Äusseren bietet, bis ins letzte...
Mr. Bloom tut und denkt ungestört alles, was gewöhnlich hinter verschlossenen Türen verrichtet und niemals vor anderen ausgesprochen wird, das heisst, er schreitet, von jeder repräsentativen Fassade entblösst, einher, erbarmungslos "geöffnet", wie die psychisch transparenten Portraits des jungen Kokoschka, die in jenen Jahren, als Joyce am "Ulysses" arbeitete, entstanden sind. (1904)

Meine Gedanken zum Buch: 

So, nun kann ich endlich dieses Buch vorstellen. Unendliche Anzahl von Zitaten wären hier möglich. Ich behaupte allerdings nicht - und das würde ich auch niemandem glauben - dass ich das ganze Buch, mit all seinen doch hochgeistigen Fremdwörter verstanden habe. Man kann dieses Buch sicher auch mit einem Duden parallel lesen, einiges ist nachschlagenswert oder googelnswert. Ich empfehle - vor der Lektüre - die Wiki dazu zu lesen.
Jetzt zum Inhalt: Ein Tag im Leben von Herrn Bloom + all seine Gedanken, die normalerweise nicht ausgesprochen werden (auch heutzutage nicht) kaum ein Buch bringt das. Die frivolen Stellen (seine Gedanken) unterjubelt Hr. Joyce geschickt seiner Gattin. Bemerkenswert ist auch der Stil. Einmal nur Annoncen dann wiederum 50 Seiten ohne Satzzeichen (Punkte, Beistriche) in einem durch. Auch sehr spannend, wenn man immer wieder über mögliche Satzanfänge stolpert.
Auch etwas sehr modernes verbirgt sich im Buch: nämlich FAQ-Stil. Fragen und die Antworten. Ich überlegte, ob dieses doch eher im letzten Drittel angesiedelte Kapitel nicht vielleicht früher im Werk besser plaziert wäre. Aber es ist so auch gegangen.
Ich empfehle dieses Buch allen Lesern, denen es nichts ausmacht, wenn man mal einiges nicht versteht. Nach zwei Seiten ist man dann schon wieder drinnen. Mancher Leser zerbricht ja bei einem Wort, dass er nicht versteht. Der darf dieses Buch nicht lesen.
Ich habe auch im Xing eine Art Lesetagebuch geführt: https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=5191653;offset=20
 
 

Thanky vous

Seitenangabe für Zitat1: 
150

Und wir stopfen Nahrung in ein Loch und hinten wieder raus.

Seitenangabe für Zitat2: 
201

Grosse spanische Augen blicken gierig nach nichts. Ihr wiwawuwawallendesschwischwascheres Haar un gekämmt:t. Zu viel Glück langweilt.

Seitenangabe für Zitat3: 
312
Verlag: 
deutsche Buchgemeinschaft Berlin, Rhein Verlag Ag Zürich,
Auflage: 
unbekannt
ISBN: 
keine

Kommentare

Hallo
Gratuliere erst einmal zum Versuch eines der größten Werke der europäischen Literatur der Neuzeit zu lesen - wahrlich es ist nicht einfach, aber hier ist es doch nicht ganz vollständig gesehen worden
Ulysses ( engl. für Odysseus) beschreibt 18 Episoden des Herrn Bloom an einem einzigen Tag und jede Episode lässt sich einer entsprechenden Episode aus Homers Epos zuordnen.
Die Sprache und die fehlenden Interpunktionen sind bewußt eingesetzte Stilmittel, die sich im Lauf der Buches verändern.
Es gibt viele schlechte und willkürlich gekürzte Übersetzungen, am Besten wäre natürlich das Original zu lesen, aber dazu muß man die englische Sprache wirklich gut kennen.
Der 16. Juni (der Tag im Leben des Leopold Bloom)  ist heute als BLOOMSDAY eine Art inoffizieller Feiertag in Dublin, wer genaueres wissen will siehe hier http://de.wikipedia.org/wiki/Bloomsday
Leider wurde nicht geschrieben, vom wem die Übersetzung ist, ist es tatsächliche eine von 1956, dann bitte nochmals lesen und zwar eine Übersetzung von 1996 oder die kommentierte Ausgabe von 2004 (beide Suhrkamp Verlag)
 
Rotbart

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

 

Nett von dir, dass du ihm gratulierst, dass er versucht hat dieses Buch zu lesen - auch wenn er es deiner Meinung nach nicht ganz verstanden hat. Smile

Es ist aller Ehren wert es zu versuchen, ein solches Buch zu lesen und zwar komplett. Das hat mit der Interpretation (nicht dem Verstehen) garnichts zu tun !
Wenn jemand (vielleicht) Homer nicht gelesen hat oder keine Hintergründe gezeigt bekommen hat, ist es für ihn sehr schwierig, solch ein Werk einzuordnen, mein Kommentar ist keine persönliche Kritik am Leser und Poster, sondern eine Anregung das Buch Angel in einer guter Übersetzung zu lesen und (b) einen Weg aufzuzeigen wie man man in das Werk eindringen kann.
Jeder hat mind. ein Buch an dem er verzweifelt, bei mir ist es z.B. das Buch Die sieben Säulen der Weisheit  von T. E. Lawrence, ich habe es nie geschafft mich durch das Original mit immerhin 335.000 Worten (kein Tippfehler) durchzubeißen.
Aber es gibt kaum jemand der die Kurzfassung nicht kennt, denn es handelt um die Geschichte von Lawrence of Arabia bzw. es ist seine eigene Autobiographie !!
Gleich stelle ich noch etwas "Wert zum Versuchen ein"
Rotbart
 

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

... kam ich mit 18 während eines Oxford-Aufenthaltes mit James Joyce in Berührung, als ich dort eine Literaturvorlesung besuchte, bei der "Ulysses" eindringlich empfohlen wurde; ich bewundere jeden, der es geschafft hat, dieses Buch zu lesen, das nun schon seit mittlerweile vielen Jahrzehnten in meinem Bücherregal (in der englischen Version) steht. Ich selbst bin nicht einmal über die erste Seite hinausgekommen Sad
 

Wer macht sonst noch mit?
Drei Bookreaders sind schon fix!
Hab mir die Neuübersetzung von Suhrkamp (ISBN: 9783518458167) zugelegt und lese Ulysses nun nochmals.
Würde mich freuen, wenn viele dies auch täten. Es soll hier ein richtiges Lesetagebuch entstehen.
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Ich wünsche uns viel Spaß und Durchhaltevermögen für dieses Buch!
Reinhard
 
 

Lieber Reinhard,
habe Ulysses endlich vorliegen ( Übertragung von Hans Wollschläger/ edition suhrkamp/ ISBN: 3-518-11100-0/ Erste Auflage dieser Ausgabe 1981) ....habe begonnen, bin jetzt auf Seite 16.... habe mir allerdings vorher noch 23 Seiten von Wikipedia ausgedruckt, durchgelesen und werde wohl etwas länger brauchen ( Du bist schon auf Seite 100 ), da ich zwischendurch zum Vergleich auch immer noch in der Odyssee von Homer blättern möchte....erster Eindruck ist recht krass und hat mich spontan an Henry Miller erinnert....von dem habe ich zufällig mal "Wendekreis des Krebses" auf einem Flohmarkt aufgegabelt....irgendwie haben mich zumindest die ersten Seiten von Ulysses arg daran erinnert....(Stil-mäßig)
.....habe vielleicht auch eine etwas andere Sicht, bin ja kein Mann....total spannend...
Ganz liebe Grüße,
melde mich mit Neuigkeiten....bin neugierig auf den Zusammenhang mit der Odyssee...
Yvonne

versuche alles gelten zu lassen - auch den teilweise Blödsinn, der vorkommt. Einige Szenen bringen irrsinnig starke "Bilder" in unsere Leseköpfe.
Falls dir Sätze spontan gefallen, bitte posten.
lg
Reinhard

 
Lieber Reinhard,
erst etwas "Schönes"....
"Abgelegt im Gedächtnis der Natur mitsamt ihrem Spielzeug." (S.16)
und jetzt kommt was,was auch von Miller stammen könnte/ so heftig:
" Ihre schöngeformten Fingernägel, rötlich vom Blut zerquetschter Läuse aus den Kinderhemden." (S.17)
Äh......Igitt......wie fies, aber es sind Bilder, da hast Du absolut Recht....gut, es gibt immer beide Seiten.....das ist somit demonstriert....
....muß mal sehen, was war J.Joyce denn für´n Sternzeichen....??? Antwort folgt...
LG Yvonne
 
Nachtrag.....er ist Wassermann (2.Februar)..."Astrologische Entsprechung: Uranus steht in der Astrologie für den ursprünglichen schöpferischen Akt. Übersetzt heißt das, er steht für Geistesblitze, intuitive Einfälle, originelle Ideen, auch Überraschungen; aber auch für Freiheit, vor allem geistige, und Unabhängigkeit" ( Zitat: S.137 aus Der 100jährige Kalender/ Hermine-Marie Zehl/ Bassermann-Verlag/ 2005/ ISBN: 3-8094-1849-8)
....so, jetzt wundert mich nix mehr....
habe jetzt "den ersten Gesang"- Wie die Götter die Heimkehr des Odysseus beschließen und Athene nach Ithaka zu Telemachos geht- ( S. 7-22 ) von Homer/Odyssee parallel gelesen: ISBN: 3-7632-3040-8 Lizensausgabe für Büchergilde Gutenberg/ 1991-Ins Deutsche übertragen und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Schadewaldt.
" Denn höher preisen die Menschen stets den Gesang, der ihnen als der neueste zu Ohren kommt" (S. 18) .....stelle fest, es sind 24 Gesänge....+ Nachwort......nach Wiki sind es bei Ulysses 18 Episoden ....hm...jede Episode soll den Kapiteln Homers zugeordnet werden können...ja...nee ...Kapitelüberschriften gibt es bei J.Joyce nicht...
.....bin jetzt voll auf der Spur ;o))

Und abermals, merkt auf das murmelnde Bächlein, wie es sich windet, wie's babbelt und schwatzt auf seinem Weg, umfächelt vom sanftesten Zephir, und ob es schon kämpfen muß mit steinernen Hindernissen, erreicht's doch die brausenden Wasser von Neptuns blauem Gebiet, hin an gar moosigen Ufern, vom Sonnenlicht herrlich umspielt oder tief in den Schatten, die auf den sinnenden Busen ihm wirft das rauschige Blattwerk der Riesen des ragenden Walds.

"Halt dich ans Jetzt, ans Hier, durch das alle Zukunft sich in die Vergangenheit stürzt."

"Ein Genie macht keine Fehler. Seine Irrtümer geschehen willentlich und sind die Pforten der Entdeckung."

"Der Himmel zeigte ihm eine Herde kleiner weißer Wolken, die langsam vor dem Winde trieben."

"Shakespeare ist der ewige Jagdgrund für alle Köpfe, die aus der Balance geraten sind."

"Die glauben doch, sie ist Gott: beziehungsweise Göttin."
(Emanzipation schon bei Joyce vor hundert Jahren!)

Man kann machen, was man will, wenn man mit Zahlen jongliert. Immer kommt raus, daß dieses gleich jenem ist.

Der Freund, den wir lieben, der steht uns zur Seit', und der Feind, den wir hassen, steht vor uns.

Bloom beginnt, murmelnd, die Augen niederzuschlagen, seine Pakete in seinen vollen Taschen zu verstauen, gibt es dann jedoch murrend auf.
 
 

Ich bin nicht zum Vergnügen hier. Ich befinde mich in einem ernsten Dilemma.
(Erjklärung: Bloom ist im Rotlichviertel von Dublin.)

Bin gerade auf S 610. Es fügt sich schön langsam wohltuend. Nun ist es bereits Abend und Mr. Bloom irrt durch dubiose Viertel in Dublin. Er hält Kontakt zu käuflichen Damen und da ergeben sich deftige Dialoge. Sehr lustig.

S 704:
"Und Noah ward trunken vom Wein. Und seine Arche stand offen."
S 704:
"Mach ein bißchen Parlehwuh!"
S 709:
"Er menuettet drei Schritte vor, auf trippelnden Bienenfüßen."
S 718:
"Sie ist demmanntreu."
S 722:
"Er provoziert meine Intelligenz."

"Warum störte ihn das Fehlen von Licht weniger als das Vorhandensein von Lärm?"

Das Lese-Durchhalten hat sich gelohnt. Die letzten 50 Seiten sind aus der Sicht seiner nicht immer ganz treuen Frau (um das positiv auszudrücken). Sehr überzeichnet ist die Phase, wo er sein Geschlecht wechselt und von seiner Umgebung extrem behandelt wird.
Übrigens wurde Ulysses gerade wieder neu verfilmt - für die Cineasten unter uns.
Am 21. Oktober erscheint der Film "Bloom".
http://www.amazon.de/gp/product/B005GZ9VNQ/ref=ox_sc_act_title_1?ie=UTF8&m=A3JWKAKR8XB7XF