Totenverse

Totenverse.gifVerbotene Verse, die Gesetze des Islam und der Tod einer mutigen Frau: Als sich die Pathologin Katya und der Wüstenführer Nayir an die Ermittlungen machen, steht ihnen nichts so sehr im Weg wie die Tabus ihrer eigenen arabischen Kultur. Ein fesselndes Stück aus einer für westliche Augen meist verschlossenen Welt.Darf ein guter Moslem es zulassen, dass eine junge Frau unverhüllt auf der Straße läuft? Als die Filmemacherin Leila am Strand von Dschidda aufgefunden wird, scheint ihr Tod die Rache für ein Filmprojekt zu sein, mit dem sie die Doppelmoral der arabischen Gesellschaft anprangern wollte. Doch als man bei Leila Fotos einer verbotenen alten Version des Koran findet, verstehen die junge Pathologin Katya und der strenggläubige Wüstenführer Nayir, dass die Ursachen für den Mord viel weiter reichen. Denn die längst vergessenen Verse stellen die Wurzeln ihres Glaubens infrage ....

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein spannender Kriminalroman, der intime Einblicke gibt in eine uns weitgehend verschlossene Welt zwischen Wüste, modernem Großstadtleben und den strengen Gesetzen des Islam. 
Man wird einerseites unverblümt mit jenen Lebensumständen konfrontiert, mit denen Frauen in dieser Welt Tag für Tag zu kämpfen haben: eine streng gläubige Gesellschaft, Isolation, Unterdrückung, Verbote wohin das Auge reicht...
Was für mich aber auch sehr interessant ist und leider in solchen Romanen oft vergessen wird (hier allerdings nicht), ist  die Rolle des Mannes! Man wird Zeuge einer Kluft die sich hier auftut, nämlich der Zwiespalt zwischen Religion (Koran) und Tradition auf der einen Seite - Emotion, Verstand, Gefühl auf der anderen Seite. Es wird vermehrt deutlich, das sich die traditionellen Lehren des Koran, immer schwieriger in das heutige Leben übertragen lassen (vorallem jene Teile, die den Umgang zwischen Mann und Frau regeln).
Was diesen Roman zusätzlich noch sehr lebendig macht, ist die Tatsache, dass die Autorin Zoe Ferraris, dieses Buch nicht nur allein auf Recherchen aufgebaut hat, sondern auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Ferraris hat über ein Jahr in einer streng gläubigen Gemeinde in Dschidda gelebt, wo sie mit einem Moslem verheiratet war. Umso mehr spürt man hier ihre eigenen Eindrücke über Land, Leben, Kultur und Religion.

Früher  hatte er sie ermuntert, häufiger rauszugehen - "Das wird dir guttun" sagte er -, aber die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass das eine ganz schlechte Idee war.
"Du bist Amerikanerin" sagte er einmal. "Dich lassen sie garantiert in Ruhe."
"Ich bin eine Frau. Alles andere zählt nicht."

Seitenangabe für Zitat1: 
42

Als er sie am Straßenrand gesehen hatte, waren seine Augen blitzschnell von ihr weggehuscht und hattten sich auf diesen rätselhaften Punkt  oberhalb ihres Kopfes konzentriert, den sie für sich  selbst als ihren "Heiligenschein" bezeichnete, die Stelle, auf die gläubige Männer ihren Blick richten, wenn sie einer Frau nicht ins Gesicht sehen wollten.

Seitenangabe für Zitat2: 
237
Verlag: 
Pendo Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-86612-232-1