Tödliche Manga

Eigentlich könnte Rei Shimura mit ihrem neuen Freund Takeo ganz entspannt den Sommer im Strandhaus seiner Eltern in Hayama genießen. Doch dann beginnt sie sich für Manga zu interessieren, deren Helden cooler als alle Helden aus Fleisch und Blut sind. In der bunten Welt der Kult-Comics und Zeichenkünstler, ihrer Fans und Conventions wird die attraktive Rei Zeugin eines bizarren Mordes, und sie erfährt mehr über die tödliche Mischung aus modernem Kult und alten japanischen Traditionen, als sie jemals wissen wollte …

Meine Gedanken zum Buch: 

Der vierte Teil der Rei-Shimura-Reihe führt uns ins Reich der Manga-Fanatiker, die man in Japan in jeder Bevölkerungsschicht findet. Vom harmlosen Katzengesicht bis zu extrem expliziten und perversen Pornos findet man alles in diesem Genre. Dazu gehört auch noch eine sehr rege Verkleidungskultur, Conventions, bei denen die verschiedenen Comicfiguren aufeinandertreffen. Ich konnte mich für Mangas noch nie begeistern, aber es war schon interessant, über diese uns so fremde Szene zu lesen.
Was mindestens genau so neu für mich war, das war die Beschreibung der Strip-Bars, in denen ausländische Männer sich für Geld vor Schulmädchen ausziehen. Also nicht tought Geschäftsfrauen, die dort ihr Geld nach der Arbeit abliefern, sondern junge Mädchen in Schuluniformen, die dort den Unterricht schwänzen und ihr Taschengeld ausgeben. Unglaublich!
Die Geschichte selbst war wie immer amüsant und durchaus spannend, auf jeden Fall empfehlenswert für alle, die schon die ersten Teile der Reihe gelesen haben.

Die Kellnerin lachte. "Bestimmt. Es ist ein Frauenclub, da kann man einen Riesenspaß haben. Wie heißt es so schön? Jede Frau sollte mal einen fremden chin-chin sehen."
Die Kellnerin, die ausgesprochen vulgär über die männliche Anatomie sprach, hielt mich offenbar für eine echte Japanerin. Normalerweise hätte mich das gefreut, aber diesmal war es mir peinlich. Ein Striptease-Lokal mit ausländischen Männern? Tja, der Schuppen hieß wohl nicht umsonst "Show a Boy".

Seitenangabe für Zitat1: 
57

Jetzt wurde die Tür langsam geöffnet, und vor mir stand eine ziemlich merkwürdige Gestalt, eine Person meines Alters, die sowohl männliche als auch weibliche Merkmale zu besitzen schien. Sie trug eine lavendelfarbene Acrylperücke, hatte ein fahles Gesicht wie eine Kabuki-Figur und leuchtend blaue Augen, und der sinnliche Körper steckte in einem blauen Nylon-Gymnastikanzug mit hohem Kragen. Der silberfarbene Lamé-Rock reichte bis zum Boden, so daß ich die Füße nicht sah. Das mußte ein Transvestit sein, dachte ich. In Roppongi hätte ich ich mit sowas gerechnet, aber nicht hier in Nezu.

Seitenangabe für Zitat2: 
96
Verlag: 
Piper
Auflage: 
3. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3492241687