Tagebuch der arabischen Revolution

Fast nonstop hat Karim El-Gawhary als ORF-Korrespondent in TV und Radio von der arabischen Revolution berichtet - als einziger deutschsprachiger Journalist war er sowohl in Tunis als auch in Kairo und Bengasi live dabei. Er hat in Zeitungsreportagen und auf seinem Blog die Ereignisse dokumentiert und auf Facebook und Twitter seine Community mit den aktuellsten Kurzmeldungen versorgt.
Dieses Buch nimmt die Leser noch einmal mit auf seine Reise zu den Schauplätzen der Revolution. Es beschreibt hautnah den Beginn einer neuen Ära im arabischen Raum - und wagt eine Antwort auf die Frage, wie es dort weitergehen kann.

Meine Gedanken zum Buch: 

Karim El-Gawhary lässt am packenden Geschehen in der arabischen Welt teilhaben. Anfangs ein wenig schleppend, wird das Buch immer spannender und für mich war es fast unmöglich nicht alles in einem durchzulesen.
Man erinnert sich an die ORF Berichte zurück und kann sich sehr gut in die Lage von Herrn El-Gawhary versetzen und ist am Ende froh darüber, dass er diese aufregende Zeit gut überstanden hat.
Durch sehr informative und interessante Hintergrundinformationen, teilweise mit humorvollen Anekdoten garniert, versteht man die Vorgänge in der für uns teilweise fremden arabischen Welt besser. El-Gawhary versucht auch einige Szenarien, wie es in Zukunft weitergehen könnte, darzustellen.
Ich kann das Buch nur weiterempfehlen und werde es bestimmt noch einmal lesen!
 

3. Februar 2011 00:47: Acht Journalisten wurden heute Nacht angegriffen. Vier werden vermisst. Auf dem Handy eines von ihnen antwortet der Schläger: "Habe ihn umgebracht."
3. Februar 2011 00:49:  Terror in Kairos Innenstadt. Sie suchen nach Journalisten. Viele Kameras wurden zerstört.
3. Februar 2011 00:52: Ich kann die Schläger vom Fenster aus sehen.
3. Februar 2011 07:23: Mindestens sechs Tote heute Nacht am Tahrir. Drei durch scharfe Munition.
3. Februar 2011 07:25: Mehrere tausend Demonstranten harren dort immer noch aus. Kleinbusse bringen immer neue Schläger an den Rand des Platzes.
3. Februar 2011 07:26: Laut arabischen Medienberichten wurde ihnen Geld versprochen, wenn die Schläger den Platz erobern.

Seitenangabe für Zitat1: 
100

27. Februar 2011 13:37: Bin in Bengasi angekommen. Putze gerade mein Zimmer und mache mein Bett in einem Fünf-Sterne-Hotel. Der Zimmerservice ist geflüchtet.
28. Februar 2011 7:26: Ich bin gerade in Bengase aus dem Schlaf der Erschöpften aufgewacht und habe ein Live-Gespräch mit dem Ö3-Wecker um 7:30 verschlafen. Sorry. Zu meiner Verteidigung: Meine letzte Schaltung war mit der ORF-Sendung "Im Zentrum" um Mitternacht.
1. März 2011 13:30: Gestern wollte ich einen libyschen Chip für mein Handy in Bengasi kaufen. Alles ausverkauft. Daraufhin öffnet einer der Jugendlichen sein Handy, nimmt seinen Chip heraus und gibt ihn mir. "Du brauchst den als Journalist jetzt dringender als ich ", sagte er. Er hat sich strikt geweigert, Geld anzunehmen. Im Laden haben sie mir dann noch Geld draufgeladen. " Für die Revolution", meinten sie.

Seitenangabe für Zitat2: 
177178

Unterdessen machte eine Gruppe superreicher Geschäftsleute im Schatten des Regimes oder besser gesagt von Mubarak protegiert ihre Geschäfte, darunter auch seine beiden Söhne Gamal und Alaa. Zahlreich sind die Witze über die Korruption rund um Mubarak, wie beispielsweise der folgende: Alaa wird zur Mercedes-Vertretung in Kairo eingeladen:" Für nur zwei Euro können sich Eure Exzellenz eine Luxuslimosine aussuchen", bietet der Mercedes-Verkäufer seine Bestechungsgabe an. Der Präsidentensohn zückt einen 10-Euro-Schein." Ich habe aber kein Wechselgeld", entschuldigt sich der Mercedesvertreter. "Macht nichts", entgegnete Alaa, " dann nehme ich gleich fünf Fahrzeuge."
 

Seitenangabe für Zitat3: 
153
Verlag: 
Kremayr & Scheriau KG, Wien
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
978-3-218-00829-7