Stolz und Vorurteil

Stolz_und_Vorurteil.jpgJane Austen lässt ihre Charaktere mit treffsicherem Humor agieren. In Stolz und Vorurteil entfaltet sich das komplexe Spiel der Liebe in zwei Variationen: das sentimentale Paar Bingley und Jane und das intellektuelle Paar Darcy und Elizabeth. Mit ihrer moralischen Eindeutigkeit blicken die Romane Jane Austens zurück auf das 18. Jahrhundert, mit ihrer objektiven Erzählweise nehmen sie moderne Entwicklungen vorweg.
Nichts in ihren Romanen ist Selbstzweck, nichts bloße Beschreibungssucht. Sie sind ökonomisch gebaut und eine bewundernswerte künstlerische Gestaltungskraft ist hier am Werk.
(frei nach dem Klappentext dieser Ausgabe.)

Meine Gedanken zum Buch: 

Eines meiner Lieblingsbücher.
Es gefällt mir, dass eine Frau, die Ende 18. Anfang 19. Jhd. gelebt hat, ihre Zeit sozialkritisch und ironisch beschreibt. Fußnoten in diesem Roman erklären damalige Gegebenheiten und genau das schätze ich: Abgesehen davon, dass dieses Buch humorvoll ist, hat man noch dazu die Gelegenheit, die damalige Zeit besser kennen zu lernen. Der Walzer begann sich in England durchzusetzen. Die ersten Häuser Londons wurden mit Gaslicht erleuchtet. In den Bergwerken fuhren die ersten Eisenbahnen, die ersten Dampfschiffe tuckerten auf den Flüssen.
Der Roman beschreibt den Lebensstil der ländlichen Gentry, des oberen Mittelstandes. Die Frauen beschäftigen sich mit Kunst: Sie malen, sticken, singen, spielen Klavier. Die Männer verwalten ihren Besitz und gehen zur Unterhaltung auf die Jagd. Und abgesehen davon dreht sich alles darum, sich bestmöglich zu verheiraten. (Dementsprechend beginnt der Roman: „Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.“ Zitat S. 7)
 
Besonders in der Familie von Elizabeth ist dies von Bedeutung, da sie nämlich vier Schwestern und keinen einzigen Bruder hat. Damals war es Frauen nicht möglich, eine Erbschaft anzutreten. Der Familienbesitz würde beim Tod ihres Vaters an den nächsten männlichen Verwandten gehen, die Frauen müssten ausziehen.
 
Was auch fasziniert, ist die Langsamkeit dieser Zeit. Kutschenfahrt statt Autobahn, tagelanges Warten auf Briefe statt SMS. Und die Ruhe. Kein Radio, keine Werbung, Musik gibt’s nur, wenn man sie selbst macht. Klingt doch verlockend in dieser hektischen Zeit – oder?
 
lg, Gabi

Dann versammelte sich die Gesellschaft um den Kamin, um zu hören, was Lady Catherine über das morgige Wetter entschieden hatte.

Seitenangabe für Zitat1: 
171

Lady Lucas fragte Maria über den Tisch hinweg nach dem Befinden und Geflügel ihrer ältesten Tochter;

Seitenangabe für Zitat2: 
226

Seiner Frau verdankte er wenig mehr als das Amüsement, das ihm ihre Dummheit und Naivität bereiteten. Zwar handelte es sich dabei nicht um das Glück, das ein Ehemann seiner Frau normalerweise verdanken möchte, aber wo jede Gabe zu unterhalten fehlt, nimmt der wahre Philosoph mit den Gegebenheiten vorlieb.

Seitenangabe für Zitat3: 
241
Verlag: 
Reclam Leipzig
Auflage: 
2.
ISBN: 
3379017299